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Vor-WM in Russland 2017 : Team-Portraits und Spielplan: Der Confed Cup 2017 auf einen Blick

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Die fußballfreie Zeit hat einen Lückenfüller: Hier erfahren Sie alles, was Sie zum Confed Cup wissen müssen.

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erstellt am 07.Jun.2017 | 09:51 Uhr

Moskau/Petersburg | Für den Bundestrainer Joachim Löw war der Confed Cup (17. Juni bis 2. Juli 2017) zunächst nicht mehr als „ein gutes Warm-up“ für die Fußball-Weltmeisterschaft ein Jahr später. Inzwischen hat der Ehrgeiz, sich mit den Kontinentalmeistern zu messen den Weltmeister-Coach aber gepackt, wie er im Rahmen des Testspiels gegen Dänemark zugab. Mit sportlichen Zielen und Vorgaben will Löw das ungeliebte Turnier für sein Team dennoch nicht überfrachten. „Es gibt natürlich unterschiedliche Perspektiven. Aber für einige Spieler kann die Teilnahme an einem solchen Turnier wirklich eine gute Chance sein, sich zu präsentieren und sich an ein höheres internationales Niveau heranzuspielen“, sagte Löw zur Aufgabe in Russland.

Mit einem Perspektivkader reist die stark dezimierte deutsche Nationalmannschaft deshalb nach Sotschi, wo am 19. Juni Asienmeister Australien als erster Gegner wartet. Das bunt gemischte Aufgebot beginnt seine Mission erst kurz vor dem Test-Länderspiel am 6. Juni in Kopenhagen gegen Dänemark. „Ab dann wollen wir Dinge für den Confed Cup vorbereiten, Automatismen in unser Spiel bringen“, erklärte Löw. Nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino am 10. Juni in Nürnberg gibt es für die Spieler nochmals zwei Tage frei. Am 15. Juni fliegt der DFB-Tross nach Sotschi. Das ist der deutsche Kader, zu dem sich nach der Absage von Leroy Sané noch ein Offensivspieler gesellen könnte:

Tor

Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Bernd Leno (Bayer Leverkusen), Kevin Trapp (Paris St. Germain)

Abwehr

Jonas Hector (1. FC Köln), Matthias Ginter (Borussia Dortmund), Joshua Kimmich (Bayern München), Benjamin Henrichs (Bayer Leverkusen), Shkodran Mustafi (FC Arsenal), Antonio Rüdiger (AS Rom), Marvin Plattenhardt (Hertha BSC), Niklas Süle (1899 Hoffenheim)

Mittelfeld/Angriff

Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Emre Can (FC Liverpool), Kerem Demirbay (1899 Hoffenheim), Diego Demme (RB Leipzig), Leon Goretzka, Max Meyer (beide Schalke 04), Sebastian Rudy (1899 Hoffenheim), Amin Younes (Ajax Amsterdam), Emre Can (FC Liverpool), Julian Draxler (Paris St. Germain), Timo Werner (RB Leipzig), Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach) und Sandro Wagner (1899 Hoffenheim)

Der Spielplan

Gruppe A: Russland, Neuseeland, Portugal und Mexiko

1. Spieltag

Russland - Neuseeland: Samstag, 17.06., 17.00 Uhr

Portugal - Mexiko: Sonntag, 17.06., 17.00 Uhr


2. Spieltag

Russland - Portugal: Mittwoch, 21.06., 17.00 Uhr

Mexiko - Neuseeland: Mittwoch, 21.06., 20.00 Uhr

3. Spieltag

Mexiko - Russland: Samstag, 24.06., 17.00 Uhr

Neuseeland - Portugal: Samstag, 24.06., 17.00 Uhr

Gruppe B: Chile, Australien, Deutschland, Kamerun

1. Spieltag
Kamerun - Chile: Sonntag, 18.06., 20.00 Uhr

Australien - Deutschland: Montag, 19.06., 17.00 Uhr

2. Spieltag

Kamerun - Australien: Donnerstag, 22.06., 17.00 Uhr

Deutschland - Chile: Donnerstag, 22.06., 20.00 Uhr

3. Spieltag

Chile - Australien: Sonntag, 25.06., 17.00 Uhr

Deutschland - Kamerun: Sonntag, 25.06., 17.00 Uhr

Halbfinale

Sieger Gruppe A - Zweiter Gruppe B: Mittwoch, 28.06, 20.00 Uhr

Sieger Gruppe B - Zweiter Gruppe A: Donnerstag, 29.06., 20.00 Uhr

Finale

Sieger Halbfinale - Sieger Halbfinale: : Sonntag, 02.07., 20.00 Uhr

Die Teilnehmer im Portrait

Ozeanienmeister 2016: Neuseeland

Spitzenfußball ohne die Familie Rufer - das ist in Neuseeland kaum denkbar. Der frühere Bundesliga-Profi Wynton Rufer von Werder Bremen ist der wohl beste Spieler in der Fußball-Geschichte dieses rugby-verrückten Landes. Sein erst 20 Jahre junger Neffe Alex Rufer gehört zumindest zum erweiterten Kreis jener Spieler, die Neuseeland beim Confed Cup in Russland vertreten wollen.

Weitere namhafte Profis sucht man in diesem Aufgebot vergeblich, sieht man einmal von dem kleinen Dribbler Marco Rojas ab, der sich zwischen 2013 und 2015 weder beim VfB Stuttgart noch bei der SpVgg Greuther Fürth durchsetzen konnte. Folgerichtig ist Neuseeland zwar schon zum vierten Mal bei einem Konföderationen-Pokal dabei, hat aber in der Geschichte dieses Wettbewerbs noch nie ein Spiel gewinnen können.

Umso interessanter ist dafür der Lebenslauf des Trainers Anthony Hudson, der sich mit gerade einmal 36 Jahren der jüngste Coach in der Confed-Cup-Historie nennen darf. Sein Vater Alan Hudson spielte früher für den FC Arsenal und den FC Chelsea, er selbst begann mit nur 27 Jahren eine Trainerkarriere in der Zweiten Liga der USA.

Nach einer weiteren Station in Bahrain übernahm er vor drei Jahren die „White Blacks“ und gewann mit ihnen die Ozeanien-Meisterschaft 2016. „Darauf bin ich sehr stolz“, sagte Hudson.

Asienmeister 2015: Australien

Eines seiner größten Spiele erlebte Australiens Fußball-Nationalteam beim Confederations Cup vor 20 Jahren. Im Finale 1997 trafen die Socceroos auf Brasilien - und bekamen eine Lehrstunde. Mit 0:6 ging der ozeanische Vertreter unter. „Romario, Ronaldo, Dunga, Roberto Carlos, Cafu, Denilson - sie waren alle dabei“, schwärmt der damalige Topstar Harry Kewell noch heute vom Duell mit dem damaligen Weltmeister. „Es war phänomenal, gegen diese Mannschaft gespielt zu haben.“ Und auch vom Aufeinandertreffen mit dem aktuellen WM-Titelträger verspricht sich Australiens Trainer Ange Postecoglou einige Lehreffekte.

„Mit Deutschland und Chile weißt du genau, was du bekommst“, sagte der Coach mit Blick auf die Aufgaben in der Gruppenphase. „Es sind schwere Spiele, sie spielen einen aggressiven Fußball.“ In seiner Amtszeit hat der 51-Jährige seit Ende 2013 einen Generationenwechsel eingeleitet, der langsam vor dem Abschluss steht.

Und so musste das junge australische Team bei der WM in Brasilien nach drei Niederlagen direkt wieder die Heimreise antreten, verlor 2014 zehn von elf Partien. Im folgenden Jahr feierte Australien dann aber den ersten Triumph beim Asien-Cup. „Der Confed Cup ist jetzt eine Chance, weitere Erfahrungen zu sammeln. Unser Team ist immer noch in der Entstehungsphase“, sagte Postecoglou.

Als Routinier aus der Generation um Kewell ist im Alter von 37 Jahren aber immer noch Tim Cahill dabei - auch wenn australische Medien schon mehrfach über ein möglicherweise bevorstehendes Karriereende spekulierten. Und der Rekord-Torschütze seines Landes hat neben dem Confed Cup noch weitere große Pläne.

Sollte Australien trotz der schweren Qualifikationsgruppe mit Japan und Saudi-Arabien den Sprung zur Weltmeisterschaft nach Russland schaffen, könnte Cahill der erste Profi seines Landes mit vier WM-Teilnahmen werden.

Europameister 2016: Portugal

Würden Portugals Europameister jede einzelne Auszeichnung und Medaille mit zum Confed Cup nehmen, die sich nach ihrem EM-Triumph vor einem Jahr erhalten haben, dann müssten sie am Flughafen in Lissabon einiges an Übergepäck bezahlen. Cristiano Ronaldo wurde zum Weltfußballer des Jahres gewählt, Nationaltrainer Fernando Santos erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Trás-os-Montes e Alto Douro. Final-Torschütze Eder ist jetzt Ehrenbürger seiner Heimatstadt Coimbra, so ging das über Monate.

Das kleine Portugal hat zum ersten Mal in seiner Fußball-Geschichte einen großen Titel gewonnen und ein weiterer Lohn dafür ist die Teilnahme am Confed Cup in Russland. Die Gruppengegner heißen dort Mexiko, Russland und Neuseeland. Und was die Ambitionen angeht, sind die Portugiesen offenbar auf den Geschmack gekommen: „Die Spieler fliegen mit dem gleichen Ziel nach Russland wie vor einem Jahr zur Europameisterschaft: Wir wollen den Pokal gewinnen“, sagte Santos.

Noch lässt sich nicht endgültig einschätzen, was der EM-Sieg auf Dauer bei diesem Team auslöst: Eher Selbstzufriedenheit oder Hunger auf mehr? Gleich das erste Spiel in der WM-Qualifikation verloren Ronaldo und Co. mit 0:2 in der Schweiz. Seitdem laufen sie den Schweizern auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2018 hinterher. Ende März gab es zudem gegen Schweden eine 2:3-Testspiel-Niederlage nach einer 2:0-Führung. „Ich bin wütend über dieses Spiel“, sagte Santos danach.

Der 62-Jährige hat mehrmals deutlich gemacht, dass die EM-Helden bei ihm einen Bonus haben. Aber sollte der bald aufgezehrt sein, kann sich der Trainer immer noch auf Portugals herausragende Qualität im Weltfußball verlassen: Die ständige Ausbildung immer neuer Talente.

Bernardo Silva (AS Monaco) oder João Cancelo (FC Valencia) waren bei der Euro noch nicht dabei. Aber sie stehen mittlerweile bei großen Clubs auf dem Zettel und machen den Stammkräften im Nationalteam Beine. „Wir sind immer noch voll motiviert“, sagte Stürmer Eder.

Der Underdog: Gastgeber Russland

Stanislaw Tschertschessow kennt man aus der Bundesliga noch als Torwart mit buschigem Schnauzbart und trockenem Humor. Von 1993 bis 1995 spielte er für Dynamo Dresden. Mittlerweile hat der 53-Jährige einen der schwierigsten und zugleich spannendsten Jobs im Weltfußball angetreten: Er soll die russische Nationalmannschaft als Gastgeber zunächst beim Confed Cup und dann bei der Weltmeisterschaft 2018 betreuen. Und das, ohne einen wirklich konkurrenzfähigen Kader oder ein paar hoffnungsvolle Talente in der Hinterhand zu haben, die die großen Defizite bis zum Beginn der WM noch ausgleichen könnten.„Wir sind der absolute Außenseiter“, sagte Tschertschessow vor dem Confed Cup. Schon das Überstehen der Vorrunde wäre für die Russen angesichts ihrer Gruppengegner Portugal, Mexiko und Neuseeland gleich zum Auftakt ein Erfolg.

Dieses von vielen nur belächelte Turnier hat aber gerade für die Russen einen hohen Wert. Sie sehen es als wichtige Standortbestimmung ein Jahr vor der WM. „Wir bauen unsere Mannschaft derzeit um, es gibt einige Veränderungen“, erklärte Tschertschessow. „Jetzt können wir uns zum ersten Mal auf dem Niveau von lauter Champions bewähren. Ich möchte, dass wir beim Confed Cup wie ein gefestigtes Team auftreten.

Alle Fans in Russland sollen sich hinter dieser Mannschaft sammeln.“ Das zu erreichen, wird nicht leicht. Denn die Sbornaja hat ihre Anhänger in den vergangenen Jahren stets enttäuscht. Bei der EM 2016 und der WM 2014 schied sie jeweils in der Vorrunde aus. Dabei spielte es keine Rolle, wer gerade auf der Trainerbank saß. Unter dem international renommierten Fabio Capello waren die Russen genauso schlecht wie unter Leonid Sluzki, der als bester einheimischer Coach gilt.

Tschertschessows Ziel ist, ein überaltertes Team Schritt für Schritt zu verjüngen. Dabei gab es zuletzt peinliche Resultate wie ein 3:4 gegen Costa Rica, aber auch aufmunternde wie ein 1:0 gegen Rumänien. „Alles nimmt seinen Gang, aber das braucht seine Zeit“, sagte er.

Copa-América-Sieger 2015: Chile

Arturo Vidal spielt bereits beim FC Bayern München. 37 Millionen Euro überwies der deutsche Meister für den Mittelfeldspieler an Juventus Turin. Alexis Sanchez wechselt vielleicht auch noch zu den Bayern. Der Stürmer des FC Arsenal würde in diesem Fall noch einmal zehn bis 20 Millionen mehr kosten. Wer sich fragt, warum der deutsche Bundestrainer Joachim Löw geradezu ins Schwärmen kommt, wenn man ihn auf den Confed-Cup-Gegner Chile anspricht, der findet die Antwort bei Stars wie Sanchez und Vidal.

Oder Charles Aranguiz von Bayer Leverkusen. Oder Gary Medel von Inter Mailand. „Chile ist in seiner Entwicklung beeindruckend und agiert auf einem taktisch unheimlich hohen Niveau“, sagte Löw der WAZ. „Die spielen sehr intelligent - und das systematisch. Für ein so kleines Land mit 18 Millionen Einwohnern ist das beeindruckend.“ 2015 und 2016 gewann Chile die Copa America. Endspiel-Gegner waren beide Male Argentinien und Lionel Messi. 2016 schlugen die Roja im Viertelfinale den Confed-Cup-Teilnehmer Mexiko mit 7:0.

Nur die WM-Qualifikation verläuft eher wechselhaft. Immerhin ist Chile nach 14 von 18 Spielen wieder Vierter und hat damit gute Chancen, ein Jahr nach dem Confed Cup auch zur WM 2018 nach Russland zu fliegen.

„Wir werden sehen, ob unsere Anstrengungen reichen, um beide Dinge zu erreichen: Zuerst den Konföderationen-Pokal und dann die WM-Qualifikation“, sagte Trainer Juan Antonio Pizzi, der in den 90er-Jahren zunächst unter Jupp Heynckes und Ewald Lienen bei CD Teneriffa spielte und dann zum FC Barcelona ging. Das Ziel für den Confed Cup sei jedoch klar: „Wir treten an, um zu gewinnen.“

Die Generation um Sanchez und Vidal ist die beste in der Geschichte des chilenischen Fußballs. Zu ihren Stärken gehört auch, dass sie sich schon so lange kennen. „Ich habe das Glück, auf eine Gruppe von Spielern zählen zu können, die bereits seit einiger Zeit zusammenarbeiten. Sie wissen, was sie zu tun haben“, sagte Pizzi.

Der chilenische Kader

Claudio Bravo, Mauricio Isla, Enzo Roco, Eugenio Mena, Paulo Díaz, Gary Medel, Francisco Silva, Charles Aranguiz, Felipe Gutiérrez, Arturo Vidal, Pedro Pablo Hernández, Martín Rodríguez, Marcelo Díaz, Alexis Sánchez, Eduardo Vargas, Nicolas Castillo, Edson Puch.

Afrikameister 2017: Kamerun

Die deutsche Kadernominierung für den Confederations Cup dürfte bei Kameruns Ambroise Oyongo für leichte Enttäuschung gesorgt haben. „Möglicherweise stehe ich bald Thomas Müller gegenüber“, schwärmte der Innenverteidiger nach dem Gewinn des Afrika-Cups im Februar. Nun wird Müller wie viele weitere Weltmeister in Russland fehlen, die Vorfreude bei den Unbezähmbaren Löwen auf die große Bühne ist dennoch riesig.

Nach vielen Jahren der internationalen Enttäuschungen herrscht wieder Zuversicht beim WM-Viertelfinalisten von 1990. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften schied Kamerun ohne Punkt bereits in der Vorrunde aus, nach 15 titellosen Jahren feierte das Team von Trainer Hugo Broos in Gabun den fünften Triumph bei der Kontinentalmeisterschaft. „Ich trainiere seit 29 Jahren und hatte noch nie solch eine Gruppe an Spielern“, lobte der belgische Nach-Nachfolger von Volker Finke den Teamgeist.

Die großen Namen fehlen in der jungen Mannschaft, die Zeit von Samuel Eto'o ist lange vorbei. Schalkes Eric-Maxim Choupo-Moting ist nach seiner Knieverletzung nicht dabei, in der Winterpause hatte er freiwillig auf seine Teilnahme am Afrika-Cup verzichtet.

So führen Stürmer Vincent Aboubakar von Besiktas und Lyons Verteidiger Nicolas N'Koulou das Aufgebot an, aus der 2. Bundesliga sind Frank Boya (1860 München), Edgar Salli (1. FC Nürnberg) und Jacques Zoua (1. FC Kaiserslautern) dabei.

In Russland spielt Kamerun im dritten Gruppenspiel gegen Deutschland - dann soll bei der dritten Confed-Cup-Teilnahme noch nicht Schluss sein. „Wenn wir uns für das Halbfinale qualifizieren, spielen wir möglicherweise gegen Portugal mit Cristiano Ronaldo“, erklärt Oyongo.

Ob sich sein ersehntes Duell mit Müller im kommenden Jahr bei der WM in Russland realisiert, ist auch noch offen. In der Qualifikation liegt Kamerun derzeit vier Punkte hinter Nigeria.

Gold-Cup-Sieger Mexiko

Mit der Erfahrung aus dem Confederations Cup will Mexiko seine Misere in den entscheidenden Momenten bei Weltmeisterschaften beenden. Zuletzt glückte 1986 vor eigenem Publikum der Sprung unter die besten acht Teams der Welt, sechsmal in Serie scheiterte El Tri auf der größten Fußball-Bühne im Achtelfinale. „Die beste Vorbereitung auf dieses fünfte, sechste oder siebte Spiel bei einer WM ist der Konkurrenzkampf“, sagte Mexikos kolumbianischer Trainer Juan Carlos Osorio. „Und den bekommt man bei Turnieren wie diesem.“ Durch den Sieg im direkten Duell der Gold-Cup-Sieger mit den USA ist Mexiko zum siebten Mal beim Confed Cup dabei und schließt zu Rekordteilnehmer Brasilien auf. Einmal gelang 1999 zu Hause der Sieg im Konföderationen-Pokal.

Mit Bayer Leverkusens Star Javier Hernandez soll nun ein ähnlicher Coup gelingen. „Das Selbstvertrauen der Mannschaft ist groß. Warum sollten wir also nicht daran denken, es zu gewinnen?“ sagte Kapitän Andrés Guardado vor dem Turnier in Russland. „Dies ist eine gute Möglichkeit zu beweisen, dass Mexiko diesen Qualitätssprung geschafft hat. Beim Konföderationen-Pokal werden wir sehen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind.“

 

Vier Spielorte werden beim Confed-Cup einem Test für die Fußball-WM 2018 unterzogen. Die einstige Zarenstadt St. Petersburg ist mit ihrer neuen Arena Austragungsort für die Eröffnung am 17. Juni und das Finale am 2. Juli.

Städte und Stadien

Spartak in Moskau
Foto:dpa

Gespielt wird beim Confed Cup in Europas größter Stadt im modernen Stadion des Traditionsklubs Spartak, der in diesem Jahr wieder Meister geworden ist. Die wichtigste Arena Moskaus, das Luschniki-Stadion, wird für die WM 2018 noch umgebaut. Einwohner: 12,3 Millionen - Stadion: Spartak (43.000 Plätze) - Spiele: Drei Vorrundenpartien und Spiel um Platz 3.

Kasan Arena
Foto:dpa

Die Hauptstadt der ölreichen Teilrepublik Tatarstan gilt als Beispiel für ein Miteinander der Kulturen - hier stehen Moscheen muslimischer Tataren neben orthodoxen Kirchen christlicher Slawen. Sportliches Aushängeschild der Stadt an der Wolga ist der mehrfache Fußballmeister Rubin, in dessen Stadion gespielt wird. Einwohner: 1,2 Millionen - Stadion: Kasan Arena (45.000 Plätze) - Spiele: Drei Vorrundenpartien und ein Halbfinale.

Fischt-Olympiastadion Sotschi
Foto:dpa

Dank der Olympischen Winterspiele unter Palmen wurde der beliebte Badeort mit subtropischem Klima 2014 weltbekannt. Zudem hat Sotschi eine Formel-1-Rennstrecke. Russische Präsidenten und Politiker schätzen den Kurort am Schwarzen Meer als Feriendomizil. Die deutsche Nationalmannschaft tritt zu zwei Vorrundenspielen in Sotschi an. Einwohner: 400.000 - Stadion: Fischt-Olympiastadion (48.000 Plätze) - Spiele: Drei Vorrundenpartien und ein Halbfinale.

Krestowski-Stadion Petersburg
Foto:dpa

Zar Peter I. gründete die Stadt 1703 als „Fenster nach Europa“ seines Reichs. Hier ergriffen die Kommunisten 1917 die Macht. Zu Sowjetzeiten hieß die Stadt an der Newa Leningrad. Heute ist die Touristenmetropole die zweitgrößte Stadt Russlands. Das Stadtzentrum ist Unesco-Welterbe und wird wegen seiner malerischen Flüsse und Kanäle auch als „Venedig des Nordens“ bezeichnet. Einwohner: 5,2 Millionen - Stadion: Krestowski-Stadion (68.000 Plätze) - Spiele: Drei Vorrundenpartien und Finale.

Für den DFB wäre ein Titelgewinn eine Premiere.

Von Brasilien bis Dänemark: Die Confed-Cup-Sieger der Vergangenheit

1992 in Saudi-Arabien: Argentinien (3:1 gegen Saudi-Arabien, damals König-Fahd-Pokal)

1995 in Saudi-Arabien: Dänemark (2:0 gegen Argentinien, damals König-Fahd-Pokal)

1997 in Saudi-Arabien: Brasilien (6:0 gegen Australien)

1999 in Mexiko: Mexiko (4:3 gegen Brasilien)

2001 in Japan/Südkorea: Frankreich (1:0 gegen Japan)

2003 in Frankreich: Frankreich (1:0 n.V. gegen Kamerun)

2005 in Deutschland: Brasilien (4:1 gegen Argentinien)

2009 in Südafrika: Brasilien (3:2 gegen USA)

2013 in Brasilien: Brasilien (3:0 gegen Spanien)

Die Sicherheitssituation

Hintergrund: Russland und die Sicherheits-Offensive

Überall im Stadtbild Moskaus finden sich Logos von FIFA und Weltmeisterschaft. Russland sei bestens vorbereitet auf den Confed Cup, wird Verbandspräsident und Vizeregierungschef Witali Mutko nicht müde zu betonen. Das Turnier des Champions, zu dem auch Weltmeister Deutschland und Europameister Portugal kommen, ist für Russland die Generalprobe für die WM im kommenden Jahr - ein Prestigeprojekt für die Führung der stolzen Sportnation. Es geht um positive Schlagzeilen, weil das Land sonst in den letzten Jahren international eher am Doping-Pranger stand.

Während die Fassaden für das große Turnier stehen, dreht der Kreml in den letzten Tagen vor dem Anpfiff noch an einer zentralen Stellschraube: der Sicherheit. Per Erlass ordnete Präsident Wladimir Putin „verstärkte Sicherheit“ beim Confed Cup und bei der WM 2018 an.

Dazu gehören Einschränkungen für den Verkehr von Bussen an den Spielstädten. Zudem muss etwa jegliche Art von Kundgebung oder Demonstration vom Inlandsgeheimdienst FSB genehmigt werden.

Die russische Öffentlichkeit reagierte kritisch. Selbst diese harten Maßnahmen seien keine Garantie für absolute Sicherheit, schreibt die Zeitung „Wedomosti“. „Doch sie geben Anlass, über eine Einschränkung der Bürgerrechte unter dem Deckmantel der Terrorismus-Prävention zu sprechen“, kommentiert das renommierte Blatt.

Ähnliche Vorkehrungen hatte es trotz Protesten bereits bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 gegeben. Und wie vor drei Jahren werden wieder Zehntausende Sicherheitskräfte mobilisiert, um das Sportfest zu bewachen.

Zwei Sorgen bleiben den Veranstaltern in den letzten Wochen vor dem Anpfiff erhalten: der schleppende Kartenverkauf und der Zustand der wichtigsten Spielstätte in St. Petersburg. Auf Großplakaten in den Straßen machen die Veranstalter verstärkt Werbung für die Tickets. Aus dem Ausland ist die Nachfrage gering.

In der Zenit-Arena von St. Petersburg steigen Auftakt, zwei Gruppenspiele und das Finale. Der aufwendige Bau ist erst spät und mit gewaltigen Kostensteigerungen fertig geworden. Zenit führte genau zwei offizielle Spiele durch, um das Stadion zu testen. Seitdem wird der Boden, die Schwachstelle der Konstruktion, wieder geschont.

 
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