Ritter - der letzte Kieler Nationalspieler

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01. März 2010, 09:05 Uhr

13 Nationalspieler hat die KSV Holstein in ihrer Geschichte. 1985 starb der letzte von Ihnen: Oskar Ritter, ein dribbelstarker Sturmtank aus dem Arbeiterlager.

Er war der letzte in einer imposanten Reihe von Nationalspielern, die Holstein Kiel in seiner Geschichte hervorgebracht hat. Am 5. März 1985 schloss Oskar Ritter als letzter der 13 Holstein-Auswahlspieler aus der Ära 1910 bis 1931 für immer die Augen.

Obwohl Ritter kein gebürtiger Kieler war, hatte sein Name einen hervorragenden Klang in der schleswig-holsteinischen Fußballgemeinde. 1901 in Hamburg geboren, begann der Offensivspieler beim Altonaer Arbeiterklub Komet mit dem Fußball. Komet war in den 1920er Jahren eine der führenden Mannschaften im deutschen Arbeiterfußball. Mit Erwin Seeler gehörte dem Klub auch der Vater von Uwe Seeler an.

Im April 1923 kam Ritter nach Kiel und schloss sich der KSV Holstein an. Für den Mann aus der Arbeitersportbewegung war der Wechsel zur bürgerlichen KSV ein großer Schritt. Vor seinem Debüt am 15. April 1923 beim 5:1 gegen Union 03 Altona hatte es allerdings ein tüchtiges Gerangel mehrerer Kieler Klubs um den talentierten Mittelstürmer gegeben, in dem die wohlhabenden Störche die besten (finanziellen... ) Argumente gehabt hatten.

Für Holstein Kiel erwies sich der torgefährliche Offensivspieler als die erhoffte Verstärkung, und auch beim DFB wurde man rasch aufmerksam auf den Dribbelkünstler aus dem Arbeiterlager. Am 21. Juni 1925 debütierte Oskar Ritter beim 0:1 in Stockholm in der deutschen Nationalmannschaft. Allerdings war es lediglich eine bessere B-Auswahl, die in den Norden reiste, denn die spielstarken Akteure des 1. FC Nürnberg und der SpVgg Fürth fehlten. Für Ritter blieb es bei einem Länderspiel. Obwohl der Kieler eine überzeugende Partie ablieferte, wurde er nicht noch einmal in die Adlerelf berufen. Mit "Tull" Harder (HSV) stand ein Ausnahmefußballer auf seiner Position, an der es kein Vorbeikommen gab.

Statt dessen feierte Ritter mit Holstein Kiel große Erfolge. 1930 erreichten die Störche die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft und verzauberten mit ihrem Spiel ganz Fußball-Deutschland. Nachdem die KSV in der Vorrunde bereits den VfB Leipzig ausgeschaltet hatte, traf sie im Viertelfinale auf den Süddeutschen Meister Eintracht Frankfurt. Auf neutralem Platz in Berlin-Tempelhof entwickelte sich ein denkwürdiges Spiel, das Außenseiter Holstein Kiel mit 4:2 für sich entschied. Der Favorit aus der Bankenmetropole wusste gar, nicht wie ihm geschah, als Oskar Ritter in der 82. Minute beim Stand von 3:1 für die KSV über das halbe Spielfeld spazierte und sein Solo mit dem 4:1 und damit der endgültigen Entscheidung abschloss. "Ach, wie wars für Eintracht bitter, dass das vierte Tor schoss Ritter...". stimmten die Holstein-Fans spontan an.

Und doch bleibt das Jahr 1930 für Oskar Ritter in tragischer Erinnerung. Nachdem die KSV im Halbfinale auch den Dresdner SC aus dem Weg geräumt hatte, traf sie im Finale im Düsseldorfer Rheinstadion auf Hertha BSC. 40.000 Zuschauer sahen ein dramatisches Duell. Nachdem die KSV bereits mit 2:0 in Führung gelegen hatte, gelang der Hertha die Wende, und in der 68. Minute gingen die Berliner durch Lehmann sogar mit 4:3 in Führung. Zünglein an der Waage war Schiedsrichter Willi Guyenz, der den Kieler Spielmacher Johannes Ludwig wenig später des Feldes verwies, weil Ludwig gemeckert haben soll. Eine Meinung, die Guyenz exklusiv hatte. Nur 120 Sekunden nach der umstrittenen Entscheidung schnappte sich Oskar Ritter stinkwütend das Leder und erzielte den erneuten Ausgleich. Doch es gab kein Happyend. Drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit traf Ruch zum 5:4 für Berlin, und wie schon 1910 ging Holstein Kiel, der Deutsche Meister von 1912, in seinem dritten Endspiel um die Meisterschaft als knapper Verlierer vom Platz.

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