Travemünde bleibt die Nummer eins im Land

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24. Januar 2011, 08:05 Uhr

Die letzten drei Landesduelle entschied der TSV Nord Harrislee mehr oder weniger deutlich für sich. Am Samstag aber waren es die Travemünder "Raubmöwen", die mit einem hochverdienten 27:21 (15:10)-Erfolg die Oberhand behielten. Die bis auf weiteres unumstrittene Nummer eins im Land und für mindestens 24 Stunden Platz zwei in der 2. Bundesliga Nord, so sah am Samstag der Lohn für den achten Saisonsieg aus. Alles wohltuende, insgesamt aber zweitrangige Nebeneffekte. Für beide Mannschaften ging es viel mehr um wichtige Punkte im Hinblick auf die nahende eingleisige zweite Liga. Und in diese Richtung tat der TSV Travemünde einen weiteren, großen Schritt. Ganz im Gegensatz zum "Nord-Express", der sich nach drei sieglosen Spielen in Folge gefährlich nahe an der Abstiegszone befindet.

Für die Gäste standen die Vorzeichen schon vor dem Anpfiff ungünstig. Rückraum-As Jana Lembke, in dieser Saison mehrfach verletzt, musste wegen Oberschenkelproblemen kurzfristig passen. Dabei sollte Lembke endlich wieder den nötigen Druck in den Nord Harrisleer Angriff bringen. Bereits nach dem siegreichen Hinspiel ahnte Trainer Thomas Blasczyk: "Wir wissen, dass wir einen Ausfall Janas auf Dauer nicht verkraften werden." Es sollte sich aus Harrisleer Sicht leider bewahrheiten. Am Travemünder Steenkamp jedenfalls fehlte Lembke in allen Bereichen. In den Anfangsminuten versuchte Melanie Mie Legarth, zunächst erfolgreich, Akzente zu setzen. Legarth erzielte die ersten drei Tore, darunter mit dem 1:2 (3.) die einzige Nord Harrisleer Führung überhaupt. Aber auch die Dänin hatte danach zunehmend Probleme mit der sehr agilen Travemünder Abwehr. Im starken Defensivverhalten sah Trainer Andreas Juhra auch den Hauptgrund für den überzeugenden Sieg seines Teams: "Ich weiß nicht, wann wir zuletzt 21 Gegentreffer kassiert haben. Das war schon sehr stark." Ein Sonderlob erhielt auch Torhüterin Britta Reimann, die unter anderem drei Siebenmeter entschärfte und auch in Eins-gegen-Eins-Situationen häufig glänzen konnte. All diese Gründe führten dazu, dass die Gastgeberinnen die Führung nach dem 4:3 durch Anja Krönert (7.) kontinuierlich ausbauen konnten.

Als die "Raubmöwen" zur Pause mit 15:10 führten, war das Landesderby keineswegs vorentschieden. Zweifel kamen in der Senator-Emil-Possehl-Halle aber so gut wie keine mehr auf. Travemünde hielt den Vorsprung stets bei fünf bis sechs Toren. Als Tanja Volkening mit ihrem einzigen Treffer (45.) gar auf 23:15 erhöhte, gab sich der "Nord-Express" geschlagen. Besonders in der Schlussphase, als die Kräfte der Gäste schwanden, wurde deutlich, mit welch unterschiedlichen personellen Mitteln beide Mannschaften zurecht kommen mussten beziehungsweise durften. Während auf Harrisleer Seite eine Lembke so gut wie nicht zu ersetzen war, steckte Travemünde das Fehlen unter anderem der Spielmacherin Lisa Prior mit einem Achselzucken weg. Juhra ließ auf allen Positionen kräftig rotieren. Besondere Schwierigkeiten bereitete es der Gästeabwehr, wenn Juhra mit Jessica Oldenburg, Anja Krönert und Franziska Haupt gleich drei "Shooter" in den Rückraum stellte.

Travemündes Co-Trainer Olaf Speckmann: "Dadurch musste Nord Harrislee die Deckung nach vorne ziehen und wir hatten auf den anderen Positionen um so mehr Platz. Rotiert wird eigentlich, wenn es der Spielstand erfordert. Wir aber mussten nicht, wir wollten!" Fast schon ein wenig neidisch bemerkte Blasczyk nach dem Schlusspfiff: "Wir haben eben keine Kooperation mit dem Buxtehuder SV. So oder so, Travemünde steht vollkommen zurecht so weit oben in der Tabelle."

TSV Travemünde: Reimann, Junk - Haupt (9/1), Markmann (2), Volkening (1), Tonn, Klaunig (2), Hollerbuhl (1), Krönert (5), Oldenburg (2), Liepner, Schilk (1), Langanke (4/3).

TSV Nord Harrislee: Vogel, Höhnke - Hering, Lenke (1), Volquardsen (2), Schulz (4), Schibrath (1), Bruder, Roth (1), Vogeler (3), Maier (1), Legarth (7/3), Schäfer (1).

SR: Wendel / Van Hoang (Hannover).

Zeitstrafen: 2/4.

Siebenmeter: 4/6 - 3/6.

Zuschauer: 350.

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