Vizemeisterschaft für Johanna Barg

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14. Juni 2010, 08:05 Uhr

Mit der in Rümpel bei Bad Oldesloe aufgewachsenen Johanna Barg hat es endlich auch einmal eine Hallenvolleyballerin aus Schleswig-Holstein geschafft für Furore zu sorgen. Während es ansonsten immer die Beachvolleyballer sind, die für Schlagzeilen und Titel sorgen, hat in dieser Saison wahrlich nicht viel gefehlt und die sympathische und ehrgeizige Spielerin des Bundesligisten 1. VC Wiesbaden hätte mit ihrer Mannschaft völlig überraschend die Deutsche Meisterschaft gewonnen. 44-8 Punkte hatte der 1. VC Wiesbaden am Ende einer sehr ausgeglichenen und überaus spannenden Saison in der lange Zeit drei Mannschaften aussichtsreich im Titelrennen lagen zu verbuchen, genauso viele wie der VSV Vilsbiburg aus Bayern. Aber der hatte zum Schluss das deutlich bessere Satzverhältnis vorzuweisen. " Wir hatten viele Fünfsatzspiele, die wir aber alle für uns entscheiden konnten, daher war unser Satzverhältnis leider nicht so gut wie das der Bayern. Das hat uns letztlich den Titel gekostet. Nachdem es in der Vorsaison für Wiesbaden ja nur zum 9. Platz gereicht hatte, mussten wir vor der Saison zehn neue Spielerinnen integrieren. Unser Ziel war es besser als Platz fünf abzuschneiden und das haben wir mit der tollen Vizemeisterschaft natürlich mehr als erfüllt", ist Johanna Barg zurecht sehr stolz auf das Erreichte. Ein Meilenstein war dabei das letzte Heimspiel gegen den lange in der Tabelle führenden Schweriner SC, der nach einem Zweisatzrückstand in einem fast schon verloren geglaubten Spiel noch mit 3-2 niedergerungen wurde. Die 1400 Zuschauer in der Halle sowie die 300 Besucher im Wiesbadener Thalia-Theater waren schier aus dem Häuschen und feierten ihr Team enthusiastisch. Am letzten Spieltag musste Johanna mit ihrem Team bei ihrer alten Mannschaft dem USC Münster antreten und siegen und auf eine Niederlage der Vilsbiburgerinnen im Heimspiel gegen die unberechenbare Mannschaft von Aurubis Hamburg hoffen. Die Wiesbadener erledigten zwar ihre Hausaufgaben und siegten in Münster mit 3-1, aber die Bayern patzten leider nicht. Dabei hatte es für die erst zu Saisonbeginn vom USC Münster - für den sie vier Jahre überaus erfolgreich in der Bundesliga spielte und 2006 auch Vizepokalsieger wurde und sich dabei zu einer überaus wertvollen und allseits respektierten Stammspielerin gemausert hat - etwas holprig in Hessen begonnen. " Bevor ich zum VCW gekommen war gab es dort einen Trainerwechsel der für Schlagzeilen in den Medien sorgte und sie hatten dort auch sehr viele ausländische Spielerinnen im Kader. Danach haben sie ganz bewusst viele deutsche Spielerinnen verpflichtet, um für mehr Identifikation mit dem Verein zu sorgen und auch die Strukturen wurden weiter verbessert. Ich habe hier sehr viel gelernt unter anderem auch eine völlig andere Annahmetechnik als ich sie zuvor bei Axel Büring meinem Trainer beim USC Münster praktiziert habe. Auch das Trainingslager in China zum Saisonstart hat mir unschätzbare Erfahrungen gebracht, da wäre ich sonst wohl kaum einmal hingekommen und Deutsche Vizemeisterin zu werden ist natürlich auch eine tolle Erfahrung." Trotz einer zünftigen Saisonabschlussfeier, bei der die Mannschaft unter den Klängen von "Girls just want to have fun" auf dem Rathausbalkon zurecht gefeiert wurde, werden sich die Wege vom 1. VC Wiesbaden und Johanna Barg aber künftig trennen. " Ich hatte nur einen Vertrag für ein Jahr und den habe ich nicht verlängert. Ich bin ehrgeizig genug und möchte mich weiter entwickeln. Ich genieße jetzt erst einmal die freie Zeit und halte mich mit Fitnesstraining, Schwimmen und Laufen weiter in Form. Die neue Saison beginnt wegen der Weltmeisterschaft ja erst im November da habe ich ja noch etwas Zeit, um mich zu entscheiden", sieht Johanna Barg die Situation erst einmal völlig entspannt. "Ich wohne jetzt wieder bei meinem Freund in Münster, hier habe ich meinen Lebensmittelpunkt. Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga könnte ich mir vorstellen, Holland war auch schon einmal eine Option für mich, mal sehen wie ich mich entscheide." Die Karriere von Johanna, die aus einer Fußballerfamilie kommt, war bereits früh vorgezeichnet. Über die Schul-AG kam die am 11. Juli 1984 in Bad Oldesloe geborene Johanna unter die Fittiche des damaligen und immer noch aktuellen Jugendtrainers beim VfL Oldesloe (jetzt VC) Bernd Neppesen - zugleich Präsident des SHVV - der ihr großes Talent erkannte und weiter förderte. 1999 im Alter von 15 Jahren folgte dann der Wechsel zum CVJM Hamburg, dort spielte Johanna dann zunächst in der Verbandsliga wo sie erfolgreich zur Außenangreiferin umgeschult wurde, ehe sie in den Zweitligakader unter Trainer Helmut von Soosten - zuletzt Trainer beim Bundesligisten Aurubis Hamburg - aufrückte. Der nächste Schritt war dann der Wechsel zum Bundesligisten TV Fischbek - dort spielte sie von 2003 bis 2005 - und wurde 2004 Deutsche Vizepokalsiegerin. Dann folgte 2005 der nächste große Schritt zum amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger dem USC Münster. "Trainer Axel Büring hatte mich damals persönlich angerufen. Das Angebot musste ich einfach annehmen. Dort haben wir oft vor einer großen Kulisse gespielt, 4000 Zuschauer und mehr waren durchaus an der Tagesordnung", berichtet Johanna voller Stolz. Ich könnte mir aber auch durchaus vorstellen, einmal eine Jugendmannschaft zu trainieren, dass müsste aber nicht zwingend ein Volleyballteam sein. Eine Trainerkarriere kann ich mir eher nicht vorstellen ist Johanna Barg immer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

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