Sport-Kolumne : Miss-Töne, Geld-Spritze, Pokal-Lose

Ilkay Gündogan musste am Freitagabend in Leverkusen damit leben, ausgepfiffen zu werden.
Ilkay Gündogan musste am Freitagabend in Leverkusen damit leben, ausgepfiffen zu werden.

Unruhe im Team kurz vor WM-Start, Möglicher Geldsegen für den HSV und die Hoffnung auf einen Heimsieg in Flensburg.

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11. Juni 2018, 11:39 Uhr

Unruhe im Team: Kosten die Problemfälle Ilkay Gündogan und Mesut Özil am Ende den WM-Titel? Nicht auszuschließen. Wenn schon der Bundestrainer vom Spielfeldrand aus gestikulierend an die Zuschauer appelliert, doch bitteschön zu applaudieren statt zu pfeifen, ist es mit der Konzentration auf das Wesentliche vorbei. Wenn der Manager der Nationalelf die Reporter anblafft, andere Fragen zu stellen, dann ist es nicht weit her mit der Souveränität der sportlichen Leitung. Joachim Löw und Oliver Bierhoff haben die Contenance verloren. Und auch den Überblick, wie es das Verhalten der beiden oberen Repräsentanten des deutschen Fußballs am Freitagabend offenbarte.

Der Deutsche Fußball-Bund im Allgemeinen hat den Kontakt zur eigenen Basis ohnehin längst verloren, nimmt Meinungen aus diesem Kreis nicht ernst, reagiert mit Arroganz und Unbeholfenheit. Beispiel: Özil will in Leverkusen keine Pfiffe gehört haben. Mittelohrentzündung? Wohl eher Arroganz und Ignoranz.

Ein großer Teil des Publikums akzeptiert das Verhalten von Gündogan und Özil nicht – und diese Fans denken so wie Millionen Deutsche, die nicht ins Stadion gehen. Das heißt nichts Gutes mit Blick auf die am Donnerstag beginnende WM. Dazu präsentierte sich die DFB-Elf beim kümmerlichen 2:1 gegen Saudi-Arabien im letzten Test in einer erbärmlichen Form.

Der DFB wäre besser beraten gewesen, nach der Erdogan-Nummer der beiden türkischstämmigen Deutschen eine andere Entscheidung zu treffen. Aus dem Fehlverhalten hätten Konsequenzen gezogen werden müssen. Das wäre ein Zeichen gewesen. So aber reist der noch amtierende Weltmeister als angeschlagener Favorit nach Russland.

Anteilseigner: Wie schnell es doch manchmal geht. Es ist vielleicht ein Vierteljahr her, da zog Milliardär Klaus-Michael Kühne schimpfend über den HSV durch die Lande. Und es wurde über seinen Ausstieg als Geldgeber bei den Hanseaten spekuliert. Ein Gespräch zwischen Kühne und HSV-Trainer Christian Titz hat jetzt quasi über Nacht alles geändert. Kühne will wieder in die Schatulle greifen und frische Millionen in den Volkspark pumpen.

Dies allerdings unter der Bedingung, seinen Anteil an der HSV Fußball AG um bis zu zehn Prozent aufzustocken. Das wären dann rund 30 Prozent. Und der Club wäre in der Hand des Logistik-Unternehmers. Was den neuen Vorstandschef Bernd Hoffmann schnell auf den Plan gerufen hat: Er lehnt eine derart hohe Beteiligung ab. Wozu ohnehin eine Mitgliederentscheidung notwendig wäre. Der Vorstandsvorsitzende will vieles, aber keinen Ausverkauf seines Clubs.

Das ist sicher vernünftig gedacht. Die Frage ist nur, ob sich der HSV eine solche Absage an Kühne finanzpolitisch erlauben kann. Es bleibt auch in Liga zwei spannend beim Hamburger SV.

Durchwachsen: Jubel brandete nach der Pokalauslosung am Freitagabend nicht auf. Weder in Kiel noch in Flensburg. Holstein muss in der 1. Runde zum starken Drittligaaufsteiger 1860 München reisen, der SC Weiche Flensburg 08 hat mit dem Zweitligisten VfL Bochum auch kein Traumlos gezogen. Wobei die Flensburger sich damit trösten, gegen einen solchen Gegner im eigenen Stadion spielen zu dürfen. So bleibt zumindest die Hoffnung auf einen Heimsieg erhalten.

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