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Fußball-Kolumne : Sponsoren-Duell, Abstiegs-Angst, Wechsel-Theater

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der DFB wechselt den Sponsor, der HSV will sparen und Anthony Modest hält den FC Köln zum Narren, meint Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 09:47 Uhr

Neuer Millionendeal

In dieser Woche soll es verkündet werden. Der DFB wechselt die Automarke. Dem Vernehmen nach wird ausgerechnet der angeschlagene Volkswagen-Konzern den bisherigen Hauptsponsor der Deutschen Nationalmannschaft, Mercedes-Benz, ablösen. Trotz Abgasskandal, trotz Dieselaffäre. Auch die Strafzahlungen in vielfacher Milliardenhöhe hindern VW nicht daran, den wirtschaftlich weitaus stärkeren Wettbewerber aus Stuttgart ins Abseits zu stellen. Seit 45 Jahren hat Mercedes dem Deutschen Fußball-Bund zur Seite gestanden. Was offenbar keine Rolle spielt, wenn ein anderer Konzern einige Millionen Euro drauflegt.

Angeblich soll Volkswagen bereit sein, rund 30 Millionen Euro pro Jahr nach Frankfurt zu überweisen. Rund 20 Millionen mehr, als die Marke mit dem Stern gezahlt hat. Das ist schon ein ziemlicher Hammer, der für Gesprächsstoff in der Werbebranche sorgt. Setzt doch der Wolfsburger Autobauer beim Personal und auch beim Händler-Marketing kräftig den Rotstift an. So mancher Amateurverein kann nicht mehr auf die Unterstützung des örtlichen Volkswagen-Händlers bauen – ganz oben aber werden die Millionen im großen Stil dem Profi-Fußball zur Verfügung gestellt. Auch die Betriebsmannschaft vom VfL Wolfsburg wird weiter fürstlich bedient – mit 60 bis 80 Millionen Euro pro Saison.

Volkswagens Geldpolitik zeigt auch, dass die Margen im Automobilgeschäft nach wie vor von opulenter Qualität sein müssen. Ändern wird sich dann auch die Dienstwagen-Flotte der DFB-Funktionäre. Passat oder Touareg statt E-Klasse. Mag sein, dass Bundestrainer Jogi Löw dem Sponsoren-Wechsel mit etwas Wehmut entgegen sieht.

Zurückhaltende Prognose

Nur jenes Geld ausgeben, das auch in der Kasse liegt. Das ist die Maxime von HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen, der weitaus klüger und vernünftiger als seine Vorgänger agiert. Und das als „Übergangslösung“ – wie Geldgeber Klaus-Michael Kühne diese Personalie formuliert hat. Der Logistik-Unternehmer mag diese Aussage inzwischen bedauern, leistet doch Bruchhagen gute Arbeit. Der Personaletat soll von 56 auf 48 Millionen Euro zurückgefahren werden. Das ist dann immer noch ein kräftiger Batzen Geld, der erwirtschaftet werden muss. Was nur mit weiteren Kühne-Millionen zu bewegen ist. Fordert doch Trainer Markus Gisdol nach den Vertragsverlängerungen mit Bobby Wood und Kyriakos Papadopoulos sowie den Neuverpflichtungen von Torhüter Julian Pollersbeck und André Hahn weitere Verstärkungen. Was wohl nur gestemmt werden kann, wenn sich endlich Käufer für Aaron Hunt und Pierre-Michel Lasogga finden lassen. Da kann noch viel passieren, hat doch die Transferbörse bis Ende August ihre Tore geöffnet.

Aus dem Tollhaus

Kölns Torjäger Anthony Modeste hat seinen Arbeitgeber zum Narren gehalten. Heute vor einer Woche ließ er sich zum Trainingsauftakt von 2000 Fans feiern - mit der Zusage, beim FC bleiben zu wollen. Manager Jörg Schmadtke gab Mitte der Woche zu Protokoll, es liege kein Angebot vor. Dann gestern die Kehrtwende. Modeste wechselt für eine Ablösesumme von fast 36 Millionen Euro nach China. Hieß es. Angeblich. Wahrscheinlich.

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