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Bundesliga-Transfers 2017/18 : Neues vom HSV: Das zähe Warten auf das Ende des Nichts

vom
Aus der Onlineredaktion

Als einziger Profi-Club hält der HSV die Nullnummer auf dem Transfermarkt. Papadopoulos wird wohl nicht bleiben.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 17:49 Uhr

Hamburg | HSV-Sportchef Jens Todt hat unter den Bundesliga-Managern derzeit die strammsten Hosenträger an der Brust kleben. Die ehedem größte Dauer-Lunge der Liga braucht beim Anblick des durch TV-Gelder extrem überhitzten Transfermarktes derzeit ihr ganzes Volumen zum durchatmen. Bei aktueller Finanzlage darf der hochverschuldete HSV nur das investieren, was durch Spielerverkäufe auch hereinkommt. Verkaufskandidaten, darunter Pierre-Michel Lasogga, erweisen sich auf dem Transfermarkt aber als kaum vermittelbar.

Während der Saurier-Club mit seinen Handicaps also spart und schweigt, laufen die Transfer-Prozesse bei anderen Clubs auf Hochtouren. Meister Bayern München tütet mit dem Franzosen Corentin Tolisso gerade den angeblich teuersten Transfer seiner Geschichte (42 Millionen Euro Ablöse) ein, aber das kann kein Maßstab sein. Nur wartet der Bundesligist nach den Abgängen von René Adler, Johan Djourou, Matthias Ostrzolek und Ashton Götz als einziger deutscher Profi-Club noch auf einen ersten Neuzugang. Im vergangenen Sommer hatte es ebenfalls sehr lange gedauert, bis der Kader stand. Es folgte eine desolate Hinrunde.

Todt, der manchmal schon so klingt, als stünde der Kader bereits, setzt diesmal vor allem auf einen guten Saisonstart. „Die Drucksituationen, oft durch Fehlstarts in die Saison entstanden, müssen abnehmen. In einer ruhigeren Atmosphäre kann dann wirklich was erwachsen“, pflichtet ihm Ex-Kapitän Rafael van der Vaart bei. Vergangene Saison dauerte es bis zum Dezember, als am 14. Spieltag der erste Sieg gegen den späteren Absteiger Darmstadt 98 gelang. Es bleibt die Hoffnung, dass man wenigstens spielerisch rechtzeitig aus dem Saft kommt.

Im Club hat sich sogar eine große Skepsis breitgemacht, dass die selbstverständlichste aller Aktionen, der Kauf von Leihgabe Kyriakos Papadopoulos, noch stattfinden kann. Leverkusen beharrt laut „Hamburger Abendblatt“ auf seiner Ablöseforderung – und die liegt bei zehn Millionen Euro. Da braucht es schon einen kühnen Plan. „Wir benötigen keine Wunderdinge und auch keine vermeintlichen Wunderspieler, sondern einen ausgewogenen Kader und realistische Ziele“, sagt der frühere Nationalspieler Todt. Zwei Innenverteidiger, ein Stürmer und ein Torwart müssen aber mindestens her.

Michael Gregoritsch könnte einer der Spieler sein, die den Verein für eine Ablöse verlässt. Der Österreicher war vor zwei Jahren als Wunschkandidat von Dietmar Beiersdorfer an die Elbe gekommen, schaffte den großen Durchbruch zum Stammspieler unter Markus Gisdol bislang aber nicht. Der 23-jährige Stürmer wird wahrscheinlich zu Mainz 05 wechseln, fünf Millionen Euro könnte der HSV bei einem Verkauf des Ex-Bochumers einnehmen. Die Ablösesumme für Gregoritsch würde ein Kauf von U21-Nationalkeeper Julian Pollersbeck (22) vom 1. FC Kaiserslautern komplett vertilgen. Der Zu-Null-König der zweiten Bundesliga gilt als Wunschkandidat Todts, hat aber auch bei vielen anderen Clubs eine Scouting-Akte hinterlassen.

Ein Thema, das seit Jahren in schwierigen Zeiten wieder an die Oberfläche treibt, wurde nun vom Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Udo Bandow aufgewirbelt. Bandow sieht im Kontrollgremium des Bundesligisten, in dem keine Ex-Profis sitzen, kaum Fußballkompetenz. „Um fachliche Entscheidungen über Spielerkäufe und -verkäufe zu treffen, müssen auch Personen im Aufsichtsrat sitzen, die das Fußballgeschäft genau kennen. Diese Kompetenz fehlt dem jetzigen Aufsichtsrat“, sagte Bandow der „Hamburger Morgenpost“ und kritisierte Todts Vorgänger Dietmar Beierdorfer harsch. Er habe nie begriffen, „warum man Spieler wie Diaz, Rincón oder Demirbay für so wenig Geld abgegeben hat“. Der einstige Aufsichtsratschef regt nun an, einen Sportausschuss zu bilden. Darin sollten Persönlichkeiten wie Uwe Seeler, Horst Hrubesch, Holger Hieronymus, Jörg Butt oder Frank Rost vertreten sein.

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