zur Navigation springen

Ab der Saison 2018/19 : Warum Derbystar die Bälle für die Bundesliga stellt - und nicht mehr Adidas

vom

Adidas überlasst das prestigeträchtige Sponsoring dem kleinen Konkurrenten Derbystar. Eine Niederlage?

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 17:35 Uhr

Umstrittene Schiedsrichterentscheidungen, wunderschöne Tore oder auch spektakuläre Wechsel von Spielern: Es gibt eine Menge Ereignisse im Fußball, die Fans bewegen. Vor wenigen Tagen war es eine Meldung, die mit dem eigentlichen Objekt ihrer Begierde zu tun hatte. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) gab bekannt, dass ab der Saison 2018/19 nicht mehr Adidas, sondern Derbystar das offizielle Spielgerät der 1. und 2. Bundesliga liefert.

Derbystar? Das ist doch der Ball, der vor allem für Kreisliga und Bolzplatz-Gekicke steht. Hat hier der Fußball-Zwerg den -Riesen besiegt? So wirkt es. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus.

Die Entscheidung von Adidas, das sich als „weltweit führende Fußballmarke“ bezeichnet, seinen Ball „Torfabrik“ nicht mehr zur Verfügung stellt, ist wohl durchdacht. Nach Worten von Firmensprecher Oliver Brüggen führten die Gespräche des Konzerns mit Sitz im bayerischen Herzogenaurach und der DFL dazu, „dass wir unsere langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit nach dem Auslaufen des derzeitigen Vertrages über die Saison 2017/18 hinaus nicht fortführen werden“.

Zwischen den Zeilen las sich das wie: Wir wollten gar nicht mehr. Tatsächlich bestätigt Brüggen auf Nachfrage: „Wir haben uns bewusst nicht an der Ausschreibung der DFL teilgenommen.“ Mit anderen Worten: Adidas verzichtete ausdrücklich auf eine Fortsetzung des Vertrags. Doch warum überlässt der Sportartikelhersteller das prestigeträchtige Sponsoring einem kleinen Konkurrenten? Brüggen erklärt: „Im Zuge unserer Strategie werden wir uns noch stärker auf Kooperationen mit den international führenden Vereinen und jungen, aufstrebenden Spielern konzentrieren.“

Wen Derbystar und Adidas sonst mit Bällen beliefern

Ein ​Blick auf die jeweiligen Sponsoring-Partnerschaften der zwei Wettbewerber spricht Bände​. Derbystar, das seinen Sitz im niederrheinischen Goch hat, verkündet auf seiner Internetseite: „Unser Brillant APS ist offizieller Spielball der höchsten holländischen Spielklassen.“ Das Unternehmen nennt zudem unter anderen die Nationalmannschaft Montenegros, die Jugendabteilungen von Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf, einige regionale Fußballverbände und Teams wie Union Berlin, VfL Bochum, Alemannia Aachen, Chemnitzer FC, Bahlinger SC, SV Buchonia Flieden, Goslarer SC oder auch Lüneburger SK Hansa.

Adidas, beheimatet im bayerischen Herzogenaurach, kann da andere Kaliber aufführen – und zwar wesentlich größere. Zu seinen Werbepartnern zählen absolute Top-Klubs wie Manchester United, Real Madrid, FC Chelsea, Juventus Turin und Flamengo Rio de Janeiro. Auch an einem Rückzug aus der Bundesliga denkt Adidas mit Sicherheit nicht. Den FC Bayern München rüstet der Konzern nicht nur aus. Er ist unternehmerisch direkt an dem Verein beteiligt. Zu den von Adidas gesponserten Profis gehören Megastars wie Lionel Messi, Gareth Bale, Toni Kroos, Arjen Robben, James Rodriguez und Philipp Lahm. Auch bei der Champions League sowie der Europa- und Weltmeisterschaft tritt der Konzern offiziell als Sponsor auf.

Andreas Riemann, für Adidas zuständige Aktienanalyst bei der Commerzbank, findet die Entscheidung des Unternehmens sehr nachvollziehbar. „Die überlegen sich genau, was sie tun“, sagt er. Vorstellbar sei, dass der Verzicht dem Effizienzgedanken insgesamt diene, „nicht zu viel auszugeben für Marketing oder Sponsoring. Die rechnen schon sehr genau.“ Riemann betont: „Außerdem läuft es rund für Adidas. Die verdienen am Verkauf der T-Shirts von Manchester United und all den Teams, die sie haben, genug.“

Tatsächlich spülen die Partnerschaften den Vereinen viel Geld in die Kassen – aber auch umgekehrt verdienen die Hersteller sehr gut dabei. Herbert Hainer, damals Vorstandsvorsitzender der Adidas-Gruppe, nannte den auf zehn Jahre angelegten Deal mit Manchester United „einen Meilenstein für uns“. Er prognostizierte zur Vertragsunterzeichnung im Sommer 2014 „während der Laufzeit unserer Partnerschaft einen Umsatz von insgesamt 1,5 Milliarden Britische Pfund“. Nach aktuellem Umrechnungskurs wären das mehr als 1,77 Milliarden Euro.

Commerzbank-Analyst Riemann hält die Effekte, über das Ball-Sponsoring in der 1. und 2. Bundesliga, T-Shirts und Schuhe zu verkaufen, für begrenzt. Auch deshalb mache die Entscheidung für das Geschäft von Adidas keinen Unterschied. „Für Derbystar ist das relevanter.“

Kein Wunder also, dass der 1968 gegründete Adidas-Konkurrent vom Niederrhein seinen Erfolg feiert wie ein Team den Sieg der Champions League. Mit der Rückkehr in die Bundesliga „unterstreichen wir unsere starke Position im Markt und die sehr positive Unternehmensentwicklung der letzten Jahre“, erklärte der in der Geschäftsleitung für Sponsoring zuständige Manager Andreas Filipovic.

Ab der Saison 1970/71 hatte Derbystar mit vielen Bundesliga-Klubs kooperiert. In der Spielzeit 1979/80 wurden dem Unternehmen zufolge alle 306 Bundesliga-Begegnungen mit Derbystar-Bällen ausgetragen.

In Foren wird die Entscheidung mit Ernst und Witz diskutiert. „Finde die Spielbälle von Derbystar um einiges besser als den Torfabrik. Und von den 20€- Trainingsbällen sind die von Adidas genauso mies wie die Derbystar“, erklärte ein Kicker auf der Facebook-Seite von „Sport 1“. Ein anderer formulierte das Qualitätsranking in seinem Team so: „Fliegt der gute Spielball von Adidas (gibt nur einen) übern Zaun, wird mit *nem Derbystar weitergespielt.“ Falls auch der über der Begrenzung lande, werde mit einem Nike-Ball weiter gekickt. Offenbar gelten Derbystar in Fachkreisen als ziemlich hart: „Gehirnerschütterung angesagt, wenn es kalt wird“, schrieb ein User.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen