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Länderspiel abgesagt : Nach Terroralarm in Hannover: Was bisher bekannt ist

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Wegen eines befürchteten Anschlags wird das Länderspiel abgesagt. Bisher gibt es keine Festnahmen oder Sprengstoff-Funde.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2015 | 06:54 Uhr

Hannover | Nach der Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover wegen Terroralarms will sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Mittwoch zu den Vorfällen äußern. In der Landeshauptstadt, wo der Schock noch nachwirkt, soll außerdem der niedersächsische Tag der Wirtschaft stattfinden. Als einer der Hauptredner wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erwartet.

Das Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden war am Dienstagabend kurz nach dem Einlass abgesagt worden - wegen Angst vor einem Anschlag. Am Freitag war es während der Begegnung von Deutschland bei EM-Gastgeber Frankreich zu schweren Terroranschlägen vor dem Stadion in Saint-Denis sowie in Paris gekommen. 129 Menschen kamen ums Leben. Die Terrormiliz IS hatte sich zu den Anschlägen bekannt.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen kamen die Hinweise von einem ausländischen Geheimdienst. Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe sagte: „Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte.“

Nach Informationen von „Spiegel online“ soll der französische Geheimdienst die Quelle der Information sein. Dies berichtete auch die „Bild“-Zeitung. Zunächst habe es Hinweise gegeben, dass eine Gruppe um einen namentlich bekannten Nordafrikaner einen Anschlag planen könne. Es sei konkret von Sprengmitteln, Sprengstoffgürteln, automatischen Waffen und Sprengsätzen an den Zufahrtswegen die Rede gewesen. Dann habe der französische Geheimdienst auf einen irakischen Schläfer hingewiesen, der einen Anschlag auf das Freundschaftsspiel geplant haben soll.

In der Nacht zum Mittwoch blieb es ruhig in der Stadt. Die Polizei zeigte weiterhin Präsenz. Die Suche nach Verdächtigen ging an zahlreichen Orten weiter. Festnahmen gab es aber bisher nicht. Auch Sprengstoff wurde bislang nicht gefunden.

„Wir sind an verschiedenen Orten im Einsatz“, sagte die Sprecherin der Polizeidirektion Hannover, Martina Stern. Details wollte sie nicht nennen. Seit der Absage des Länderspiels am Dienstagabend habe es mehrere Überprüfungen von verdächtigen Gegenständen gegeben, die sich alle nicht bestätigt hätten.

Nach dem Fund einer Sprengstoff-Attrappe in einem IC sucht die Polizei auch nach dem Mann, der das Paket dort liegen ließ. „Wir werten alles Material aus, das wir haben, und wenn es Videoaufnahmen gibt, dann auch die“, sagte Jörg Ristow, Sprecher der Bundespolizei. Ein Reisender hatte am Abend in dem Zug einen verdächtigen Gegenstand bei der Ankunft in Hannover entdeckt und die Bundespolizei alarmiert. Ein unbekannter Mann soll das Paket auf der Gepäckablage abgelegt haben. Eine Mitreisende habe den Mann darauf aufmerksam gemacht, dass er etwas vergessen habe, als dieser aufstand und ging. Der Unbekannte habe aber nicht darauf reagiert, sondern den Zug verlassen und sei geflüchtet.

Bundespolizisten untersuchten das Paket. Nachdem auch ein Sprengstoffsuchhund angeschlagen habe, seien Entschärfer hinzugezogen worden. Sie fanden beim Röntgen diverse elektronische Bauteile. Bei dem Fund handelte es sich nach Aussagen von Bundespolizeisprecherin Sandra Perlebach um eine gut gemachte Sprengstoff-Attrappe und nicht um eine scharfe Bombe, wie zunächst befürchtet worden war. Der betroffene Zug war auf dem Weg von Hannover über Bremen nach Oldenburg.

In Hannover waren zum Zeitpunkt der Spielabsage gegen 19.15 Uhr kaum Zuschauer im Stadion. Sie wurden per Lautsprecher aufgefordert, den Stadionbereich zu verlassen. Die Evakuierungszone wurde mit Absperrband mit der Aufschrift „Vorsicht Lebensgefahr“ kenntlich gemacht. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Politiker hatten das Spiel besuchen wollen, sie flog zurück nach Berlin.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war zum Zeitpunkt der Absage des Länderspiels gegen die Niederlande noch nicht im Stadion. Die Mannschaft war von ihrem Quartier in Barsinghausen aus zum Stadion gefahren.

Auch Augenzeugen berichteten via Twitter vom Stadion in Hannover.

Auf der Facebookseite, die die Polizei für aktuelle Meldungen eingerichtet hatte, baten die Behörden am Abend, „ohne Panik“ nach Hause zu fahren. „Bitte teilen +++ Bitte teilen +++ Bitte teilen +++Liebe Follower, das Spiel ist soeben abgesagt worden. Bitte begebt euch zügig, aber ohne Panik nach Hause“, schreibt die Polizei am Dienstagabend. Der Original-Post ist mittlerweile entfernt worden.

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