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Kommentar zu Freshfields-Untersuchungsbericht : Nachspielzeit in der WM-Affäre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch der Untersuchungsbericht zur WM 2006 bringt keine endgültige Klarheit. Es könnte nochmals spannend werden – auch für Franz Beckenbauer, meint Jürgen Muhl.

Irgendwann ist auch das spannendste Fußballspiel beendet. Und wenn nach Verlängerung und Elfmeterschießen. Daran ändern auch im Spiel getroffene Fehlentscheidungen, schauspielerische Einlagen oder auch die brutalsten Fouls nichts. Wenn der Schiedsrichter abpfeift, ist Schluss. Der Schlusspfiff ist eine sogenannte Tatsachenentscheidung.

Und doch wird über so manches Spiel noch Jahrzehnte später gesprochen. Und diskutiert. Wie über das Wembley-Tor 1966. Damals war England die Weltmeisterschaft zugesprochen worden, weil es als Mutterland des Fußballs als ein geeigneter Gastgeber erschien. Damit ist es längst vorbei, wie alle Welt weiß. Heutzutage fließt Geld, in welcher Form, über welche Kanäle auch immer. Alles spricht dafür, dass es auch 2006 so gewesen ist. Doch bewiesen ist es nicht, wie wir seit Freitag wissen. Trotz intensiver Recherche: Gut vier Monate lang haben bis zu 40 Juristen 128.000 elektronische Dokumente und 650 Aktenordner in der Frankfurter DFB-Zentrale untersucht. Und dabei festgestellt, dass vorgesorgt wurde. Auf merkwürdige Art und Weise.

Zahlreiche Unterlagen, ja ganze Akten, sind verschwunden. Somit ist klar, dass führende Verbandsmitarbeiter kriminell gehandelt haben. Die Ermittler der Kanzlei Freshfields haben trotzdem herausgefunden, dass der damalige Beckenbauer-Clan, zu dem auch Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gehörte, die mysteriösen 6,7 Millionen Euro und wohl noch mehr in den Umlauf gebracht hat. Wohin letztlich, das bleibt offen. Beckenbauer sagte daraufhin, er sei überrascht über die gewonnenen Erkenntnisse. Mehr nicht. Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, die einst per Doppelpass mit dem kleinen Zeh des rechten Fußes und erstaunlicher Leichtigkeit den Gegner ins Leere laufen ließ, könnte alle Fragen beantworten. Hätte der Fußball-Kaiser dies beizeiten getan, wäre dem deutschen Fußball ein Riesen-Schaden erspart geblieben. Die Menschen – so ist zu vermuten – hätten es Beckenbauer verziehen. Dazu aber war und ist Deutschlands Fußball-Ikone zu feige. Beckenbauer sehnt den Schlusspfiff herbei.

Den kann es aber derzeit nicht geben. In der Nachspielzeit könnte es noch einmal spannend werden. Auch für Beckenbauer.

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erstellt am 05.Mär.2016 | 10:06 Uhr

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