zur Navigation springen

Kolumne "Eingeworfen" : Warum nicht nur Tore den HSV retten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sportlich sind die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. Der Sachverstand von Mirko Slomka und Dietmar Beiersdorfer zeigt erste Konturen. Doch es bleiben Rätsel, schreibt Jürgen Muhl.

Es mag höhere Mächte gegeben haben. Es mag auch die Drohung von Uwe Seeler gewesen sein, in der 2. Liga kein Spiel seines HSV zu besuchen. Was auch immer. Der Hamburger SV spielt weiterhin in jener Fußball-Bundesliga, der er als einziger Club seit der Gründung im Jahr 1963 angehört. Hier lebt er, hier wird er geliebt, hier ist seine Heimat. Im Volkspark, in der schönsten Arena Deutschlands.

Die Bundesliga-Uhr tickt also nach einem kurzen Stillstand, der Fußball-Deutschland vor wenigen Monaten in Angst und Schrecken versetzte, am Rande der Nordkurve weiter. Schräg gegenüber, in den Katakomben unter den VIP-Logen, wird Zuversicht verbreitet. Der Verein, der sein Fußballglück in die Hände einer ausgelagerten AG gelegt hat und bis zu 28 Prozent seiner Anteile an finanziell potente Einsteiger verkauft, hat seine Strukturen grundlegend verändert. Das Wort von Milliardär Klaus-Michael Kühne zählt in Zukunft mehr als der Ratschlag einer Ikone wie Seeler.

Mit rund 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten muss der Traditionsclub diesen kommerziellen Weg gehen, will er nicht mit dem Konkursrichter in alten und besseren Zeiten schwelgen. Scharlatane in der Vereinsführung haben die Kasse in den letzten zwei Jahrzehnten so geführt wie Dreijährige ihren Kaufmannsladen. Und die jeweiligen Aufsichtsräte verdienten ihren Namen nicht. Der heruntergekommene HSV ist nur mit diesem schmerzhaften Eingriff zu retten.

Ob es sich tatsächlich um eine Rettung handelt, wird sich nicht nur auf dem Rasen zeigen. Jeder Schritt der teuren Profis ist auf Schulden gebaut. Zumal auch Kühne, der sich gern als Gönner feiern lässt, dem Club nicht einen Cent geschenkt hat.

Sportlich sind die Weichen für eine bessere Zukunft gestellt. Der Sachverstand von Mirko Slomka und Dietmar Beiersdorfer zeigt erste Konturen. Warum jetzt allerdings ein Brasilianer mit dem schönen Namen Cleber zur Verstärkung der Abwehr verpflichtet wurde, bleibt ein Rätsel. Gibt es doch in der Liga-Historie kaum einen südamerikanischen Verteidiger, der den Ball richtig getroffen hat. Fehleinkäufe sind eine der wenigen HSV-Stärken. Das wollte Beiersdorfer eigentlich ändern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen