DFB-Elf : Philipp Lahm tritt aus Nationalmannschaft zurück

Der Kapitän der DFB-Nationalmannschaft tritt überraschend, aber „in völliger Harmonie“ aus dem Team zurück. Fünf Tage nach dem WM-Sieg in Brasilien. Künftig wird Philipp Lahm nur noch für seinen aktuellen Club, den FC Bayern München, antreten.

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18. Juli 2014, 10:35 Uhr

Kapitän Philipp Lahm ist überraschend aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurückgetreten. Das erklärte der Berater des 30-Jährigen fünf Tage nach dem WM-Titel von Brasilien am Freitag und bestätigte damit einen entsprechenden „Bild“-Bericht. Lahm wird künftig nur noch für seinen Klub Bayern München antreten, wo er einen Vertrag bis 2018 hat.

Philipp Lahm verlässt die Nationalmannschaft „in völliger Harmonie“. Das sagte der 30 Jahre alte Bayern-Profi am Freitag der „Sport Bild“. In einer persönlichen Erklärung auf der Homepage des DFB bedankte sich Lahm „für eine wunderbare Zeit“ und betonte: „Ich bin glücklich und dankbar, dass mein Karriereende in der Nationalmannschaft mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Brasilien zusammenfällt.“ Er habe den Entschluss zurückzutreten schon während der vergangenen Saison gefasst, erklärte der Kapitän fünf Tage nach dem Gewinn des WM-Titels durch den 1:0-Sieg nach Verlängerung gegen Argentinien.

Bundestrainer Joachim Löw wusste nach Angaben des Kapitäns bereits einen Tag nach dem größten Triumph des 30-Jährigen mit dem WM-Titel in Brasilien Bescheid. „Ich habe bereits am Montag Jogi Löw mitgeteilt, dass ich aus der Nationalmannschaft zurücktreten werde. Dieser Entschluss ist in mir während der letzten Saison gereift“, zitierte ihn die „Bild“-Zeitung.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist erst am Freitagmorgen von Philipp Lahm über dessen Rücktritt aus der Nationalmannschaft informiert worden. „Ich habe in dem Gespräch sehr schnell gemerkt, dass es aussichtslos ist, ihm seine Entscheidung ausreden zu wollen“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes auf der Verbands-Homepage und ergänzte: „Er war in den zehn Jahren bei der Nationalmannschaft nicht nur ein herausragender Spieler, sondern immer ein absolutes Vorbild. Ich habe ihm für all das gedankt, was er für den DFB geleistet hat.“

Fußball-Idol Uwe Seeler hatte Lahms Rücktritt nicht erwartet. „Das kommt für mich überraschend, wahrscheinlich sogar für alle. Für das deutsche Team ist das sicher ein großer Verlust“, sagte der Ehrenspielführer der DFB-Auswahl am Freitag. Der 77 Jahre alte Ex-Nationalspieler des Hamburger SV betonte, er kenne die Beweggründe des Münchners nicht, aber man müsse dessen Entscheidung akzeptieren. „Na ja, er hat jetzt den WM-Titel. Mehr kann er als Fußballer ja nicht erreichen“, meinte der Norderstedter.

Trotzdem ist „Uns Uwe“ um die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw nicht bange. „Gott sei Dank haben wir in Deutschland viele gute Nachwuchsleute, das hat ja gerade die Weltmeisterschaft in Brasilien gezeigt. Ich hoffe, dass man die Lücke schließen kann“, ergänzte Seeler. Bei der am Sonntag mit dem 1:0-Endspielsieg über Argentinien zu Ende gegangenen WM-Endrunde hatte die von Lahm angeführte Elf des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach 1954, 1974 und 1990 ihren vierten WM-Titel gewonnen.

Das sieht Karl-Heinz Rummenigge anders: Lahms Entscheidung werde die deutsche Auswahl vor Probleme stellen. „Es gibt kaum einen besseren Abschied, als als Weltmeister auf dem Höhepunkt einer Karriere Schluss zu machen“, sagte der Vorstandschef von Fußball-Rekordmeister FC Bayern München am Freitag. „Für die Nationalmannschaft wird es aber nicht einfach, Lahm als Spieler, Mensch und Kapitän zu ersetzen.“

Von einer „überraschenden Nachricht für die Nationalmannschaft und die deutschen Fans“ sprach Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer. Zugleich meinte er aber: „Nur Philipp kann fühlen, ob seine Entscheidung zu diesem Zeitpunkt die richtige ist. Sie nötigt mir auf jeden Fall den allergrößten Respekt ab.“

Für Rudi Völler ist der Rücktritt von Kapitän Philipp Lahm aus der Fußball-Nationalmannschaft unerwartet gekommen. „Das ist sicher eine Überraschung für viele. Philipp Lahm ist ein Spielertyp, dem man von der spielerischen Qualität und der Fitness die nächste WM noch zugetraut hätte“, sagte der frühere DFB-Teamchef im Trainingslager von Bayer Leverkusen in Zell am See. Es sei eine Entscheidung, die mit dem WM-Titelgewinn zusammenhänge. „Mehr geht halt nicht!“, sagte der Bayer-Sportdirektor.

Teamkollege Lukas Podolski hat die gemeinsame Zeit mit Philipp Lahm in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gewürdigt. „Philipp, es war mir eine Ehre mit Dir Seite an Seite zehn Jahre beim DFB und drei Jahre für Bayern München zu fighten, spielen und Erfolge zu feiern“, schrieb der Stürmer bei Facebook.

Simon Rolfes (Kapitän Bayer Leverkusen): “Das ist überraschend. Vielleicht hatte er das Gefühl, nach dem grandiosen Triumph einen würdigen Abschluss zu finden. Er ist lange dabei, das darf man nicht unterschätzen. Jetzt kann er seine ganze Energie für den FC Bayern nutzen - was vielleicht schlecht ist für Bayer Leverkusen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Rolle von Philipp Lahm in der deutschen Nationalmannschaft gewürdigt. „Weltmeister zu werden im Fußball ist sicherlich eine Mannschaftsleistung, aber der Kapitän hat damit auch etwas zu tun“, betonte die Regierungschefin am Freitag in Berlin. Merkel sagte, sie wolle die Gelegenheit nutzen, „ihm meinen großen Respekt auszusprechen für das, was er für die Nationalmannschaft getan hat“. Erst am Sonntag hatte die Kanzlerin die deutschen Nationalspieler beim WM-Finale in Rio unterstützt.

Das Endspiel gegen Argentinien (1:0 nach Verlängerung) war Lahms 113. Länderspiel für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und zugleich der Höhepunkt in der internationalen Karriere des erfolgreichen FC-Bayern-Profis.

Lahm hatte am 18. Februar 2004 bei einem 2:1-Sieg in Kroatien debütiert. In seiner mehr als zehnjährigen Länderspiel-Laufbahn gelangen dem Defensivakteur fünf Tore, das berühmteste davon war wohl der erste Treffer beim 4:2 im Auftaktspiel der WM 2006 gegen Costa Rica.

Lahm hatte zusammen mit der Mannschaft noch am Dienstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin den vierten WM-Titel für Deutschland gefeiert. „Vielleicht wird mir das erst in ein paar Tagen gelingen, vielleicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Vielleicht dauert es auch ein paar Jahre, bis mir die Bedeutung dieses Titels wirklich bewusst wird“, sagte Lahm zuletzt in einem Interview des Magazins „Stern“.

Der Abwehr- und defensive Mittelfeldspieler hatte schon 2006 zu den Leistungsträgern und Mitgaranten des Sommermärchens bei der WM in Deutschland gezählt. 2010 in Südafrika und jüngst in Brasilien führte er die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw als Kapitän aufs Feld.

Seine Zukunft beim FC Bayern hatte der gebürtige Münchner bereits vor dem Abflug nach Südamerika geklärt, als er seinen Kontrakt vorzeitig bis 2018 verlängerte. Lahm erklärte dabei auch, seine Vereinskarriere beim deutschen Rekordmeister beenden zu wollen.

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