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Nach Double-Gewinn : VfL Wolfsburg: Keine Siegesfeier für Frauen, weil Männer in der Relegation sind

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Weil die Männer nicht Fußball spielen können, dürfen die Frauen nicht feiern. Das ist Fußball in Deutschland anno 2017.

Wolfsburg | Wer in diesen Tagen an den VfL Wolfsburg denkt, der sieht eine Truppe, die mit einem Bein in der 2. Bundesliga steht. Am Montagabend wird feststehen, ob für die erste Herrenmannschaft der Gang ins Unterhaus der Bundesliga ansteht. Es ist Relegationsrückspiel. Das Hinspiel gewann die Mannschaft immerhin mit 1:0 dank eines Elfmeter-Geschenks. Jetzt braucht es volle Konzentration auf das Rückspiel. VfL-Trainer Andries Jonker sagte dazu: „Wir wissen alle, dass es noch ein ganz, ganz wichtiges Spiel ist. Wir sind auf alles vorbereitet. Das ist der Mannschaft auch klar.“

Frauenfußball in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren von einer belächelten Randsportart zu einem akzeptierten Sport entwickelt. 1955 wurde Frauenfußball noch vom DFB verboten. 1989 gab es als Prämie für den Gewinn der Europameisterschaft ein Kaffeeservice statt einer Siegprämie. Diese peinlichen Zeiten sind 2017 natürlich längst vorbei – offenbar aber noch nicht in allen Köpfen.

Was nicht alle wissen: Abgesehen von der sportlichen Talfahrt der Herrenmannschaft geht es dem VfL gar nicht schlecht. Denn die Frauenmannschaft hat am Samstag das DfB-Pokalfinale gewonnen – zum dritten Mal in Folge. Zwei Wochen zuvor hat das Team um Trainer Ralf Kellermann und die Nationalspielerinnen Alexandra Popp, Lena Goeßling und Babett Peter die deutsche Meisterschaft geholt, insgesamt zum dritten Mal. Das Double wollte die Mannschaft eigentlich am Sonntag am Wolfsburger Rathaus gebührend feiern, doch vom Verein gab es ein Verbot. Die Männer sollen bei ihrem Abstiegskampf schließlich nicht gestört werden. Daraus könnte man schließen: Frauenfußball hat beim VfL offenbar keinen so hohen Stellenwert, wie das desaströse Gekicke der Herren.

 

Auf der Homepage des Vereins steht das natürlich nicht so. Dort heißt es: „Eigentlich ist es schon gute Tradition, dass die Wölfinnen nach dem letzten Pflichtspiel von Oberbürgermeister Klaus Mohrs im Wolfsburger Rathaus empfangen werden und anschließend mit den VfL-Fans die errungenen Titel und die erfolgreiche Saison feiern. Allerdings fokussiert sich der gesamte VfL in diesen Tagen natürlich komplett auf die Relegation, weshalb die grün-weiße Party für die Frauenmannschaft bewusst erst zum Start der kommenden Saison stattfinden wird.“

Die Absage an die Feier löste heftige Kritik aus. Ein Imageschaden für den Klub scheint wahrscheinlich. Auch wird im Netz vermutet, dass es umgekehrt sicher keine Absage der Party gegeben hätte.

Frauen-Coach Kellermann sagte gegenüber sportbuzzer.de, wie die Mannschaft denn nun feiere: „Wir werden das Männer-Spiel am Montag gemeinsam in der Kabine schauen und ihnen die Daumen drücken. Vielleicht können wir danach ja gemeinsam feiern.“

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erstellt am 29.Mai.2017 | 10:32 Uhr

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