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In Stadien und drumherum : Neun Eskalationen zum Saisonstart: Die Gewalt hat den Fußball erfasst

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Aus der Onlineredaktion

Massenschlägereien, Wurfgeschosse, Randale und ein verprügelter Spieler: Die Gewalt im Fußball nimmt offensichtlich zu. Neun Fälle aus einer jungen Saison.

Frankfurt | Immer wieder kommt es bei Fußballspielen zu Gewalt – meist zwischen bestimmten Fangruppen und Polizisten. Die Rivalitäten sind strikt. Es wird dem Gegner lauthals der Tod gewünscht und mit der Faust gedroht. Manche Fangruppen bewegen sich auch bei unterklassigen Duellen nur noch unter Polizeigeleit vom Bahnhof zur Spielstätte. Und verbotene Pyrotechnik wird weiter ohne Rücksicht abgefeuert.

Die Hass-Atmosphäre im Stadion überträgt sich auf alle Beteiligten, bis sie irgendwann eskaliert. Das ist nicht Neues, doch die Spirale der Gewalt im Umfeld des Fußballs hat sich allem Anschein nach weitergedreht. Die momentan sichtbare Tendenz lässt jedenfalls Schlimmes erwarten. Die Innenminister der Länder sind in Alarmbereitschaft. Sie wollen die Polizeieinsätze umgestalten und ziehen dabei auch eine Reduzierung der Kartenkontingente für Auswärtsfans in Betracht.

So wie die alte Spielzeit mit Randale endete, wurde die neue mit ebensolcher eingeläutet. Als sich die Mannschaften der ersten vier Ligen noch in der Vorbereitung befanden, ereigneten sich schon eine Reihe von Fällen der Gewalt. Ein Rückblick auf die letzten Wochen.

 

Vermummte Randale bei Testspiel

Ende Juli kommt es zu Gewaltexzessen bei einem Testspiel von Eintracht Frankfurt in Österreich. Fans der Eintracht und Leeds United gehen nach dem Spiel aufeinander los. Unter den brutalen Schlägern befinden sich auch Vermummte. Nach der brutalen Jagd müssen einige Verletzte vom Spielfeld getragen werden. Die Polizei setzt Hunde ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Laut englischen Medien hatten die Frankfurter Fans versucht, ein Leeds-Banner herunterzureißen. Mehrere Rowdies wurden festgenommen.

 

Schuss auf den Hertha-Bus

Ein Motorradfahrer überholt vor dem DFB-Pokalspiel bei Arminia Bielefeld den Mannschaftsbus von Hertha BSC, droht mit der Faust und feuert einen Schuss ab. Zum Zeitpunkt des Anschlages befindet sich der Busfahrer alleine an Bord. Er ist auf dem Weg, die Mannschaft vom Bahnhof abzuholen. Die Hertha zeigt die beschossene Windschutzscheibe bei Twitter: Das Einschussloch befindet sich etwa auf Kopfhöhe des Fahrers. Das Projektil schlägt aber nicht durch. „Das war ein Anschlag auf Leib und Leben und ist kein Kavaliersdelikt. Das ist schlicht Wahnsinn“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz anschließend zu „Sport1“. Es kommt niemand körperlich zu Schaden. Eine in alle Richtungen arbeitende, sechsköpfige Ermittlungskommission sucht nach Hinweisen, Zeugen und Tätern.

 

Feuerzeugwurf und Spielabbruch in Osnabrück

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Foto: Imago/foto2press
 

Einen Tag später: In der Parte VfL Osnabrück gegen RB Leipzig heizt sich die Atmosphäre auf. Die Heim-Fans brüllen Hasstiraden gegen die Leipziger Spieler. Auf dem Platz wird ordentlich gegrätscht. Die Trainer feuern das harte Spiel an. Ein zur Torauslinie springender Ersatzspieler verhöhnt Leipzig-Stürmer Davie Selke nach einer vergebenen Chance mit seiner Körpersprache. Die Fans sind angestachelt. Es gibt Eckball. Dinge fliegen auf den Platz, Bierbecher und ein Feuerzeug. Letzteres trifft Schiedsrichter Martin Petersen am Kopf. Dieser kann das Spiel nicht weiter leiten. Es wird dafür gesorgt, dass die Leipziger Spieler das Stadion in Sicherheit verlassen können. Die Zuschauer werden so lange mit der Entscheidung hingehalten, dass das Spiel abgebrochen wird. Obwohl die Niedersachsen 1:0 führen, wird das Spiel für den Gegner gewertet.

 

Massenschlägerei an der A7

 

Auf der Autobahnraststätte Uttrichshausen an der A7 bei Fulda treffen sich auf der Anreise zu ihren Pokalspielen zwei Fanbusse. Das war es dann auch mit dem Gemeinsamkeiten: Es sind etwa 100 Bremer und Wolfsburger Anhänger, dich dann aufeinander losgehen und sich eine Massenschlägerei liefern. Manche der Randalierer setzen auch Schlagstöcke ein. Mehrere Personen werden verletzt. Bis die Polizei an der Raststätte eintraf, hatten die Fanbusse ihre Fahrt schon wieder fortgesetzt. Sie wurden aber angehalten und die Personalien wurden aufgenommen.

 

Krawall nach Pokalblamage

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Foto: imago/Sebastian Wells
 

Unmittelbar nach dem peinlichen Pokal-Aus beim Viertligisten Carl Zeiss brennen bei einigen Fans des HSV die Sicherungen durch. Nach dem Schlusspfiff klettern sie über die Zäune in den Innenraum des Ernst-Abbe-Sportfelds, die Sicherheitskräfte werden mit Gegenständen beworfen, es kommt Pyrotechnik zum Einsatz. Während des Spiels fliegen bereits Feuerwerkskörper und Rauchbomben aus den Fanblöcken.

Randale in der dritten Liga

 

Anfang August überschatten Fan-Randalen außerhalb der Stadien den Saisonstart der dritten Liga. Anhänger von Dynamo Dresden und Energie Cottbus pöbeln und greifen Personen nach den jeweiligen Auswärtsspielen in Bremen und Würzburg an. Nach Polizeiangaben werden rund um die Partie zwischen den Würzburger Kickers und Dynamo Dresden (1:1) mehrere Menschen verletzt, darunter ein Busfahrer und einige Polizeibeamte. Die Polizei muss mehrfach Pfefferspray gegen gewaltbereite Dynamo-Fans einsetzen. Insgesamt gibt es fünf Festnahmen.

In Bremen werden 43 Anhänger von Energie Cottbus vorläufig festgenommen, nachdem es vor dem Spiel gegen Werders Reserve (2:0) zu Provokationen und Beschimpfungen gekommen ist. Dutzende Cottbus-Fans randalieren und greifen nach Polizeiangaben einen Koran-Verteilstand an. Schon auf dem Bahnhof sei es nach der Ankunft der etwa 100 teils stark alkoholisierten Fans zu Provokationen und Beschimpfungen gekommen, so die Polizei.

 

Wurfattacken im Biergarten

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Foto: imago/Westermann
 

Das Verhältnis der großen Münchner Fußballclubs war noch nie das Beste. Auch wenn die Clubs nur noch in der Regionalliga aufeinander treffen, ist die Alarmstufe bei den Derbys immer hoch. Schon während des Spiels FC Bayern München II und dem TSV 1860 München II am 2. August wird Pyrotechnik gezündet. Am Rande des Fußballs kommt es in einem Biergarten zu Krawallen, wobei Flaschen und Gläser geworfen werden. 900 Polizisten sind im Einsatz und verhindern Schlimmeres. Es kommt zu Festnahmen, von etwa 82 Personen werden die Personalien aufgenommen.

 

Lübecker Spieler von Kieler Fans verprügelt

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Foto: imago/objectivo

Hunderte Polizisten sind im Einsatz, wenn das Landesderby zwischen Holstein Kiel und dem VfB Lübeck ansteht. Laut Bericht der „Lübecker Nachrichten“ hat die enorme Rivalität der Fangruppen offenbar weiteren Schub bekommen. Vergangenen Dienstag wird auf einen Spieler der Lübecker, Christopher Kramer, von rivalisierenden Holstein-Fans in einem Billard-Salon in Kiel brutal eingeschlagen. Kramer erleidet einen Cut über dem linken Auge. Der Stürmer spielte in der Jugend für Holstein Kiel und wechselte in diesem Sommer vom VfR Neumünster in die Hansestadt. Im Landespokal-Finale hatte er das 1:0-Siegtor gegen Holstein Kiel geschossen.

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erstellt am 19.Aug.2015 | 16:48 Uhr

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