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Bundesliga-Kolumne : Null-Nummer, Krisen-Gespräche, Seil-Schaften

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Freundschaftsspiele sind nichts mehr wert. Beim Spiel gegen England ließ Jogi Löw viele Stammspieler pausieren. Zum Einschlafen, findet Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2017 | 09:43 Uhr

Wie sich die Zeiten ändern: Es war im April 1972, als Deutschland zu einem Freundschaftsspiel ins Wembley-Stadion nach London reiste. Was folgte, war der erste Sieg einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf englischem Boden gegen die Elf des Gastgebers. 3:1 für Deutschland, die Tore erzielten Uli Hoeneß, Gerd Müller und Günter Netzer per Strafstoß. Es war Netzers bestes Länderspiel überhaupt. Es war das beste Spiel einer deutschen Nationalelf in England. Die Fußball-Welt schwärmte. Über ein Freundschaftsspiel mit tollem Fußball. Es war die Zeit, als sich Nationalteams in diesen Testspielen in Form brachten. Wenige Monate später feierte Deutschland seinen ersten Europameister-Titel in Belgien, zwei Jahre später den WM-Titel im Endspiel gegen Holland in München.

Gut vier Jahrzehnte später sind diese Freundschaftsspiele nichts mehr wert. Wie am Freitagabend im Wembley-Stadion der Neuzeit. Eine Nullnummer der ganz schlechten Art, langweilig, zum Einschlafen. Passend zur Abendzeit. England spielte mit einer B-Elf und auch Jogi Löw ließ einige Stammakteure pausieren. Abwehrchef Mats Hummels konnte es sich gar erlauben, vor dem Anpfiff mit einer Schere Löcher ins Leder seiner Fußballschuhe zu schneiden. Um geschwollenen Füße zu schonen. Nach dem Schlusspfiff sprach Löw von „wichtigen Erkenntnissen“. Es bleibt allein sein Geheimnis, um welche Erkenntnisse es sich handeln könnte.

Begegnungen dieser Art haben kaum noch sportlichen Wert, sie müssen gespielt werden, weil die Verbände damit Geld verdienen. Da überrascht es schon gar nicht, dass für die Partie am Dienstag gegen Frankreich in Köln bislang nicht einmal 30.000 Karten abgesetzt werden konnten.

Nord-Dilemma

In Hannover will eine Opposition Vereinschef Martin Kind stürzen. Proteste gegen die Alleinherrschaft des Hörgeräte-Unternehmers. Ein erster Vorstoß scheiterte allerdings vor Gericht. In Hamburg sollte am Sonntagabend ein Krisengipfel zum Thema Kühne und zur umstrittenen Besetzung des neuen HSV-Aufsichtsrates stattfinden. Jens Meier, Vorsitzender des Gesamtvereins und von Berufs wegen Hafenchef, wurde bereits von Wirtschaftssenator Frank Horch abgemahnt: Meier solle sich erst einmal um seinen Hauptjob kümmern, bevor er auch noch für den Aufsichtsrat kandidiere. Das saß.

In Wolfsburg sieht Volkswagen seine rund hundert Millionen Euro Unterstützung pro Saison nur ungenügend refinanziert, spielt doch der VfL zumeist nur remis. Und im beschaulichen Bremen lässt Sportchef Frank Baumann mit merkwürdigen Formulierungen Tür und Tor offen, wie es in der Trainer-Angelegenheit weiter geht. Der noch geduldete Übergangs-Übungsleiter Florian Kohfeldt versucht es mit gespieltem Selbstbewusstsein: „Wir gewinnen am Sonntag gegen Hannover.“ Sollte das gelingen, darf er wohl bis Weihnachten auf der Trainerbank verweilen. Theater an der Weser.

Schiri-Schelte

Ex-Fifa-Schiedsrichter Urs Meier hat im ZDF-Sportstudio Tacheles geredet. Der DFB arbeite sein Schiedsrichterproblem nicht auf und fördere Seilschaften. Eben jener Vorwurf, mit dem Schiri Manuel Gräfe den DFB seit Wochen attackiert. Gräfe wurde ruhig gestellt. Ist er es nicht, fliegt er aus der Bundesliga. Jetzt schweigt Gräfe.

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