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Kommentar : Wettbetrug: Der Fußball muss aufwachen

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Zwielichtiges Wettverhalten bringt den Amateurfußball, oft im Vergleich zur Geldmaschinerie Profifußball als der ehrliche Fußball bezeichnet, in Verruf, meint Redakteur Christian Jessen.

Wenn die Spielsucht zugeschlagen hat oder die Sportlerehre nichts mehr bedeutet –  Fußballern, die auf ihre eigenen Spiele Wetten abschließen, ist mit simplen Verboten wohl nicht mehr beizukommen. Dies gilt längst nicht mehr nur für den Profi-Fußball. Der Anreiz, mit dem richtigen Tipp bei einem Provinzkick wie FC Angeln gegen Hartenholm unter Umständen Tausende von Euro verdienen zu können, ist gefährlich. Die kriminelle Energie, die nötig ist, um die eigene Mannschaft und damit den Sport als Ganzes durch eine Manipulation zu betrügen, ist nicht allein mit Strafandrohungen zu unterbinden. Die schwarzen Schafe werden bleiben.

Was aber kann getan werden, um verbotene Sportwetten mehr als bisher ins Abseits zu stellen? Der gesunde Verstand sagt: In Spielklassen, in denen die Akteure mit dem Fußball kaum Geld verdienen, darf auch mit Wetten kein Reibach gemacht werden. Ein grundsätzliches Verbot von Wetten auf Amateurspiele wäre also wünschenswert. Umsetzbar ist das wohl nicht und würde die Kriminellen vielleicht sogar auf einen illegalen Markt drängen.

Doch die seriösen Wettanbieter könnten sich zumindest besser schützen. Die Reduzierung der Einsätze, die „Tipico“ für Oberliga-Spiele vornahm, ist dabei aber noch zu leicht zu umgehen, indem Oma, Tante und der beste Kumpel die gleiche Wette platzieren. Amateurspiele nur noch in so genannten Kombi-Wetten anzubieten, wäre ein besseres Modell. Betrüger müssten dann gleich bei drei oder mehr Begegnungen sicher sein, dass auch das richtige Ergebnis herauskommt.

Der wichtigste Schritt ist aber ein anderer: Die Fußballer müssen aufwachen. Zwielichtiges Wettverhalten bringt den Amateurfußball, oft im Vergleich zur Geldmaschinerie Profifußball als der ehrliche Fußball bezeichnet, in Verruf. Unter Sportlern muss das Bewusstsein geschärft werden, dass schon die simple Wette auf einen eigenen Sieg der Anfang allen Übels ist. Der Anreiz dieser verbotenen Zusatzprämie kann Startpunkt  sein für Schlimmeres. Der verlockende Gedanke nach dem Motto „Heute haben wir eh keine Chance“ – und damit eine Wette gegen das eigene Team – liegt dann nämlich nicht mehr fern.

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erstellt am 12.Nov.2014 | 06:46 Uhr

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