Schüler, Studenten und ein Schornsteinfeger

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13. Februar 2012, 08:05 Uhr

In fünf Folgen unserer Serie haben wir aufgezeigt, wie es Holstein Kiel zum Deutschen Meister 1912 schaffen konnte. Doch wer sind eigentlich die Meisterspieler? In der letzten Folge der Serie werden die elf Meister und die vier Akteure, die sich heutzutage auch Deutsche Meister nennen dürften, noch einmal ausführlich porträtiert.

Adolf Werner

geb. am 19. Oktober 1886

Holsteins Torhüter, allgemein unter dem Spitznamen "Adsch" bekannt, war einer der "Stars" seiner Zeit. Zum Zeitpunkt des Endspiels 1912 war Werner gerade für einige Monate Rekordnationalspieler des noch jungen DFB und der erste Deutsche, der sich als Stammtorwart der Nationalelf fühlen durfte. Er kam auch im Sommer bei den Olympischen Spielen zum Einsatz, wo er auch beim 16:0-Rekordsieg gegen Russland mitwirkte. Bei seinem ersten Länderspiel 1909 gegen England in Oxford hatte er trotz der 0:9-Niederlage so sehr überzeugt, dass er neben großen Schlagzeilen ("Das einzige Hindernis für England war Werner", schrieb der Daily Telegraph) Angebote englischer Proficlubs erhielt, die er jedoch ablehnte. Die englischen Spieler hatten ihm als übliche Anerkennung für den besten Spieler auf dem Platz den Spielball überreicht. Auch 1911, als Deutschland erstmals gegen das Mutterland des Fußballs nicht verlor (2:2), lieferte er ein gutes Spiel ab. Der Schornsteinfeger, dessen Brüder Fred (*1888) und August (*1896) ebenfalls langjährige Liga-Spieler waren, wurde schon im Gründungsjahr 1902 Mitglied bei Holstein und stand bereits im ersten Spiel der Vereinsgeschichte als 16-Jähriger zwischen den Pfosten. Er wurde zu einem echten Dauerbrenner im Holstein-Trikot, verpasste jedoch das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1910, weil er sich im Herbst 1909 schwer verletzt hatte. Von Herbst 1910 bis Mai 1911 lief Werner dann als Gastspieler für Victoria Hamburg auf. Im Tor der norddeutschen Auswahl, für die er neun Spiele absolvierte, feierte er 1911 den Sieg im Kronprinzenpokal (4:2 gegen Süddeutschland). Anfang Juni 1911 kehrte er bei einer Gastspielreise zum Halleschen FC 96 und Wacker Leipzig ins Holstein-Tor zurück und blieb dort trotz einer weiteren Verletzung, nach der er nicht mehr zu seiner ursprünglichen Leistungsfähigkeit zurückfand, bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn im Jahr 1923. Bereits im November desselben Jahres wurde er zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt. Mit insgesamt 13 A-Länderspielen für Deutschland ist der als wortkarg geltende Schlussmann Holsteins Rekord-Internationaler. Er blieb den "Störchen" auch nach Ende seiner aktiven Laufbahn verbunden und wurde auch als Ehrenmitglied des Landessportverbandes ausgezeichnet. Werner starb am 6. September 1975 im Alter von 88 Jahren in Kiel.

Heinrich Homeister

geb. am 12. August 1893

Der in der Meisterschaftsendrunde als rechter Verteidiger eingesetzte Youngster war einer der Aufsteiger der Meistersaison. Im Jahr 1911 war der aus dem eigenen Nachwuchs stammende Homeister Mitglied der Jugendmannschaft, die zum allerersten Spiel gegen eine auswärtige Mannschaft aufgestellt worden war (3:3 gegen Preussen Berlin). Zuvor waren Nachwuchsakteure nur in den unteren Herren-Mannschaften zu Spieleinsätzen gekommen. Zu Beginn der erfolgreichen Saison 1911/12 war der Verteidiger noch in erster Linie für die zweite Mannschaft aufgelaufen, ehe er den erfahreneren Fred Werner und Karl Rempka endgültig den Rang ablief. Homeister war zum Zeitpunkt des Titelgewinns noch Schüler und besuchte die Oberrealschule I (heute Hebbelschule), aus der zehn Jahre zuvor auch die Gründer des FV Holstein hervorgegangen waren. Homeister starb am 19. Januar 1925 im Alter von 31 Jahren.

Hans Reese

geb. am 17. September 1891

Der als Verteidiger und Läufer eingesetzte Reese hatte zum Zeitpunkt des Titelgewinns gerade sein Abitur abgelegt. Schon zwei Jahre zuvor hatte der eher kleingewachsene, drahtige Defensivmann in Köln als 18-Jähriger im gegen Karlsruhe verlorenen Endspiel um die Meisterschaft mitgewirkt. 1911 wurde er mit der Auswahl Norddeutschlands, für die er sechs Mal spielte, Kronprinzenpokalsieger - ein Erfolg, den er drei Jahre später wiederholte. Das Jahr 1912 wurde zu Reeses größ tem sportlichen Jahr. Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft wurde er in die Nationalmannschaft berufen, die an den Olympischen Spielen in Stockholm teilnahm. Beim 16:0-Rekordsieg gegen Russland absolvierte er sein einziges Länderspiel. Am 21. Juli gewann er zudem auch den Titel des Deutschen Akademikermeisters. Im Endspiel, das Holstein Kiel in Marburg gegen den dortigen VfB mit 2:0 gewann, absolvierte Reese eines seiner ersten Spiele für die Mannschaft. Er durfte teilnehmen, weil er ein Medizinstudium an der Kieler Uni aufgenommen hatte, das er 1917 mit der Promotion abschloss. 1924 wanderte Reese in die USA aus, wo er es in Wisconsin bis zum Professor für Neurologie brachte. Reese starb am 23. Juni 1973 in Madison im Alter von 81 Jahren.

Georg Krogmann

geb. am 4. September 1886

Mit seinen 25 Jahren war Krogmann, meist mit seinem Spitznamen "Männe" gerufen, bereits der zweitälteste Spieler der Kieler Meisterelf. Er gehörte zu den Akteuren, die nach fußballerischen Anfängen in "wilden" Straßenclubs, bereits kurz nach der Gründung des FV Holstein für den Verein aktiv wurden, quasi von Beginn an zur ersten Mannschaft gehörten und den Club nie wechselten. Auch seine Brüder Adolf und Heinrich spielten im Holstein-Nachwuchs, wo Georg als ältester Sohn der Kronshagener Familie auch als Jugendtrainer tätig war. Seine Stammposition war die des Mittelläufers, auf der er auch die Endspiel-Niederlage gegen den Karlsruher FV im Jahr 1910 erlebte. Nach dem Wechsel von Willy Zincke auf die zentrale Defensivposition rückte der große und robuste Abwehrmann, der auch im Spielaufbau Qualitäten hatte, in die Rolle des rechten Außenläufers. Wenige Wochen vor dem Gewinn der Meisterschaft hatte Krogmann beim 4:4 in Ungarn sein Debüt in der Nationalmannschaft gefeiert, nachdem er zuvor bereits vier Auswahlspiele für Norddeutschland (insgesamt acht) bestritten hatte. Auch für Olympia in Stockholm wurde er berufen, absolvierte dort gegen Ungarn (1:3) und Österreich (1:5) seine beiden letzten Länderspiele. Der als ernsthaft, zielstrebig und humorvoll beschriebene Krogmann studierte Medizin an der Christian-Albrechts-Universität und gehörte ebenfalls zu der Mannschaft, die im Juli für Holstein in Marburg die Hochschulmeisterschaft gewann. Krogmann starb bereits im Alter von 28 Jahren am 9. Januar 1915 als Soldat im Ersten Weltkrieg.

Willy Zincke

geb. am 4. Januar 1886

Als einer der wenigen Auswärtigen im Kieler Team brachte es Zincke schnell zu großer Anerkennung. Der mit 26 Jahren älteste Akteur des Teams war gleichzeitig Spielführer, was in jener Zeit einer Spielertrainer-Rolle nahe kam. Gemeinsam mit erfahrenen Vereinsmitgliedern im Spielausschuss war er für die Aufstellung der Mannschaft zuständig und leitete auch die Übungseinheiten. Einen Trainer gab es bei Holstein bis 1924 nicht. Der bei der Post als Telegraphenassistent ausgebildete Zincke war im Oktober 1909 als Soldat nach Kiel gekommen und bereicherte Holstein mit seiner bei den damaligen Berliner Top-Vereinen Britannia 92 und BFC Preussen gesammelten taktischen Erfahrung und seinem technischen Können. In der Hauptstadt hatte er auch der Stadtauswahl angehört. In Kiel trug er auf dem Weg ins Finale der Deutschen Meisterschaft 1910 mit fünf Treffern in den Spielen gegen Preussen (4:0) und Tasmania Berlin (6:0) erheblich zum Erfolg Holsteins bei. Er hatte die Stadt nach Ableistung seines Wehrdienstes zwar wieder verlassen, kehrte jedoch nach einem Intermezzo beim BFC Preussen schon im Frühjahr 1911 zurück. Mit der NFV-Auswahl gewann er im Sommer 1911 den Kronprinzenpokal. Auf dem Feld agierte Zincke zunächst als Mittelstürmer, der in hängender Position jedoch in erster Linie für den Spielaufbau zuständig war. Im Meisterjahr zog er sich in die Rolle des Mittelläufers zurück, wo er der wesentliche Stratege der erfolgreichen Elf war. Zincke, dem ein Hang zum Sarkasmus und ein trockener Humor attestiert wurden, spielte noch bis zum Beginn der 1920er Jahre für die "Störche", wurde 1920 zum Ehrenspielführer ernannt und war nach Ende seiner Karriere noch im Spielausschuss und als ehrenamtlicher Trainer tätig. Zincke starb am 5. Dezember 1957 im Alter von 71 Jahren in Kiel.

Hans Dehning

geb. am 29. Dezember 1889

Der als Außenläufer und Stürmer eingesetzte "Hanni" Dehning nahm in der erfolgreichen Elf der "Störche" die Rolle des linken Läufers ein. Zwei Jahre zuvor, im ersten Endspiel gegen Karlsruhe, hatte er ebenfalls schon mitgewirkt, damals jedoch als Halbrechter. Der in Kiel aufgewachsene Jurastudent hatte wie seine drei Brüder nach Anfängen auf der Straße beim Holstein-Konkurrenten und späteren Fusionspartner 1. Kieler Fußballverein von 1900 begonnen. Dort gehörte er im Jahr 1901 - zu Zeiten, als der Fußball vielfach verpönt und von Jugendarbeit in den jungen Vereinen noch nicht die Rede war - der ersten Kieler Schülermannschaft an. Zwischenzeitlich hatte er einige Zeit an der Leipziger Universität verbracht, ehe er im Winter 1910 zur Ableistung seines Wehrdienstes zurückkehrte. Er blieb in Kiel, wo er in der Stiftstraße Nachbar der Familie Werner war. Im Juli 1912 gehörte Dehning als dritter Deutscher Meister auch zur Holstein-Mannschaft, die in Marburg den Akademiker-Meistertitel gewann. Nach Fußball-Karriere und Studium, das er mit der Promotion zum Dr. jur. abschloss, schlug er die Beamtenlaufbahn ein und brachte es bis zum Regierungsrat.

Helmuth Bork

geb. am 8. November 1886

Der Rechtsaußen der Meisterelf gehörte zu den wenigen Auswärtigen. Bork war 1908 aus Berlin gekommen, wo er für Britannia 92 spielte. Nach Kiel war er aus beruflichen Gründen übergesiedelt, um in Friedrichsort seine Ausbildung zum Marineoffizier zu beginnen. Er hielt Holstein auch die Treue, als er im Rahmen der Ausbildung zur Offiziersschule nach Wilhelmshaven versetzt wurde, konnte jedoch am Trainings- und Spielbetrieb nicht regelmäßig teilnehmen. Dennoch wurde er stets aufgestellt, wenn er zur Verfügung stand. Der 25-Jährige wurde kurz nach dem Gewinn der Meisterschaft bei der kaiserlichen Marine in den Rang eines Deckoffiziers (Torpeder) gehoben und nach Danzig versetzt. Erst nachdem er im Halbfinale um die Meisterschaft 1913 (1:2 gegen Duisburg) und bei den Baltischen Spielen 1914 noch das Kieler Trikot getragen hatte, kehrte er Holstein als Aktiver den Rücken und schloss sich dem BuEV Danzig an. Dort wurde er noch mehrfach in die Regionalauswahlmannschaft des Baltenverbandes berufen.

Hugo Fick

geb. am 12. Juni 1891

Der Halbrechte der Kieler Meisterelf war nominell auch ein Auswärtiger. Geboren im damals noch zu Schleswig-Holstein gehörenden Lurup (heute Hamburger Stadtteil), war er mit seiner Familie jedoch bereits in jungen Jahren nach Kiel übergesiedelt und als Schüler Holstein beigetreten. Neben seinem älteren Bruder Willi (im Endspiel der zweite Halbstürmer) spielten mit Hans (*1893), der 1914 im ersten Weltkrieg fiel, und dem nie in der ersten Mannschaft aktiven Ernst (*1894) zwei weitere Kinder der Familie Fick beim FV Holstein. Hugo Fick erhielt nach dem Abitur auf dem Realgymnasium eine Anstellung in einer Bank. Später betrieb er in Hamburg ein Tabakgeschäft. 1910, als Bruder Willi bereits zur Endspielmannschaft zählte, war Hugo noch in der zweiten Mannschaft aktiv. 1911 stand er jedoch schon in der Elf, die das Halbfinale (0:4 gegen Viktoria 89 Berlin) erreichte und war im Meisterjahr unumstrittene Stammkraft. Den Kielern hielt Hugo Fick bis nach dem Ersten Weltkrieg die Treue. Dann wechselte er nach Hamburg, wo er sich dem gerade erst aus Fusion entstandenen Hamburger SV anschloss. Nach einem zweijährigen Intermezzo beim VfB Leipzig erreichte Fick mit dem HSV zwölf Jahre nach seinem ersten Titelgewinn erneut das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, musste sich diesmal jedoch in Berlin dem 1. FC Nürnberg mit 0:2 geschlagen geben. Zum Nationalspieler wie Bruder Willi brachte es Hugo nicht. Doch er erhielt 22 Berufungen in die norddeutsche Auswahl, mit der er 1914 und 1917 den Kronprinzenpokal und 1919 den Nachfolger Bundespokal gewann.

David Binder

geb. am 18. Dezember 1893

Das jüngste Mitglied der Meisterelf hatte sich erst im August 1911 dem Verein angeschlossen, sich aber als 17-Jähriger sofort einen Stammplatz in der ersten Mannschaft erkämpft. Ihm wurde großes Talent für den Posten als Mittelstürmer nachgesagt, das der groß gewachsene und als zäher Kämpfer geltende Binder nach Anfangsschwierigkeiten bald unter Beweis stellte. Der als Lehrling im Maschinenbaugewerbe arbeitende Nachwuchsstürmer - also einer der wenigen Nicht-Akademiker im Kieler Trikot - erzielte auf dem Weg ins Endspiel gleich drei wichtige Tore - den 2:1-Siegtreffer im Viertelfinale gegen den BFC Preussen sowie beide Tore in der Verlängerung beim 2:1-Halbfinalerfolg über Titelverteidiger Viktoria 89 Berlin. Binder, dessen Bruder Walter als guter Torwart in unteren Mannschaften galt, gehörte bis zum Kriegsausbruch zu Holsteins Stammelf. Vom Fronteinsatz kehrte er nicht zurück. Er starb am 25. November 1917 im Alter von 23 Jahren.

Willi Fick

geb. am 18. Februar 1890

Der älteste der Fick-Brüder war ebenfalls gebürtiger Luruper, jedoch nach dem Umzug der Familie an die Förde schon im jugendlichen Alter Mitglied der Holstein-Nachwuchsabteilung. Zunächst musste er seinen fußballerischen Ambitionen jedoch heimlich nachgehen (siehe Folge 2 unserer Serie). Als erkennbar war, dass Willi zu einem Leistungsträger werden würde, überzeugte der Holstein-Vorstand Vater Fick, sich ein Spiel anzuschauen, bei dem Willi mitwirken sollte. Fortan waren alle männlichen Mitglieder der Familie mit dem Fußball-Virus infiziert. Schon früh erkämpfte sich Willi, der älteste der vier Ficks, einen Stammplatz im Innensturm der Liga-Mannschaft. Beruflich hatte er nach Ableistung seines Wehrdienstes im Jahr 1910 eine Ausbildung bei der Polizei begonnen. Im gleichen Jahr gehörte der dreifache norddeutsche Auswahlspieler bereits zur Holstein-Elf, die dem Karlsruher FV im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft mit 0:1 unterlag. Sogar schon einen Monat zuvor hatte Fick sein Debüt als Nationalspieler gefeiert. Bei der 2:4-Niederlage der deutschen Elf gegen die Niederlande in Arnheim erzielte der Kieler sogar einen Treffer. Dennoch sollte es die letzte Berufung in den DFB-Kader sein. Vielleicht wären nach dem Meistertitel weitere hinzu gekommen. Doch bereits im Spätsommer des Jahres machte sich eine "heimtückische Krankheit", wie sie von zeitgenössischen Quellen benannt wurde, so stark bemerkbar, dass Fick in der Saison 1912/13 nicht mehr mitwirken konnte. Am 5. September 1913 war Fick schließlich dieser Krankheit, vermutlich Tuberkulose, erlegen. Er wurde nur 23 Jahre alt.

Ernst Möller

geb. am 19. August 1891

Der Linksaußen der Kieler war ein Shootingstar der beiden Jahre zwischen den Endspielteilnahmen. 1910 fehlte der Name des Oberrealschülers, der erst nach der Meisterschaft im Frühjahr 1913 sein Abitur ablegte, noch in der Stammaufstellung der "Störche". Nur hier und da wurde der aus einer Gettorfer Familie stammende und in Kiel aufgewachsene Möller, der bereits mit 16 Jahren in der ersten Mannschaft stand, auf verschiedenen Sturmpositionen eingesetzt. Auf "seiner" Linksaußenposition erhielt der erfahrenere Karl Lafferenz noch den Vorzug. Zum Endspiel 1910 in Köln war Möller als Ersatzmann mitgereist. In der Saison 1910/11 erkämpfte er, im Verein "Erni" und "Erner" gerufen, sich endgültig einen Stammplatz und wurde dank seiner Schnelligkeit, guten Technik und Schusskraft schnell zu einem der herausragenden Akteure seines Heimatvereins, für den er nach Anfängen auf der Straße wie seine Brüder Karl (*1886), der zwischen 1910 und 1915 den Vorsitz beim FV Holstein inne hatte, und Max (*1888) schon als Teenager kickte. 1911 stand er bereits in der Mannschaft, die im Halbfinale um die Meisterschaft an Viktoria 89 Berlin scheiterte. Mit zwei Toren in der Verlängerung zum 4:2 über Süddeutschland sicherte er zudem der norddeutschen Auswahl den erstmaligen Gewinn des Kronprinzenpokals. Im gleichen Jahr gelang ihm auch der internationale Durchbruch. Am 14. April wurde er erstmals in die DFB-Auswahl berufen. Gegen Fußball-Mutterland England erlebte Möller die Sternstunde seiner Karriere. Vor der damaligen deutschen Rekordkulisse von 10 000 Zuschauern in Berlin erzielte der Linksaußen beide Tore der deutschen Elf, die erstmals einer englischen Mannschaft ein Remis (2:2) abtrotzte. Ein Jahr später bejubelte er dann im Holstein-Trikot den größten Erfolg. Im Endspiel gegen den Karlsruher FV verwandelte Möller, der stets an seinen Bandagen an beiden Knien zu erkennen war, den Elfmeter zum 1:0-Siegtor. 1914 wiederholte er mit der NFV-Auswahl den Erfolg im Kronprinzenpokal. Insgesamt absolvierte Möller neun A-Länderspiele, in denen er vier Tore erzielte. Noch größeren fußballerischen Ruhm verhinderte der Erste Weltkrieg. Am 8. November 1916 fiel Möller an der Front. Holsteins Feldspieler mit den meisten Länderspieleinsätzen wurde nur 25 Jahre alt.

Arthur Intert

geb. am 17. Dezember 1893

Der Oberrealschüler war der erste Ersatzmann für die Läuferreihe der Meistermannschaft und kam im Rahmen der Norddeutschen Meisterschaft noch zum Einsatz. Mit seinen 18 Jahren war er einer der jüngsten des Kaders. Die Hoffnung, in den folgenden Jahren zum Stammspieler aufzusteigen, erfüllte sich für ihn nicht. Blieb Holstein sein Leben lang treu und wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Wilhelm Tim

geb. am 3. September 1893

Der Oberrealschüler gehörte zur Riege der hoffnungsvollen Nachwuchsspieler. Er war vor allem für die Außenläuferposten als Ersatzmann vorgesehen, aber auch als Verteidiger einsetzbar und hatte während der Meistersaison einige Einsätze in der ersten Mannschaft, jedoch nicht während der Endrundenspiele. Auch in den Folgejahren gehörte "Willi" Tim zum Kreis der Holstein-Stammelf, wurde sogar drei Mal in die norddeutsche Auswahl berufen. Der Erste Weltkrieg beendete die hoffnungsvolle Karriere. Tim starb am 20. Juli 1916 im Alter von 22 Jahren an der Front.

Friedrich Werner

geb. am 5. Februar 1888

Der 24-Jährige gehörte jahrelang der Liga-Mannschaft der Kieler an. Der Jurastudent war Mitglied der Endspielelf von 1910 und des Teams, das 1911 das Halbfinale erreichte. Zeitweise war Werner sogar Spielführer der Holstein-Mannschaft und wurde 1908/09 auch zwei Mal in die norddeutsche Auswahl berufen. Doch die jugendliche Konkurrenz kostete den rechten Verteidiger im Meisterjahr letztlich den Stammplatz. Dem Bruder von Torhüter "Adsch", der ebenfalls von Jugend an für Holstein aktiv war, wurde vor allem fehlende Schnelligkeit zum Verhängnis. Der unter seinem Rufnamen "Fred" bekannte Verteidiger blieb jedoch mit seiner Routine ein verlässlicher Ersatzmann und kam immer wieder zu Liga-Einsätzen. Im Gegensatz zu "Adsch" und seinem jüngeren Bruder August brachte Fred Werner es jedoch nie zu Nationalmannschaftsehren, obwohl er es 1908 quasi ins "Notizbuch" des DFB schaffte - die Vorschläge kamen in Zeiten ohne Nationaltrainer noch von den Spielausschüssen der Vereine und Regionalverbände.

Max Wiggert

geb. am 26. März 1893

Der Mathematikstudent, Spitzname "Dackel", war im Meisterjahr noch nicht in der Stammelf gesetzt, sondern eine der ersten Alternativen für die Sturmreihe. Den Titel holte er jedoch mit der Akademiker-Mannschaft der "Störche" im Endspiel beim VfB Marburg. Der schnelle 19-Jährige, der später an Deutschen Meisterschaften über 100 Meter teilnahm, bekam in der Folgesaison, auch bedingt durch den krankheitsbedingten Ausfall von Willi Fick, mehr Einsatzchancen und war Mitglied der Elf, die im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft 1913 scheiterte. Anschließend wechselte er zu Altona 93, wo er noch jahrelang spielte und auch fünf Berufungen in die norddeutsche Auswahl erhielt. Wiggert promovierte, wurde Lehrer und brachte es bis zum Oberschulrat. Bei Altona 93 war er einige Jahre im Vorstand aktiv. Er verstarb 1968 im Alter von 75 Jahren.

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