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Abseits abschaffen? : Nach Til Schweigers Vorschlag: 11+1 andere Ideen zur Rettung des Fußballs

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Abseitsregel sorgt immer wieder für Aufregung. Aber abschaffen? shz.de hat elf andere Vorschläge, um Fußball attraktiver zu machen.

Früher, als Til Schweiger noch ein Junge war, habe er oft im Abseits gestanden - beim Fußball spielen. Das sagte der Schauspieler in der Talkshow „Doppelpass“ am Sonntagabend. Die Expertenrunde, moderiert von Thomas Helmer, analysierte gerade das Bundesligaspiel Dortmund gegen Ingolstadt, bei dem der Schiedsrichter mit einigen strittigen Entscheidungen für Reden gesorgt hatte. Schweiger, ganz fußballfachmännisch aufgelegt, aber eigentlich dort, um seinen neuen Kinofilm zu bewerben, ließ durchblicken, dass er das Abseits beim Fußball schon immer abschaffen wollte. Um das Spiel zu retten. Herr Schweiger, ganz ehrlich: Es gibt bessere Ideen zur Rettung des Fußballs. shz. macht zwölf Vorschläge.

 

1. Schiedsrichter durch Sündenbock ersetzen

Der Schiedsrichter ist immer für einen der Sündenbock.
Der Schiedsrichter ist immer für einen der Sündenbock. Foto: Imago/Laci Perenyi
 

Der Schiedsrichter ist immer Schuld. Wenn eine Mannschaft seinetwegen gewinnt, spricht dieses Team aus gutem Grund nicht über die Leistung des Offiziellen. Dafür aber die Verlierer-Mannschaft. Da war das Zupfen am Trikot auf einmal eine Tätlichkeit, die mit mindestens der Roten Karte hätte bestraft werden müssen. Der Stürmer, der drei Tore geschossen hat, stand auf jeden Fall bei zwei Treffern im Abseits. Und die fünf zu Unrecht nicht gegebenen Elfmeter waren schließlich der endgültige Grund für die Niederlage. Für den Job des Schiedsrichters ist eben nur einer wirklich geschaffen: der Sündenbock.

2. Publikumsjoker bei strittigen Entscheidungen nutzen

Das Publikum könnte befragt werden.
Das Publikum könnte befragt werden. Foto: Imago/Imagebroker
 

Diese Millimeterentscheidungen, die weder der Mann an der Linie, der zwischen Tor und Eckfahne noch der auf dem Platz richtig treffen können, hat meistens nur der Zuschauer richtig gesehen. Er pöbelt lautstark von den Rängen, weil er ja im Recht ist – wie ein schlechter Autofahrer, der zu weit auffährt. Egal. Soll der fünfte Offizielle auf den Rängen doch einfach miteinbezogen und befragt werden, dann ist es immerhin eine Mehrheitsentscheidung und damit richtig. Oder nicht, Til Schweiger?

3. Mit zwei Bällen spielen

Foto: Imago/vm

Lahmes Ballgeschiebe, mauernde Abwehrriegel, Zeitspiel und andere schmierige Taktierereien: Alles, was den Fußball unschön macht, könnte für immer verdammt werden. Man müsste nur einen zweiten Ball ins Spiel nehmen, um dem verkopften Massensport junges Glück einzuflößen. Zwei Tore, zwei Bälle! Jeder, der es einmal ausprobiert hat weiß: Das verspricht packende Zweikämpfe, Spaß, Leidenschaft, Torraumszenen im Minutentakt und Tore, Tore, Tore!

4. Keinmeterpunkt einführen

Der Schütze eines Elfmeters darf sich fortan den Ball dort hinlegen, wo er möchte, also von wo er am besten schießen kann: vom Keinmeterpunkt. Das Leder liegt dann vielleicht direkt auf der Torlinie, nur nicht dahinter, da steht der Tormann, wahrscheinlich unmittelbar über den Ball gebeugt. Vielleicht ist das mit dem Keinmeterpunkt doch nicht so eine gute Idee.

5. Beliebige Kartenwahl

 

Wer kann denn das olle Gelb oder Rot noch aussehen? Wie wäre es dann mal mit Blau oder Orange? Mit Weiß und Schwarz? Mit Beige oder Magenta? Verschiedene Farben stehen für Vielfalt und davon kann ein Spiel, das langweilig geworden sei, doch nur profitieren.

6. Über Bande spielen

Der Einwurf ist doch vollkommen überflüssig.
Der Einwurf ist doch vollkommen überflüssig. Foto: Jonas Güttler
 

Der Ball ist weg, wenn er im Seitenaus landet. Damit er nicht mehr verschwindet, könnte auch über Bande gespielt werden. Das wäre auch umweltfreundlicher. Schließlich würde weiße Farbe gespart, Linien auf dem grünen Feld müssten schließlich nicht mehr eingezeichnet werden. Und durch das über Bande spielen wäre der Fußball wohl um einige skurile Aktionen reicher. 

7. Eckige Bälle und runde Tore entwerfen

Sepp Herberger (rechts) prägte den Satz: „Das Runde muss ins Eckige!“
Sepp Herberger (rechts) prägte den Satz: „Das Runde muss ins Eckige!“ Foto: A009_dpa

Das Runde muss ins Eckige: Diese Faustregel müsste dringend einmal überdacht werden. Aus einem einzigen Grund: Sie galt schon immer. Und für viele ist sie deshalb längst in die Jahre gekommen und reformbedürftig. Weil aber das Spielgerät nicht einfach wegbleiben kann (obwohl Til Schweiger?), könnte es auch eckig werden und dann ins Runde fliegen. Oder müssten dann doch zu viele physikalische Gesetze außer Kraft gesetzt werden? Aber auch das dürfte für Alleskönner Schweiger kein Problem sein.

8. Stadionbier nicht mehr im Stadion verkaufen

 

Wer geht schon ins Stadion und nüchtern wieder hinaus? WER? Ob Freudentaumel, der Frust über eine Niederlage oder der Adrenalinausstoß während des Spiels - zwei Gründe zum Trinken gibt es immer. Weil Fußballfans aber generell kein Bier mögen und den Zapfhahn schmähen wie der Teufel das Weihwasser, muss frisch Gezapftes auch nicht mehr verkauft werden, dann tut's auch Apfelsaft aus dem Tetrapack. Aber Moment. Wenn es kein Bier mehr im Stadion gibt, lässt sich ja auch Til Schweiger nicht mehr blicken. Hmm, schade eigentlich…

9. Fans ausschließen

 

Es ist doch wirklich unfair, dass immer die Heimmannschaft mehr Aufwind hat als der Gegner, weil das Gros im Stadion, das der Heimanhänger, am lautesten ist. Na gut, es gibt Ausnahmen. Die Fans des Vfl Wolfsburg zum Beispiel. Die können in der eigenen Arena auch schon mal in der Unterzahl sein. Aber naturgegeben hat die Heimmannschaft einen Vorteil – wirklich unfair ist das. Es gibt nur eine Lösung: Die eigenen Fans müssen ab sofort draußen bleiben, dann hat sich das mit dem Heimvorteil erledigt und endlich lohnt es sich, die eigene Mannschaft zu Auswärtsspielen zu begleiten.

10. Pfeifkonzerte unterstützen

Jeder sollte eine Pfeiffe tragen - nicht nur der Schiedsrichter.
Jeder sollte eine Pfeiffe tragen - nicht nur der Schiedsrichter.
 

Jeder Spieler sollte eine Trillerpfeife umgehängt bekommen. So kann er sich immer bemerkbar machen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt - also immer. Meckern jedenfalls könnte dann keiner mehr, würde ja keiner mehr hören im gellenden Pfeifkonzert. Ein Punkt für die Fairness.

11. Drei Sekunden Handspiel will erlaubt sein

Der Frauenfußball zeigt es sogar noch besser als Diego Maradona mit der legendären „Hand Gottes“: Ein Handspiel kann zur Kunstform werden, wenn es ungeahndet bleibt. Wenigstens ein Mal pro Spiel sollte man es jeder Mannschaft erlauben, sich der Patschefinger zur Rettung der „Kiste“ zu bedienen.

11+1. Das Abseits beibehalten

Abseits: Schiedsrichster Milorad Maciz gibt das Tor für Manchester United nicht.
Abseits: Schiedsrichster Milorad Maciz gibt das Tor für Manchester United nicht. Foto: Imago/Christian Schroedter
 

Auf vieles könnte im Fußball sicherlich verzichtet werden, nur auf eines nicht: das Abseits. Denn worüber sonst ließe sich sonst noch bestens streiten, warum sonst müsste es eine Talkshow wie „Doppelpass“ geben und Til Schweiger eingeladen werden, als wieder einmal einer der Ersten, der eine alte Idee als seine neue verkaufte.

 

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erstellt am 02.Feb.2016 | 18:01 Uhr

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