Fussball-Kolumne : Water-Gate, Aus-Grenzung, Pfeif-Konzert

Uwe Seeler darf vorerst nicht ins Volksparkstadion.

Uwe Seeler darf vorerst nicht ins Volksparkstadion.

In seiner Kolumne schreibt Jürgen Muhl über die Entwicklungen in der Sportwelt.

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04. Juli 2021, 16:43 Uhr

Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Die Rücktrittswelle nach dem frühen EM-Aus kommt ins Rollen. Häufig ist es dann viel zu spät. So wie bei Jogi Löw, der schon vor der Weltmeisterschaft 2018 in Russland hätte gehen sollen, spätestens aber nach dem peinlichen Vorrunden-Aus. Er aber blieb. Weil auch sein Arbeitgeber keine kritischen Worte fand. Analysen blieben aus. Nur Geschwafel. DFB-Sportchef Oliver Bierhoff bleibt auch jetzt noch und führt sich so auf, als hätte er mit den Pleiten 2018 und 2021 nicht das Geringste zu tun. Rein gar nichts. Von der Verbandsspitze hat er nichts zu befürchten, die besteht ja nicht einmal mehr auf dem Papier.

DFB-Desaster wird immer größer

Das Desaster um den Deutschen Fußball-Bund wird immer größer. Über die verschwundenen 6,7 Millionen Euro, mit der offenbar die WM 2006 gekauft wurde, redet kaum noch jemand. Jetzt sind es sechsstellige Summen für Berater-Honorare, über die es keine Aufklärung gibt. „Ein Hauch von Watergate“ liege über dem DFB, schreibt der „Spiegel“. Mittendrin Interims-Präsident Rainer Koch, ein früherer OLG-Richter. Umso mehr sich Rechercheure mit diesem Mann beschäftigen, um so enger wird es um den einst so hoch angesehenen Deutschen Fußball-Bund. Nur ein Hauch von Watergate? Womöglich ist es mehr.

Kroos verkündet Abschied

Toni Kroos hat seinen Abschied aus der Nationalelf angekündigt. Gut so. Auch er hat nach der WM 2014 keine Akzente mehr setzen können. Kroos sagt, Löw-Nachfolger Hansi Flick hätte gern an ihm festgehalten. Das wäre Flicks erster Fehler im neuen Amt gewesen.

Kein Stadionbesuch für HSV-Ikone

Uwe Seeler darf zu Beginn der neuen Saison nicht ins Volksparkstadion. Das hat die Hamburger Innenbehörde so festgelegt. Die Genehmigung, dass 30 Prozent der Stadionkapazität in den Stadien des HSV und des FC St. Pauli mit Zuschauern belegt werden darf, hat einen Haken. Da heißt es nämlich, dass die personalisierten Karten ausschließlich Einwohnern aus der Freien- und Hansestadt Hamburg ausgehändigt werden dürfen.

Da Seeler aber in Norderstedt lebt, was ja nun einmal zu Schleswig-Holstein gehört, darf die HSV-Ikone nicht in sein Stadion. Dies gilt auch für die Tausenden von HSV-Fans, die im schönen Schleswig-Holstein leben. Da haben Bürokraten ein Eigentor der besonderen Art erzielt. Sie werden diesen Passus wahrscheinlich korrigieren. Schon, um Uwe Seeler Einlass zu gewähren. Wenn er denn noch Lust hat.

Man stelle sich vor, ins Holstein-Stadion dürften nur Kieler Stadtmenschen. Also niemand aus den benachbarten Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Plön oder Ostholstein. Das wäre ein Desaster für Holstein. Leben hier doch mehr Freunde und Sponsoren als in der Landeshauptstadt selbst.

Manuel Gräfe darf nicht mehr

Gute Schiedsrichter sind in der Bundesliga zwar keine Mangelware, aber im Überfluss gibt es sie auch nicht. Der Beste, Manuel Gräfe, wird nicht mehr eingesetzt, weil er mit 47 Jahren vom DFB in Rente geschickt wurde. Das hat jener Verband, der von älteren und zumeist angreifbaren Funktionären geführt wird, so entschieden. Alter geht vor Leistung. Welch ein Irrsinn. Beim DFB haben leider eine Reihe von „Pfeifen“ das Sagen.

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