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Neuer Trainer des SC Paderborn : Stefan Effenberg: Skandale und schrille Momente eines Leaders

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Aus der Onlineredaktion

Nach Jahren im Boulevard-Dschungel hat der „Tiger“ endlich seinen Platz neben dem grünen Rasen gefunden. Die Zweite Bundesliga bekommt eine Galionsfigur, wie sie lautstärker kaum sein könnte.

Hamburg/Paderborn | Stefan Effenberg reizt die Grenzen des Machbaren und Vertretbaren immer wieder aus – sein impulsives Naturell will es so. Diplomatie und Bescheidenheit sind nun so gar nicht das Metier des Niendorfer Maurersohnes, der sich mit zornigem Blick, großen Schritten und klugen Pässen die Hoheit auf Fußballplätzen ganz Europas eroberte. Bis heute ist der 47-Jährige mit 114 gelben Karten der Spieler mit den meisten Verwarnungen – und die allererste Gelb-Rote Karte des Bundesligageschichte geht ebenfalls auf sein Konto.

Auf dem Platz machte er in der Rolle des „Cheffe“ mit unmissverständlichen Remplern und Grätschen systematisch die Alphatiere der Gegner klein – und das mit großem Erfolg. Seine Kampfansagen, Peinlichkeiten und Rundumschläge von außerhalb haben gezeigt: Die Spielwiese des unbeugsamen Regisseurs ist überall. Nun darf einer der gefürchtetsten und berüchtigsten Feldherren der deutschen Fußball-Geschichte endlich das Trainer-Zepter schwingen: Beim unscheinbaren Zweitligsten SC Paderborn werden fortan alle nach seiner Pfeife tanzen. Im selben Atemzug soll das Society-Image á la Lothar Matthäus überwunden werden  – denn sicher will Effenberg als Trainer noch andere Flüsse sehen als die Pader. Ein Rückblick auf gut 20 Jahre Effe-Mania, gespickt mit unvergesslichen Skandälchen.

Der Stinkefinger

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Foto: Imago
 

Bei der WM 1994 in den USA gegen Südkorea verlässt der ungeliebte Effenberg begleitet von einem Pfeifkonzert der Fans den Platz. Die Antwort des „Tigers“: Der ausgestreckte Mittelfinger, der im Fußball-Zirkus seitdem Stinkefinger heißt. Bundestrainer Berti Vogts ist konsequent: Er verbannt den Spieler und schickt ihn nach Hause. Sein Vorgänger Franz Beckenbauer findet die Entscheidung falsch. Doch Effenbergs Karriere in der Nationalmannschaft ist im zarten Alter von 25 quasi beendet und der von weiteren Querelen geplagte Titelverteidiger Deutschland scheidet im Viertelfinale gegen Bulgarien sang- und klanglos aus.

Der Tiger hinter den Ohren

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Foto: Imago
 

Seinen Spitznamen „Tiger“ trägt der gelernte Postbote seit 1994. Damals lässt er sich nach einer verlorenen Wette bei „Wetten Dass..?“ auf den Hinterkopf das Konterfei der Wildkatze zaubern. Für ein paar Spiele trägt er dieses „Wahrzeichen“ mit sich herum, das Image der Raubkatze brennt sich ein.

Verdacht auf schwere Körperverletzung

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Foto: dpa
 

1996: Ein alkoholisierter Mann soll vor Effenbergs damaligem Wohnsitz in Niederkrüchten-Heyen seine Notdurft verrichtet haben. Es findet sich ein Zeuge, der aussagt, Effenberg hätte ihn beleidigt und auf ihn eingetreten. Gegen den damaligen Gladbacher wird ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. Der Verdacht erhärtet sich jedoch nicht und die Ermittlungen werden eingestellt. Dennoch: Wochenlange Schlagzeilen sind dem Fußballer sicher. Schon 1995 gibt es nach einer Disco-Auseinandersetzung eine Anzeige gegen Effenberg und Frau wegen Körperverletzung, die juristisch ohne Folgen bleibt.

Die „Watsch n-Affäre“

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Foto: Imago

2001 zieht Effenbergs Ohrfeige gegen eine Diskobesucherin 150.000 DM Strafe nach sich. Laut Aussage des Bayern-Spielers soll die Frau ihm zuvor Sekt ins Gesicht geschüttet haben. Die Klägerin beklagt dauerhafte Kopfschmerzen nach dem Hieb des Champions-League-Helden.

Die Arbeitslosen-Schelte

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Foto: dpa
 

Nach dem Gewinn der „Schhhämmpjens Liek“ mit dem FC Bayern München 2001 wird Effenberg zum wertvollsten Spieler der „Königsklasse“ gewählt. Nicht nur auf dem Platz lässt sich in dieser Zeit erkennen: Der Zenit ist überschritten. In einem Playboy-Interview 2002 bescheinigt der alternde Fußball-Millionär Arbeitslosen, sie seien zu faul und zu verwöhnt. Das Erotik-Magazin zitiert ihn mit den Worten: „Viele Leute leben vom Arbeitslosengeld offensichtlich so gut, dass sie keine Lust haben, morgens früh aufzustehen und bis in die Abendstunden zu buckeln - nur, damit sie am Ende des Monats schlappe hundert Euro mehr auf dem Konto haben.“ Effenberg fordert er eine drastische Kürzung der Arbeitslosenunterstützung. Der FC Bayern nimmt den alternden Führungsspieler daraufhin in der wichtigesten Phase der Saison aus dem Kader. Es ist ein verfrühter Abschied, denn der Vertrag läuft aus. „Man konnte ihn lieben oder hassen, aber ignorieren konnte man Effenberg nie“, bemerkt der „Münchner Merkur“ zu Effes Abschied.

Freunde der Sonne

Auf Kritik reagiert der Niendorfer meistens – wenn nicht mit Taten – mit coolen Worten: „Es wird immer viel geschrieben und viel erzählt und hochsterilisiert“. Wenn der Tiger aber mal stinkig wird, nimmt es meist epische Ausmaße an, wie in der Pressekonferenz in der Saison 2000/01, in der er sich nach einer Verletzung wochenlang zu Unrecht kritisiert fühlt: „Da muss man aufpassen mit dem, was man sagt, was man schreibt und wie man das rüberbringt. Damit muss man aufpassen. Weil ich bin einer, der lässt sich das nicht gefallen, Freunde der Sonne!“

„Einen schönen Abend noch“

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Foto: dpa
 

Im Februar 2003 soll Effenberg – inzwischen beim VfL Wolfsburg unter Vertrag – auf der A2 bei Peine einen Polizisten als „Arschloch“ bezeichnet haben. Er selbst dagegen behauptet, „einen schönen Abend noch“ gesagt zu haben. Gegen das Wort des Beamten kommt er nicht an. Effenberg muss 10.000 Euro Strafe zahlen. Im selben Jahr erscheint Effenbergs Biografie „Ich hab's allen gezeigt“. „Stefan Effenberg schlichtet in der Disko einen Streit“ – diese Headline würde niemand kaufen, schreibt er darin. So sei sein Image eher fremdgesteuert.

Die Sache mit der Strunz

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Foto: dpa

Diese Liebessache erinnert rückblickend stark an Rafael van der Vaart, doch mit Happy-End: Stefan Effenberg und Thomas Strunz sind Mannschaftskollegen beim FC Bayern München, als irgendwann Armors Pfeil die zweimalige Mutter Claudia Strunz erwischt. Sie verliebt sich in Stefan. Wildentschlossen verlassen beide trotz der Kinder ihre Partner für eine gemeinsame Zukunft. 2005 heiratet das Boulevard-Duo. Zwischenzeitlich leistet sich „Effe“ zwar ein Verhältnis mit seiner amerikanischen Nachbarin und angeblich sogar mit seiner geschiedenen Ehefrau Martina, doch die Effenbergs raufen sich wieder zusammen und zeigen sich nach vorübergehendem öffentlichem Herzschmerz gern wild knutschend in der Öffentlichkeit. In der Celebrity-Soap „Effenbergs Heimspiel“ präsentieren sie der Öffentlichkeit ihr Scheinprivatleben. Es wird ein prolliges Desaster.

„Initiative Borussia“: Der vergebliche Fohlenstreich

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Foto: dpa

Im Fußball-Geschäft will Effenberg auch nach seiner Karriere ein Platzhirsch sein. Bei Borussia Mönchengladbach müht er sich 2011 mit einer Oppositionsgruppe, die Vereinsspitze zu stürzen. Der Putschversuch bei den „Fohlen“ scheitert jedoch brutal, der ehemalige Superstar der Borussia kann sich bei seinem Ex-Club kaum mehr blicken lassen.

Coach ohne Führerschein

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Foto: dpa

Seit 2012 ist der ehemalige Bayern-Kapitän im Besitz der Trainer-Lizenz. Zum Training kommen kann der neue Paderborn-Trainer aber voraussichtlich bis zum Saisonende nicht auf dem für Fußballer herkömmlichen Wege. Im September – seine Frau hatte ihren Geburtstag gefeiert – wird Effenberg nach dem Besuch des Münchner Oktoberfests stark angetrunken mit 1,4 Promille Alkohol im Blut am Steuer seines Jaguars F-TYPE von der Polizei erwischt. Den Führerschein muss er noch vor Ort abgeben. Angeblich soll er dabei abermals einen Polizisten beleidigt haben. Schon 1998 muss „Effe“ für eine Alkoholfahrt seinen Führerschein abgeben. In Paderborn kommt es sicherlich gut an, wenn er sich von seiner Frau Claudia zur Arbeit befördern lässt.

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erstellt am 13.Okt.2015 | 15:22 Uhr

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