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Löw: Sportdirektor für Elitebereich - Sammer gerüffelt

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erstellt am 28.Mai.2013 | 08:55 Uhr

Berlin (dpa) - Bundestrainer Joachim Löw hat sich in der hitzigen Debatte um den künftigen DFB-Sportdirektor erstmals klar positioniert. «Man sollte sich vielleicht auf den Fußball in unserem Elitebereich konzentrieren», mahnte Löw in Miami.

Damit meint er vor allem die Juniorenauswahlteams unterhalb der A-Nationalelf. «Der Sportdirektor kann gar nicht für alles zuständig sein», erklärte der DFB-Chefcoach. Bislang habe der Sportdirektor im Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine kaum zu bewältigende «Vielzahl von Aufgaben» verantwortet - vom Breitensport über die Trainerausbildung und Jugendarbeit bis hin zu Verbänden «und so weiter».

Mit deftigen Worten hatte zuvor Matthias Sammer mehr Machtfülle für den künftigen Amtsinhaber gefordert und damit seinen früheren Arbeitgeber verärgert. «Wir reden den Bayern auch nicht in deren Organisation und Personal hinein», konterte DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock die Anregungen des Münchner Sportvorstandes.

Sandrock forderte mehr öffentliche Zurückhaltung, auch seitens der Bundesliga: «Ich freue mich, dass so viele kompetente Stimmen sich äußern, was denn da das richtige Profil sei und auf was man denn achten soll. Aber da will ich ihnen schon zurufen, das werden wir schon kompetent und seriös im DFB lösen, da ist die Zuständigkeit.»

Der Nachfolger des als Trainer zum SV Werder Bremen gewechselten Robin Dutt müsse mehr Kompetenzen und Wertschätzung erhalten, hatte Sammer angemahnt. «Einen guten Idioten werden sie sonst nicht mehr finden», fügte der 45-Jährige, der vor Dutt DFB-Sportdirektor war, polemisch hinzu. Sandrock rief Sammer umgehend aus den USA an: «Ich halte die Aussage nicht für gut und habe ihm das auch schon so gesagt.» Er trage sie Sammer aber wegen ihres «super» Verhältnisses nicht nach, sagte Sandrock: «Er ist gefragt worden, und aus der Emotion heraus schießt man auch schon mal über das Ziel hinaus.»

Sandrock versprach zugleich eine überzeugende Lösung. Es gebe schon etwa zehn Bewerbungen. Aber die Kandidatenfrage stehe nicht am Anfang: «Erst einmal Inhalt, Struktur und dann am Ende kommt man zum Personal, also in der Reihenfolge.» Der neue Dutt müsse einer sein, der sportfachliche Kompetenz und Teamfähigkeit habe und - ganz wichtig - «die Loyalität hat, mit uns ein ganzes Stück Strecke zu gehen». Trainererfahrung steht nicht mehr an vorderer Stelle.

Unter Zeitdruck werde sich der Verband nicht setzen lassen, erklärte Sandrock. Das hatte auch die Ligaspitze um Reinhard Rauball und Christian Seifert angemahnt. «Ich plädiere dafür, jetzt keine hektische Entscheidung zu treffen und sich sehr viele Gedanken zu machen, wie das Profil des Sportdirektors künftig aussehen soll», erklärte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Darin ist er sich mit Oliver Bierhoff einig. «Jetzt muss noch genauer beschrieben werden, was diese Stelle beinhaltet», forderte der Nationalmannschaftsmanager. Die Schnittstelle zum Team von Löw hob auch Sandrock ausdrücklich hervor. So wird dessen Assistent Hansi Flick jetzt die U 21-Auswahl im Juni zur EM nach Israel begleiten.

Öffentlich wird sogar infrage gestellt, ob der DFB überhaupt noch einen Sportdirektor benötigt. Diese Diskussion hält Sammer für «Schwachsinn». Im Gegenteil: «Ich glaube, das ist eine der wichtigsten Positionen im deutschen Fußball», urteilte er.

Sammers Nachfolger Dutt fasste hingegen wohl nie so richtig beim DFB Fuß und haderte damit, seine Ideen nicht umsetzen zu können. Nach nicht einmal einem Jahr wechselt er zurück in die Bundesliga nach Bremen. «Ich weiß auch, dass es sich eigentlich nicht schickt, schon nach neun Monaten wieder zu gehen. Aber das Herz von mir gehört auf den Trainingsplatz», rechtfertigte sich Dutt.

Sandrock-Aussagen

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