Sieg im Finale gegen Japan : USA neue Fußball-Weltmeisterinnen – Löw verteidigt Neid

Die WM der Frauen ist vorbei: Die USA schlagen Japan mit 5:2. In Deutschland herrscht Katerstimmung.

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06. Juli 2015, 08:20 Uhr

Vancouver | Die USA haben sich eindrucksvoll für die Endspiel-Niederlage 2011 gegen Japan revanchiert und sich zum dritten Mal nach 1991 und 1999 den Titel bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gesichert. Die Amerikanerinnen gewannen am Sonntag (Ortszeit) im Finale in Vancouver gegen Titelverteidiger Japan souverän mit 5:2 (4:1).

US-Spielführerin Carli Lloyd traf vor 53.341 Zuschauern im ausverkauften BC Place Stadion gleich dreimal (3. Minute/5./16.). Lauren Holiday (14.) und die für den VfL Wolfsburg spielende Yuki Ogimi (27.) erzielten vor der Pause die weiteren Treffer. Die Japanerinnen kamen durch ein Eigentor von Julie Johnston (52.) zwar noch einmal auf 2:4 heran, doch Tobin Heath (54.) stellte postwendend den alten Abstand im torreichsten Frauen-Finale der WM-Geschichte wieder her.

Durch ihren Dreierpack im Finale schloss die wie aufgedreht spielende 32 Jahre alte Lloyd, die im Endspiel vor vier Jahren in Frankfurt beim japanischen Sieg im Elfmeterschießen einen Strafstoß verschossen hatte, in der Torjägerinnen-Liste zur deutschen Stürmerin Celia Sasic auf. Beide haben beim WM-Turnier in Kanada sechs Tore erzielt.

Die Mannschaft von US-Trainerin Jill Ellis startete furios in das Finale. Schon nach fünf Minuten lagen die Amerikanerinnen durch den Doppelschlag von Lloyd mit 2:0 in Führung. Das spektakulärste Tor der WM gelang der Spielführerin beim 4:0, als sie von der Mittellinie aus die zu weit vor dem Tor stehende japanische Keeperin Ayumi Kaihori überlistete. Die „Nadeshiko“ gab nie auf, war den USA in der hochklassigen und temporeichen Partie aber sowohl körperlich als auch spielerisch klar unterlegen.

Die deutsche Mannschaft hatte am Samstag in Edmonton das Spiel um Platz drei mit 0:1 nach Verlängerung gegen England verloren und am Sonntag bereits die Heimreise angetreten. Unterdessen verteidigte Weltmeister-Coach Joachim Löw Frauen-Bundestrainerin Silvia Neid gegen Kritik aus der Bundesliga. „Was in der Öffentlichkeit vom einen oder anderen Trainerkollegen gesagt wurde, ist einfach mieser Stil - vor allem die Art und Weise. Kritik unter Kollegen sollte man direkt mit den beteiligten Trainern besprechen. So haben wir es beim DFB immer gehalten“, sagte Löw der „Bild“ (Montag).

Die Frauen-Bundestrainerin war schon vor dem mit 0:1 gegen England von Bundesliga-Trainern wie Colin Bell (Frankfurt), Bernd Schröder (Potsdam) und Ralf Kellermann (Wolfsburg) kritisiert worden. System, Technik und Taktik, Flexibilität, mentale Stärke und künftige Konkurrenzfähigkeit im Welt-Frauenfußball - nahezu alles rund um die Nationalelf wurde infrage gestellt.

Nach der Niederlage gegen England hatte Neid sich gewehrt. „Wir hatten sie zehn Tage in der WM-Vorbereitung. Und das war keine Vorbereitung, sondern eine Regeneration. Die Spielerinnen waren in einem katastrophalen Zustand, als sie zu uns kamen“, sagte die 51-Jährige.

Frankfurts Manager und Liga-Sprecher Siegfried Dietrich sagte der „Bild“ dazu: „Irritierend, dass Silvia Neid den angeblich katastrophalen Zustand der Spielerinnen erst nach zwei verlorenen Spielen am WM-Ende konstatiert. Das hat sie vor dem Turnier nicht gesagt. Ganz im Gegenteil. Nach dem Spiel gegen Schweden lobte sie die Mannschaft für ihre sehr gute Verfassung. Deshalb halte ich diese Kritik für sehr undifferenziert. So wirken wir Deutsche jetzt wie schlechte Verlierer.“

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