25 Jahre nach dem Finaltriumph : Was die Fußball-Weltmeister von 1990 heute machen

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Die glorreichen Elf der Weltmeisterschaft 1990.

24 Jahre lang waren die Spieler von 1990 Deutschlands letzte Fußball-Weltmeister. Dennoch waren und sind nicht alle in der Karriere danach groß im Geschäft. Ein Überblick.

shz.de von
08. Juli 2015, 18:35 Uhr

Der 8. Juli hat seinen Platz in der deutschen Sporthistorie sicher: Vor exakt einem Jahr, am 8. Juli 2014, deklassierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in einem denkwürdigen WM-Halbfinale Gastgeber Brasilien mit 7:1. Fünf Tage später durften Philipp Lahm & Co. den goldenen Pokal in die Höhe stemmen, der als Teil der Amateurfußballkampagne „Unsere Amateure. Echte Profis“ am 25. Juli beim TV Grundhof in Streichmühle zu Gast ist.

Daran dachte 1990 noch niemand als die deutsche Nationalmannschaft - ebenfalls am 8. Juli - mit einem 1:0-Sieg gegen Argentinien im Endspiel den dritten WM-Titel holte. Die Finalhelden von Rom, wie Guido „Diego“ Buchwald oder Andreas Brehme, der den Siegtreffer per Elfmeter erzielte, sind bis heute unvergessen. Doch was machen sie heute, ein Vierteljahrhundert nach dem Titelgewinn? shz.de geht die Positionen mal durch.

TOR

Bodo Illgner (48): Die unumstrittene Nummer eins bei der WM ist mit 23 Jahren der jüngste Torwart, der Weltmeister wurde. Er trat 1994 nach dem Ausscheiden bei der nächsten Weltmeisterschaft und Kritik an seiner Person aus der Nationalelf zurück. Mit Real Madrid wurde er zweimal Champions-League-Sieger (1998 und 2000).

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In Aktion: Bodo Illgner erteilt den Mitspielern lautstark Anweisungen.

Nach seiner aktiven Laufbahn schrieb er zusammen mit seiner Frau ein Buch und ist aktuell als TV-Experte tätig. Illgner diente sich mehrfach erfolglos als Sportdirektor für die Bundesliga an und lebt mit seiner Familie in Florida und Spanien.

Raimond Aumann (51): Bei der WM blieb er als erster Ersatztorhüter ohne Einsatz, im Verein bei Bayern München sammelte er deutlich mehr Spielpraxis und blieb dort noch bis 1994 Stammtorwart.

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Mit Bayern München wurde Aumann Deutscher Meister.
 

Nach der Verpflichtung von Oliver Kahn wechselte er für ein Jahr zu Besiktas Istanbul und wurde unter Christoph Daum türkischer Meister. und beendete dann seine Karriere. Anschließend wurde er Fanbetreuer des FC Bayern und ist heute Direktor der Fan- und Fanclubbetreuung beim Rekordmeister.

Andreas Köpke (53): Der gelernte Kfz-Mechaniker aus Kiel spielte beim Turnier in Italien als dritter Torwart keine Minute, wurde aber nach der nächsten Weltmeisterschaft Stammkeeper und führte Deutschland 1996 zum Europameister-Titel.

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Andreas Köpke blieb 1990 ohne WM-Einsatz, holte aber den EM-Titel sechs Jahre später.

Nach dem Karriereende arbeitete er drei Jahre beim Vermarkter Ufa. Seit Oktober 2004 ist er Nachfolger von Sepp Maier als Torwarttrainer der Nationalmannschaft.

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Der Nationalmannschaft ist Andreas Köpke erhalten geblieben - als Torwarttrainer.

ABWEHR

Klaus Augenthaler (57): Direkt nach Karriereende stieg er als Trainer bei Bayern München ein und coachte die A-Jugend. Im Mai 1996 übernahm er vorübergehend den Cheftrainer-Posten beim FC Bayern.

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Klaus Augenthaler gehörte 1990 zu den erfahreneren Profis.

Nach seinem Weggang aus München trainierte Augenthaler sieben Jahre lang die Erstliga-Teams aus Nürnberg, Leverkusen und Wolfsburg. Seitdem sein Vertrag in Unterhaching 2011 nicht verlängert wurde, ist „Auge“ ohne Trainerjob.

Thomas Berthold (50): Nach dem Turnier geriet seine Karriere kurz ins Stocken, bevor er in Stuttgart wieder aufblühte. Berthold brachte es auf 18 WM-Spiele bei drei Teilnahmen, insgesamt auf 62 Länderspiele.

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Der WM-Titel war der Höhepunkt der sportlichen Karriere von Thomas Berthold.

Nach seiner aktiven Karriere fungierte er von 2003 bis 2005 als Manager des damaligen Viertligisten Fortuna Düsseldorf, danach meistens als TV-Experte - unter anderem in Südafrika und bei der Frauen-EM. Zudem organisiert Berthold Fan-Reisen.

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Gern gesehener Gast: Thomas Berthold tritt heute auch als TV-Experte auf.

Andreas Brehme (54): Um den Finaltorschützen ist es ruhig geworden: Seine Karriere beendete er mit einem Paukenschlag, als er 1998 im Alter von 38 Jahren sensationell Deutscher Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern wurde.

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Finalheld Andreas Brehme verschaffte sich mit seinem Siegtreffer einen Platz in den Geschichtsbüchern.

Den Verein trainierte er später auch in der Bundesliga. Seit seinem Engagement als Co-Trainer des VfB Stuttgart, wo er mit Coach Giovanni Trapattoni im Februar 2006 entlassen wurde, hat er sich aus dem Geschäft verabschiedet und lebt heute in München und Kitzbühel.

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Seit einigen Jahren ist es ruhig um Brehme geworden, der sich aus dem Fußballgeschäft verabschiedet hat.

Guido Buchwald (54): Das WM-Finale gilt als sein stärkstes Spiel, als er Weltstar Diego Maradona keinen Raum zur Entfaltung ließ. Mit dem VfB Stuttgart wurde Buchwald 1984 und 1992 Deutscher Meister, mit dem Karlsruher SC dagegen stieg er 1998 ab und beendete seine Karriere.

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Mit seiner Spielweise neutralisierte Buchwald den Argentinier Diego Maradona im Finale fast komplett, was ihm den Spitznamen „Diego“ einbrachte.

Als Spieler und Trainer war er in Japan bei Urawa Red Diamonds erfolgreich, in Deutschland allerdings nicht: Nach nur vier Monaten wurde er bei Alemannia Aachen entlassen. Von 2010 bis 2013 war Buchwald Präsidiumsmitglied der Stuttgarter Kickers. Aktuell ist er Scout sowie Mitarbeiter für Internationalisierung auf dem asiatischen Markt für den VfB Stuttgart.

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Als Kenner des asiatischen Marktes ist Buchwald heute für den VfB Stuttgart dort als Spielerscout unterwegs.

Jürgen Kohler (49): Als Spieler bei Borussia Dortmund stieg er zum „Fußball-Gott“ auf und wurde Deutscher Meister, Chamions-League- und Weltpokal-Sieger.

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Der kompromisslose Verteidiger sammelte als Spieler auch nach der WM weiter eifrig Titel.

Mit seiner Trainerkarriere ging es dagegen stetig bergab: Zunächst coachte er die U21-Nationalmannschaft, anschließend den Zweitligisten MSV Duisburg, dann den Drittligisten VfR Aalen. Ab der kommenden dieser Saison ist er Trainer des Oberligisten SC Hauenstein. Zwischenzeitlich war Sportdirektor bei Bayer Leverkusen.

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Der Glanz alter Zeiten ist verblasst: Heute trainiert Kohler ein Oberliga-Team.

Hans Pflügler (55): Er spielte noch bis zu seinem 45. Lebensjahr in der Landesliga in seiner Heimatstadt Freising.

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Mit Bayern München wurde Pflügler fünfmal Deutscher Meister.

Schon während seiner aktiven Karriere schloss er ein Studium als Stahlbauingenieur ab. Seit 1992 ist Pflügler Abteilungsleiter von „Outlets“ beim FC Bayern, seinem einzigen Verein als Fußballprofi. Zudem betreibt er eine Pension in Freising.

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Auch nach seiner aktiven Karriere ist er Bayern treu geblieben.

Stefan Reuter (48): Der für seine enorme Schnelligkeit bekannte frühere Leichtathlet beendete seine Karriere erst 2004 mit knapp 38 Jahren. Bis dahin wurde er als Spieler noch Deutscher Meister und Champions-League-Sieger 1997 mit Dortmund.

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Mit dem WM-Triumph begann die Blütezeit des pfeilschnellen Reuter.

Später arbeitete er beim BVB zunächst ein halbes Jahr lang als Assistent der Unternehmsführung und war anschließend drei Jahre lang Geschäftsführer bei TSV 1860 München. In exakt derselben Funktion ist er seit Dezember 2012 erfolgreich beim FC Augsburg tätig und führte den Verein jüngst in die Europa League.

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Auch nach dem Karriereende ist Reuter der Erfolg treu geblieben - derzeit als Manager beim FC Augsburg.

Paul Steiner (58): Bei der WM gehörte er mit seinen 33 Jahren zu den Oldies und beendete wenig später seine Karriere. Von 1997 bis 2008 war er für die Videoanalyse bei Bayer Leverkusen tätig und anschließend drei Jahre in selber Funktion beim 1. FC Köln.

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Nur ein Jahr nach dem WM-Titel beendete der Oldie mit 34 Jahren seine Karriere und lebt in Köln.

MITTELFELD

Uwe Bein (54): Den WM-Pokal durfte er in die Höhe stemmen, die Deutsche Meisterschale aber nie, obwohl Bein noch bis 1996 bei Hamburg und Frankfurt spielte.

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Der eher introvertierte Hesse kickte bei Amateurvereinen noch bis 2006.

Anschließend spielte er - mit Unterbrechung - noch zehn Jahre für Amateurvereine in Hessen. 2005 war er für ein halbes Jahr Manager von Kickers Offenbach, während Bein heute in den bundesweit aktiven Fußballschulen von Mit-Weltmeister Frank Mill tätig ist.

Günter Hermann (54): Der Werder-Profi stand als einer von drei Feldspielern bei der WM keine Minute auf dem Platz, dennoch wurde nur er zum Synonym als Feldspieler ohne WM-Einsatz.

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Weltmeister ohne einen einzigen Einsatz: Günter Hermann.

1996 übernahm er ein Sportgeschäft in Osterholz-Scharmbeck und führte den dortigen Fußballclub VSK als Trainer zwischen 2001 und 2014 von der Bezirksliga in die Oberliga. Seit Mai 2014 trainiert er den Bremer Landesligisten FC Oberneuland.

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Heute ist Hermann als Trainer unterklassiger Mannschaften tätig.

Thomas Häßler (49): Außer dem WM-Titel gewann „Icke“ Häßler nur noch den EM-Titel 1996. Mit seinen Vereinen (Karlsruhe, Dortmund und 1860 München) lief es sportlich bescheiden. Als Trainer hatte er bislang nur Verlegenheitsjobs: Häßler war Technikcoach beim 1. FC Köln, Assistent von Berti Vogts in Nigeria und Assistenz-Coach bei Padideh Maschad im Iran.

Pierre Littbarski (55): Nach 1990 war er vor allem in Japan als Spieler und Trainer erfolgreich. Dort wurde er zweimal Meister. Dies gelang ihm auch in Australien im Jahr 2006 mit dem Sydney FC. Littbarski hatte auch Trainierengagements in Liechtenstein, Iran und Deutschland - wobei er hierzulande mäßig erfolgreich war: 2001 bis 2002 war er Chef beim Zweitligisten MSV Duisburg, später für fünf Spiele Interimscoach beim VfL Wolfsburg und Assistent in Leverkusen. Seit 2012 leitet er die Abteilung Spielerbeobachtung beim VfL Wolfsburg.

Lothar Matthäus (54): International wird er verehrt, hierzulande belächelt - Lothar Matthäus polarisiert. Der bislang einzige deutsche Weltfußballer hat sich mit privaten Eskapaden und der Doku „Lothar - immer am Ball“ für Trainerengagements in der Bundesliga selbst diskreditiert.

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Nach einer starken Weltmeisterschaft wurde Lothar Matthäus 1990 zum Weltfußballer gewählt.

Als Nationaltrainer coachte er unter anderem in Ungarn und Bulgarien - mit mäßigem sportlichem Erfolg. Aktuell ist er als Experte bei Sky und Sport Bild ein streitbarer und meinungsstarker Vertreter seiner Zunft.

Andreas Möller (47): Als Spieler gewann er, was es zu gewinnen gab: Deutscher Meister, Pokalsieger, Uefa-Cup-, Champions-League- und Weltpokalsieger, Welt- und Europameister.

Der Trophäenschrank seiner Zeit nach der aktiven Karriere sieht dagegen dürftig aus: Bislang arbeitete Möller nur dritt- und viertklassig als Cheftrainer bei Viktoria Aschaffenburg und als Manager von Kickers Offenbach. Seit dem Rücktritt dort im Jahr 2011 ist er nur noch unregelmäßig als Experte oder Co-Kommentator aufgetaucht.

Olaf Thon (49): Seine Blütezeit begann nach der Weltmeisterschaft, in der er zahlreiche Titel als Spieler holte. So gehörte Thon 1997 auch zu Schalkes legendären „Euro-Fightern“.

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Der WM-Triumph blieb sein einziger Coup mit der Nationalmannschaft - an der EM 1996 nahm Thon nicht teil.

Von 2005 bis 2008 war Thon Aufsichtsrats-Mitglied auf Schalke. Ab 2010 trainerte er anderthalb Jahre den westfälischen Fünftligisten VfB Hüls. Derzeit ist er Aufsichtsratsmitglied eines IT-Unternehmens, Kicker-Kolumnist und regelmäßig als Experte im TV zu Gast.

ANGRIFF

Jürgen Klinsmann (50): Großes Aufsehen erregte Klinsmann, als er nach seiner aktiven Zeit als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft mit Joachim Löw den Deutschen Fußballbund (DFB) umkrempelte und die Nationalelf zum „Sommermärchen“ 2006 führte.

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Jürgen Klinsmann sorgte nicht nur als Spieler bei der Nationalmannschaft für Furore, sondern auch als Trainer beim „Sommermärchen“ 2006.
 

Beim FC Bayern scheiterte er allerdings schon nach knapp zehn Monaten. Mittlerweile hat er wieder in die Erfolgsspur gefunden und ist seit vier Jahren Nationaltrainer in seiner Wahlheimat USA.

Frank Mill (56): In der Saison 1996/97 versuchte er sich als Manager bei Fortuna Düsseldorf - jedoch ohne Glück. Dieses fand er als Leiter einer Fußballschule mit 88 Filialen im ganzen Bundesgebiet, bei denen er über 60 Ex-Profis beschäftigt. Zudem ist Mill Mitglied der Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund.

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Die Liebe zum Fußball hat Mill nicht verloren - und nach seiner Karriere eine Fußballschule gegründet.

Karl-Heinz Riedle (49): 1997 avancierte er als Doppel-Torschütze im Champions-League-Finale zum Held von Borussia Dortmund gegen Juventus Turin.

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Zwei Jahre vor dem WM-Triumph holte Riedle Olympia-Bronze mit der Nationalmannschaft in Seoul.
 

Ein Jahr nach seinem Karriereende beim FC Fulham versuchte er sich mit knapp 37 Jahren an einem Comeback beim liechtensteinischen FC Vaduz und entschied sich nach drei Wochen Training dagegen. Nach der Karriere war er unter anderem Sportchef bei Grasshopper Zürich und ist der erfolgreichste Geschäftsmann unter den Weltmeistern: Riedle betreibt ein Hotel im Allgäu, ist Leiter eines Fußball-Camps und einer Sport- und Eventagentur. Zudem fungiert er als „Losfee“ für die UEFA in der Champions League.

Rudi Völler (55): Er ist seit mehr als 30 Jahren erfolgreich im Geschäft: Als Spieler gewann er 1993 die Champions-League, als DFB-Teamchef wurde er 2002 Vize-Weltmeister. Seit 1996 ist er mit Unterbrechungen Sportdirektor in Leverkusen und war auch zweimal Interimstrainer dort. Sein Trainerengagement beim AS Rom endete 2004 nach nur einem Monat wegen Erfolglosigkeit.

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