Schnell, schneller, Michaela Brandenburg

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04. März 2013, 08:05 Uhr

Irgendwie mag man es nicht so recht glauben, dass sie vor gut zwei Monaten erst 15 Jahre alt geworden ist. Bei ihr scheint alles so schnell gegangen zu sein. Michaela Brandenburg steht derzeit mit beiden Füßen fest im Kader der deutschen Nationalmannschaft - aber nicht bei der U 16, bei der sie auch noch spielberechtigt ist, sondern schon bei der U 17.

Mit der von Anouschka Bernhard trainierten Auswahl bereitet sich die Fußballerin von Holstein Kiel derzeit in Hennef auf die letzte Hürde zur Teilnahme an der Endrunde der Europameisterschaft vor. In Belgien findet in den kommenden eineinhalb Wochen die zweite und letzte Qualifikationsrunde statt. Die Gegner heißen Niederlande (7. März), Belgien (9. März) und Dänemark (12. März). Nur der Gruppensieger fährt zur Endrunde ins schweizerische Nyon im Juni dieses Jahres. Deutschland ist Titelverteidiger. "Wir haben wohl nicht die schwersten Gegner erwischt und können es schaffen", sagt Michaela Brandenburg optimistisch.

Die Schnelligkeit sei eine ihrer Stärken, sagt die gebürtige Kielerin. Das bezieht sie zwar auf ihr Fußballspiel, aber es passt auch sonst. Gerade einmal fünf Jahre dauert der Sprint von den ersten fußballerischen Gehversuchen bei der E3-Jugend der SpVg Eidertal Molfsee bis zum Debüt für Deutschland - vom Solo-Kicken auf ein kleines Fußballtor im elterlichen Garten in Schulensee bei Kiel und dem Pausengebolze auf dem Schulhof der Grundschule Rammsee einmal abgesehen. Überhaupt war es nicht ihre Familie, die "Michi" zum Fußball brachte. "Mein Vater ist überhaupt kein Fußballfan, der segelt lieber", sagt die Neuntklässlerin. Das Ballsport-Gen muss also von Mutter Antje kommen, die seit vielen Jahren Volleyball spielt.

2006 kommt sie zum ersten Mal mit dem Vereinsfußball in Kontakt. 2007 gibt sie das Leistungsturnen für den Fußball auf. Über ein Mädchenfußballcamp gelingt ihr schnell der Sprung in die Kreisauswahl. "Da hatten wir ein Auswahlturnier, danach kam ich zum Stützpunkt in Malente und dann zur Landesauswahl. Wie das eben so geht", erzählt die 15-Jährige, als wäre das alles einfach so nebenher passiert. 2010 wechselt sie schließlich zu Holstein Kiel. Um im Mädchenfußball richtig weit zu kommen, gebe es keine bessere Adresse in Schleswig-Holstein, da sind sich Mutter und Tochter sicher und einig.

Beim U 15-Länderpokal im Juni 2011 in Duisburg überzeugt sie, wird zum DFB-Lehrgang nach Bitburg eingeladen. Ab hier verläuft der Weg zur Nationalspielerin zwar nicht schnurgerade, aber eine Schnellstraße ist es allemal. Letztlich kommt die erste Einladung zu einem Länderspiel im Herbst 2011. Familie Brandenburg weilt gerade im Urlaub auf Sylt und erfährt durch SHFV-Landestrainer Dieter Bollow von der Nominierung. Am 1. November 2011 feiert Brandenburg in Brühl ihr Debüt, als sie beim 3:0-Erfolg der DFB-Mädchen gegen Schottland eingewechselt wird. Insgesamt fünf Mal trägt sie das Trikot der deutschen U 15.

Als der neue deutsche U 16-Kader zusammengestellt wird, fährt sie im August 2012 zum Lehrgang nach Kaiserau, wartet aber vergeblich auf eine Einladung zum Spiel gegen Norwegen in Hamburg. "Es wäre schön gewesen, endlich mal im Norden spielen zu können", sagt sie. Ansonsten habe sie als Schleswig-Holsteinerin fast immer die weiteste Anreise, wenn es in Sachen Nationalmannschaft losgeht. Überhaupt sei man als Nordlicht ab und zu den Späßen der Mitspielerinnen ausgesetzt: "Wenn ich erzähle, dass ich gerne Ski fahre und snowboarde, dann kommt immer gleich die Frage, wo wir das denn bitte schön bei uns hier oben machen und wie hoch denn der höchste Berg ist."

Die Enttäuschung verfliegt, als doch noch eine Mail vom DFB kommt. Michaela Brandenburg freut sich zuerst über ihre Positionierung im Mittelfeld anstatt in der Abwehr, merkt erst dann, dass es sich statt um ein U 16- um ein U 17-Länderspiel und um eine Partie in Österreich handelt. Beim Vier-Nationen-Turnier debütiert sie für die U17. Und ist seitdem dort nicht mehr wegzudenken. Erste EM-Quali-Runde, USA-Reise - acht U 17-Partien stehen für sie zu Buche. Aber immer noch kein Tor. "Doch. Eins. Gegen Russland. Aber das wurde wegen Abseits nicht gegeben. War aber kein Abseits", beteuert sie.

Bei Holstein stand sie gegen Werder Bremen zum ersten Mal im Dezember 2012 in der 2. Frauen-Bundesliga auf dem Platz. In der 71. Minute wurde sie ausgewechselt. Sie musste zum Zug. Zum DFB-Lehrgang. Es musste schnell gehen. Natürlich.

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