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Statement für Pressefreiheit : Rot-Weiss Essen feuert in Pressekonferenz gegen Trump

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Alternative Fakten, Mauer um Gelsenkirchen und Stadionverbot für Jeansträger - Dahinter verbirgt sich eine Trump-Parodie.

Essen | Mit einer ungewöhnlichen Pressekonferenz anlässlich des 110. Geburtstages des Vereins Rot-Weiss Essen ist der Regionaligist bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Angeblich sollte großes verkündet werden und so machte der neue Pressesprecher Gottfried Würzer gleich zu Beginn klar: Jetzt wird eine härtere Gangart gegenüber den Journalisten an den Tag gelegt.

Ab jetzt herrsche ein ganz anderer Wind, wies der angebliche Pressesprecher die Journalisten zurecht. Rot-Weiß Essen sei der einzige, wahre deutsche Meister. Die Bayern und besonders die Medien sollten endlich einsehen, dass der Wunsch „faktisch zur Wirklichkeit“ geworden ist. Spätestens jetzt war allen Anwesenden klar, dass es sich hier um eine Persiflage handeln musste.

Doch Gottfried Würzer, der eigentlich Sven Seeburg heißt und Schauspieler ist, hatte gerade erst begonnen. So wurden die ersten schmunzelnden Journalisten zurecht gewiesen und die Berichterstattung über Rot-Weiß Essen kritisiert. Mit „alternativen Fakten“ könne belegt werden, dass bei den Zuschauerzahlen regelmäßig untertrieben worden und das Stadion Essen in der laufenden Spielzeit fast ausschließlich ausverkauft gewesen sei.

Außerdem kündigte er Maßnahmen gegen den vermehrten Zuzug von Fans aus Gelsenkirchen an, die im Stadion den Essener Fans Sitz- und Stehplätze wegnehmen würden. Mithilfe einer Mauer zwischen beiden Städten sollle dieser eingedämmt werden.

Abschließend kündigte er an, dass für die nächsten 90 Tage Trägern von Bluejeans der Stadionzutritt verwehrt werden sollte. Denn eine Untersuchung „abhängiger Experten“ habe ergeben, dass die Straftaten rund um die Heimspiele von Rot-Weiß Essen, größtenteils von Bluejeans-Trägern verübt worden waren.

Die Auflösung durch Christian Tombeil, Intendant des Schauspiel Essen, und dem Vereins-Präsidenten Michael Welling war am Ende angesichts der Absurdität der Pressekonferenz fast überflüssig.

„Natürlich entlarvt sich eine solche Pressekonferenz schnell als Persiflage und die anwesenden Journalisten haben dies auch mit einem verständnisvollen Schmunzeln aufgenommen. Ob dies auf der Pressekonferenz von Sean Spicer nach der Inauguration von Donald Trump als neuen amerikanischen Präsidenten mit gleicher Leichtigkeit aufgenommen werden konnte, darf bezweifelt werden. Umso mehr gefiel uns der Gedanke, eine Pressekonferenz mal in dieser Form aufzuziehen und wir freuen uns, dass dies bei Rot-Weiss Essen möglich war“, so Tombeil.

Der Verein und das Ensemble wollten mit der Aktion ein Statement für die Pressefreiheit setzen. Auch über Rot-Weiss Essen werde manchmal kritisch oder gar negativ berichtet, worüber man sich im Verein durchaus ärgere: „Aber dies immer geprägt von Fairness, Respekt und hoher Wertschätzung gegenüber den Vertretern der Presse“, so Welling.

Die Pressefreiheit sei ein Eckpfeiler der Demokratie und hat in der Gesellschaft die elementare Funktion, die Regierenden zu kontrollieren. Welling sagt weiter: „Wenn Fakten nicht nur anders interpretiert werden, sondern versucht wird, diese mit falschen Informationen zu widerlegen, dann ist eine Grenze überschritten und genau das wollten wir am heutigen Mittwoch herausstellen.“

Sehen Sie hier die gesamte Pressekonferenz:

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erstellt am 03.Feb.2017 | 13:25 Uhr

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