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16 neue Anklagen : So treibt die US-Justiz die FIFA vor sich her

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Die US-Justiz lässt nicht locker. Eine Frau räumt im Männer-Club FIFA auf – und hat sich einen Feldzug gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 08:33 Uhr

Washington | Nach außen hin gibt sich Loretta Lynch stets höflich und charmant, aber die US-Justizministerin kann knallhart sein. Nachdem sie die Journalisten bei einer Pressekonferenz am Donnerstag (Ortszeit) in Washington eine Stunde hat warten lassen, entschuldigt sich die Frau im goldglänzenden Oberteil erst überschwänglich - und holt dann zum brachialen Rundumschlag gegen die FIFA aus.

Die FIFA wird durch die Korruptions-Vorwürfe in ihren Grundfesten erschüttert. Die Entwicklungen werfen auch ein schlechtes Licht auf den Profi-Fußball. Sport und Fairness geraten angesichts von Kommerz und Filz in den Hintergrund, so dass auch Fans die Freude daran genommen wird.

Weitere 16 hochrangige Funktionäre klagt die Generalstaatsanwältin an, auf 236 Seiten hat ein Gericht in New York die Vorwürfe detailliert aufgelistet. „Unglaublich“ sei das Ausmaß der Korruption, wettert Lynch - um dann wieder freundlich lächelnd und geduldig die vielen Fragen der Journalisten zu beantworten.

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate hat diese zierliche Frau der als Männer-Club verschrienen FIFA gerade die Show vermasselt, erst mit den Festnahmen vor dem Kongress im Mai, nun mit der Razzia am Tag der Reformdebatte. Dabei gehe es Lynch gar nicht um den großen Show-Effekt und Schlagzeilen, sagen Beobachter und Kollegen. Sie sei eher zurückhaltend und müsse zu Pressekonferenzen oft überredet werden. Das Vorgehen der Strafermittler sei zudem rein pragmatisch - wenn die FIFA-Funktionäre sich alle in Zürich treffen, wissen die Ermittler, wo sie sind, und können leicht zugreifen.

Wer sind die Beschuldugten?

Unter den neuen Beschuldigten sind der ehemalige Vizepräsident des Weltverbandes, Ricardo Teixeira, der frühere brasilianische Verbandspräsident Marco Polo del Nero und das ehemalige FIFA-Exekutivmitglied Rafael Salguero aus Guatemala.

Zuvor waren in Zürich die FIFA-Vizepräsidenten Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit Banegas aus Honduras verhaftet worden. Unter den von den US-Behörden bekanntgegebenen 16 Namen, allesamt Süd- und Mittelamerikaner, sind Napout und Hawit Banegas die einzigen mit derzeit hochrangigen FIFA-Ämtern.

Texeira, der Schwiegersohn des ehemaligen FIFA-Präsidenten Joao Havelange, war von 1974 bis 1998 Vizepräsident des Weltverbandes. Auf der vom US-Justizministerium veröffentlichten Liste der Beschuldigten sind auch der jetzige und ehemalige Generalsekretär des südamerikanischen Verbandes COMNEBOL sowie zahlreiche ehemalige und jetzige Funktionäre des mittelamerikanischen Verbandes CONCACAF.

 

Trotzdem bleibt der Eindruck, dass die US-Justiz eine kopflos agierende FIFA vor sich her treibt. Die US-Behörden verlangen die Auslieferung der angeklagten Funktionäre - und die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen, wie Lynch betont. „Die Botschaft dieser Mitteilung sollte jedem schuldhaften Individuum klar sein, das im Dunklen bleibt, in der Hoffnung, sich unseren Untersuchungen entziehen zu können: Sie können die Sache nicht aussitzen, sie werden unserem Fokus nicht entkommen.“ Auch die Zukunft der FIFA zweifelt Lynch offen an. Man sorge sich um die „Lebensfähigkeit der Organisation in der Zukunft“ und auch um die Aufrichtigkeit ihrer Bemühungen für einen Wandel.

Warum gerade Lynch und die US-Justiz in diesem Fall so knallhart vorgehen, scheint für europäische Beobachter auf den ersten Blick verwunderlich, aus Sicht der US-Behörden ist es aber klar. Jahrelang ermittelt das FBI schon in der Sache, Lynch übersah den Fall bereits in ihrer vorherigen Position als Staatsanwältin in Brooklyn. Die US-Justizbehörden sehen sich auch als Weltpolizei und weil illegale Gelder auch durch Banken mit Sitz in New York flossen, konnten sie sich des Falls annehmen. „Wenn Kriminelle ihre korrupten Aktivitäten in unser Land und zu unseren Banken bringen, dann müssen sie sich an unsere Regeln halten“, sagt Diego Rodriguez vom FBI bei Lynchs Pressekonferenz.

In den USA hat die Sportart zudem bei weitem nicht die Aura des Heiligen und Unantastbaren, die sie in extrem Fußball-begeisterteren Ländern manchmal bekommt. Und der Fall bietet Lynch die es in ihrer Karriere schon häufiger mit den ganz Reichen und Mächtigen unter anderem an der Wall Street aufgenommen hat, die Chance zur Profilierung. Schließlich ist sie erst seit April offiziell Justizministerin und hat den Job erstmal nur bis zum Ende von Obamas zweiter Amtszeit Ende 2016 sicher.

Bis dahin hat sie in Sachen FIFA noch viel vor. „Die Justizbehörden fühlen sich verpflichtet, dieser ungezügelten Korruption, die wir inmitten der Führungsebene des internationalen Fußballs entdeckt haben, ein Ende zu bereiten - nicht nur wegen des Ausmaßes, der Dreistigkeit und des Umfangs, die gebraucht werden, um solche Korruption aufrecht zu erhalten, sondern auch weil dieses Verhalten einen Affront gegen internationale Prinzipien darstellt.“

Das FIFA-Exekutivkomitee im Überblick:

Funktion Name Status
Präsident Joseph Blatter (schweiz) derzeit für 90 Tage suspendiert
Vize-Präsidenten Issa Hayatou (Kamerun/Interimspräsident)  
Angel Maria Villar Llona (Spanien)  
Michel Platini (Frankreich) derzeit für 90 Tage gesperrt
David Chung (Papua-Neuguinea)  
Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa (Bahrain)  
Juan Angel Napout (Paraguay) festgenommen
David Gill (England)  
Alfredo Hawit Banegas (Honduras) festgenommen
Mitglieder Michel D'Hooghe (Belgien)  
Senes Erzik (Türkei)  
Marios Lefkaritis (Zypern)  
Hany Abo Rida (Ägypten)  
Witali Mutko (Russland) In Veruf wegen des großen Dopingskandals in der russischen Leichtathletik
Fernando Sarney (Brasilien)  
Sunil Gulati (USA)  
Lydia Nsekera (Burundi)  
Luis Bedoya (Kolumbien) zurückgetreten wegen Korruptionsverdachts
Wolfgang Niersbach (Deutschland) als DFB-Präsident zurückgetreten
Tarek Bouchamaoui (Tunesien)  
Constant Omari (Demokratische Republik Kongo)  
Prinz Abdullah (Malaysia)  
Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah (Kuwait)  
Kohzo Tashima (Japan)  
Sonia Bien Aime (Turks- und Caicos-Inseln)  
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