Fussball-Kolumne : Show-Time, Schach-Zug, Dorf-Besuche

Hamburger SV - SV Sandhausen, 6. Spieltag, im Volksparkstadion. Die Spieler des HSV feiern den Treffer zum 2:1.

Hamburger SV - SV Sandhausen, 6. Spieltag, im Volksparkstadion. Die Spieler des HSV feiern den Treffer zum 2:1.

In seiner Kolumne blickt Jürgen Muhl auf das vergangene Fußball-Wochenende.

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12. September 2021, 17:36 Uhr

Der Fußball positioniert sich. Wieder einmal. Ganz, ganz oben. Damit noch bessere Geschäfte gemacht werden können. Was nach Corona, wenn es dieses Zeitalter irgendwann einmal in Behördensprache geben sollte, ja doppelt wichtig ist. Geld muss in die Häuser der Verbände und in die Vereinskassen. Der Weltverband Fifa holt seine Pläne von Weltmeisterschaften im Zwei-Jahres-Rhythmus aus der Schublade und die Europäische Fußball-Union (Uefa) will mit einer eigenen Europa League frische Milliarden produzieren. Gut, dass die beiden Präsidenten, Fifa-Boss Gianni Infantino und Uefa-Chef Aleksander Ceferin, in Abneigung verbunden sind. Sie werden sich bekämpfen – was Hoffnung macht, dass die Pläne wie eine Seifenblase zerplatzen. Den Äußerungen der großen Clubs und auch der DFB-Funktionäre ist nicht zu trauen. Sie wollen immer das, was die Taschen füllt.

FC Bayern wildert bei Konkurrenten

Viel anders läuft es ja auch in der Bundesliga nicht. Der FC Bayern kauft dem Rest der Liga – wenn möglich – die besten Trainer und Profis weg, zuletzt musste RB Leipzig bluten. Borussia Dortmund wartet darauf, für Erling Haaland und Jude Bellingham neue Rekordsummen bei den Ablösezahlungen zu kassieren. Die Winterpause dürfte als Zeitpunkt der Verabschiedungen in Frage kommen. Insofern bleibt die Bundesliga für die ganz großen Ballkünstler nur eine Durchgangsstation. Das ist finanziell durchaus vernünftig, aber auch bedauerlich. Gehörte doch die Partie zwischen Bayer Leverkusen und dem BVB zur besten Bundesliga-Kost, die seit langem serviert wurde.

Siege für Werder und den HSV vor dem Nordderby

Anschluss gefunden. Nach oben. Eine Woche vor dem einst so großen Klassiker zwischen Werder Bremen und dem HSV haben beide Nordclubs ihren Fans Freude bereitet. Werder siegte souverän in Ingolstadt und im Volkspark mussten Glück und ein Heim-Schiedsrichter in Anspruch genommen werden, um sich nach 96 Minuten auf den Rängen in die Arme zu fallen. Nur so konnte das kleine Sandhausen in die Knie gezwungen werden. Während der Woche hatten die HSV-Oberen kleine Brötchen gebacken. Der Aufstieg sei nicht das Hauptziel, vielmehr wolle man einen Entwicklungsprozess mit jungen Spielern gehen. Was nichts anderes sein dürfte als ein rhetorischer Schachzug. Natürlich soll und muss der Aufstieg her. Im vierten Anlauf.

Zurück zur Basis

Raus aufs Land und nicht nach Dubai, in die USA oder nach China: Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann sieht die Bundesliga-Clubs in der Pflicht, die Fans wieder vermehrt in der eigenen Region zu akquirieren. „Wir müssen wieder in die Dörfer und nicht nach Asien, um dort die Fans abzuholen. Wir müssen vom hohen Ross absteigen und versuchen, die Menschen vor unserer Haustür anzusprechen“, sagte Hellmann auf einem Kongress. Frankfurts Fußball-Chef liegt richtig. Trainingslager und Testspiele vor der Haustür sind ein Mittel, um Kontaktpflege zu betreiben. Auch wenn zwei Grashalme in Glücksburg, Büdelsdorf, Bredstedt oder sonstwo auf dem Lande nicht den Vorstellungen der verwöhnten Trainer-Zunft entsprechen. Der Fußball muss an die Basis zurück. Und nicht ans andere Ende der Welt fliegen.

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