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Feuerwehrmann : Neururer gibt Job-Vermittler für arbeitslose Profis

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Peter Neururer ist gewissermaßen die Idealbesetzung für ein Proficamp der vertragsfreien Fußballer. In nur 48 Stunden will der 62 Jahre alte Trainer bei der Mini-WM der Spielergewerkschaft VdV nicht nur seine Erfahrung weitergeben, sondern aktive Hilfe leisten.

Die Rolle des Helfers in der Not ist Peter Neururer wie auf den Leib geschrieben. In 619 Spielen als Trainer im deutschen Profifußball mit den Bundesliga-Stationen Bochum oder Köln erwarb sich der mittlerweile 62-Jährige den Ruf eines Feuerwehrmanns.

Zu einer neuen Mission wurde «Peter, der Große» nun von der deutschen Spielergewerkschaft VdV berufen, die ihn als Trainer des 15. Proficamps der vertragsfreien Fußballer am Montag in der Sportschule Wedau in Duisburg offiziell vorstellte.

Und Peter Neururer hatte für die 16 Teilnehmer des Camps auch gleich die mögliche Rettung im Gepäck. «Ein Zweitliga-Verein hat den Wunsch an mich herangetragen, mich doch bitte zu melden, wenn mir ein Spieler auffällt», sagte Neururer, der zudem vom österreichischen  Bundesligisten Sturm Graz um eine Rückmeldung gebeten wurde.

Neururers Einsatz dauert gerade einmal 48 Stunden, wenn er am Dienstag und Mittwoch bei der Mini-EM der vertragsfreien Fußballer einen Blick auf die namenlosen Kandidaten aus der 3. und 4. Liga wirft, ein paar «Trainingsformen» durchführt und für «Spaß» sorgt. Nach den Spielen gegen den Regionalligisten KFC Uerdingen (Dienstag) und den Sieger aus der Begegnung zwischen belgischen und österreichischen Arbeitssuchenden (Mittwoch) kommt Neururer wieder seinen Verpflichtungen nach - als Experte für «Sport1» oder Begleiter von Unternehmen. Das Training übernimmt dann wieder der ehemalige Gladbach-Profi Chiquinho.

Neururer, seit 2014 selbst ohne Trainerjob, betonte, dass er den VdV-Lehrgang nicht als «Perspektive» für sich sehe und keine Eigenwerbung machen wolle, widersprach sich aber: «Die Perspektive sollte durch meine Vergangenheit gegeben sein. Ich wäre bereit - von daher doch Werbung.»

Wie dem auch sei - für die Arbeitssuchenden und Neururer kann die Kooperation eine Win-Win-Situation sein. Eineinhalb Jahrzehnte bemüht sich VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky, der Ex-Profi Carsten Ramelow als Vize an seiner Seite hat, mit dem Camp um die schwächsten Mitglieder in einem Fußball-Zeitalter mit ausufernden Transfersummen und Jahresgehältern. Mit gutem Erfolg. «2016 konnten fast 90 Prozent der Teilnehmer vermittelt werden», sagte Baranowsky zu der Initiative, die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) unterstützt wird und die auch Ex-Nationalspieler Christian Rahn in den Job zurückbrachte.

Voraussetzung für die Teilnahme ist die VdV-Mitgliedschaft. Teenager Ramirez Howarth (19) von Englands mittlerweile drittklassigem Ex-Meister Blackburn Rovers schloss diese noch kurzfristig ab. Die Camp-Teilnehmer haben Kost und Logis frei und neben dem Training Leistungsdiagnostik oder auch psychologische Betreuung.

Aber auch, und das sieht Baranowsky als genauso wichtig an, Angebote für den Plan B wie Laufbahnberatung. «Irgendwann muss man erkennen, wenn es nicht mehr weitergeht», sagte Baranowsky. Das erkannte auch der einstige Junioren-Nationalspieler Christian Mikolajczak, der 2010 und 2011 am Proficamp teilnahm. «Als ich in Vietnam war, habe ich mir Gedanken gemacht, was ich hier eigentlich mache», sagte der gebürtige Essener der dpa.

Mikolajczak wurde Feuerwehrmann - wohlgemerkt richtiger - und arbeitet bei der Berufsfeuerwehr Oberhausen. «Ich bin glücklicher denn je und habe einen supergeilen Job», sagte der 36-Jährige, dessen Weg in der Film-Dokumentation «Zweikämpfer» festgehalten wurde. Und Mikolajczak kann zudem seine Tätigkeit als Fußball-Trainer «ausleben» - mit Erfolg: Mikolajczak führte den VfB Speldorf aus Mülheim/Ruhr in die Oberliga.

Spielergewerkschaft VdV

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erstellt am 10.Jul.2017 | 16:48 Uhr

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