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UEFA-Präsident wird 60 : Michel Platini und Co.: Fußballer und ihr Leben nach der Profi-Karriere

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Michel Platini feiert am Sonntag Geburtstag. Nicht nur er machte auch nach der Spieler-Karriere auf sich aufmerksam. Videos erinnern teilweise aber an skurrile Auftritte.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2015 | 09:54 Uhr

Gibt es ein Leben nach dem Kicken? Diese Frage müssen sich alle Fußballer stellen, die ihre Fußballschuhe an den Nagel hängen, um sich mit Anfang oder Mitte 30 neu zu erfinden. Die meisten bleiben dem runden Leder in irgendeiner Form erhalten. Und das oft über Jahrzehnte. Wie Michel Platini. Der wird am Sonntag 60 Jahre alt. In den 1980ern war er einer der besten Spieler der Welt, überzeugte im Dress der Nationalmannschaft genauso wie von Juventus Turin.

Platini blickt aber nicht nur auf eine erfolgreiche aktive Spielerzeit zurück. Als Nationaltrainer betreute er die Franzosen von 1988 bis 1992 – wirklich erfolgreich war er zugegeben nicht. Doch als Funktionär startete er in diesem Jahrtausend durch. Seit 2007 ist er Präsident der UEFA und herrscht somit über den europäischen Fußball. Nach dem Rücktritt von Sepp Blatter als Fifa-Präsident sehen viele den Franzosen als einzig logischen Nachfolger. Ein höheres Amt gibt es als Fußball-Funktionär nicht.

Also, alles Gute, Michel Platini. Es gibt aber auch Ausnahme-Fußballer aus Deutschland, die nach ihrer Profi-Karriere durchaus auf sich aufmerksam machten.

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf zwei Trainer.

Allen voran Franz Beckenbauer. Der 69-Jährige ist der einzige Deutsche, der sowohl als Spieler als auch als Trainer Weltmeister wurde. 1974 gewann er den Titel im eigenen Land, um 16 Jahre später dann den Triumph als Trainer bei der WM in Italien zu feiern. Unvergessen die Szene nach dem Final-Schlusspfiff, als er „mutterseelenallein“ auf dem Rasen umherspazierte (ab der 55. Sekunde):

Einer seiner Spieler damals war Jürgen Klinsmann, heute Coach der USA. Der hat uns 2006 das „Sommermärchen“ als Nationaltrainer bei der WM beschert. In Erinnerung bleibt auch seine Kabinenansprache beim Viertelfinale gegen Argentinien.

Genug trainiert. So mancher Ex-Profi versucht sich als TV-Experte. Vor allem Oliver Kahn und Mehmet Scholl begegnen uns häufig. 2001 gewannen sie mit Bayern München die Champions League. Heute steht der „Titan“ im ZDF für Analysen bereit. Und liefert sich auch manchmal das ein oder andere Wortgefecht – wie mit Ex-Dortmund-Trainer Jürgen Klopp.

Scholl ist Experte in der ARD und durfte auch bei der WM 2014 in Brasilien sein Können beweisen. Und ein Selfie präsentieren.

Nicht alle Karrieren nach der Karriere laufen so ab, wie es sich die Kicker erhofft hatten. In den folgenden Beispielen steckt eine gewisse Tragik, auf unterschiedlichste Weise.

Lothar Matthäus ist eine Legende, gilt weltweit als einer der besten Mittelfeldspieler aller Zeiten. Das kann ihm keiner mehr nehmen. Allerdings hat er sich im Leben danach nicht mit Ruhm bekleckert. Seine Qualität als Trainer, der er wieder gerne wäre, konnte er sogar bereits als Coach Ungarns und Bulgariens unter Beweis stellen. Doch sein Hang zum öffentlichen Ausleben seines Privatlebens brachte ihm nicht nur viel Spott ein, sondern gilt auch als ein Grund dafür, dass ihn kein großer Verein verpflichten will. Matthäus ist das ein oder andere Mal auch als TV-Experte zu sehen. Auch außerhalb Deutschlands, allerdings sorgt er auch da für manch skurrilen Auftritt:

Während sich Lothar Matthäus trotz ausbleibender guter Trainer-Angebote weiterhin ein gutes Leben leisten kann, ist ein anderer Ex-Nationalspieler tatsächlich ganz unten angekommen. Eike Immel war die Nummer 1 im deutschen Tor, stand unter anderem bei der EM 1988 im Kasten. Seit Jahren sorgt er aber nur für Boulevard-Schlagzeilen.

Der frühere Fußball-Nationaltorhüter Eike Immel 2012 im Dortmunder Amtsgericht. Vom Vorwurf, in 78 Fällen Kokain zum Eigenbedarf gekauft zu haben, wurde er aber freigesprochen.
Der frühere Fußball-Nationaltorhüter Eike Immel 2012 im Dortmunder Amtsgericht. Vom Vorwurf, in 78 Fällen Kokain zum Eigenbedarf gekauft zu haben, wurde er aber freigesprochen. Foto: dpa
 

2008 meldete er Insolvenz an. Sein Auftritt im Dschungelcamp bei RTL sorgte bei ihm finanziell auch nicht für Besserung. Anfang Mai machte er wieder auf sich aufmerksam. Wieder einmal mit schlechten Nachrichten. Er ist pleite, schrieb die Bild-Zeitung. Die Schuld gibt Immel unter anderem „falschen Freunden“.

Ob dieser Ex-Fußballer tatsächlich ein tragisches Beispiel ist, wird die Zukunft zeigen: Tim Wiese war schon als Fußballer jemand, der polarisierte. Für Werder-Bremen-Fans ein Held, für andere ein „Proll“. Seit seinem missglückten Engagement bei der TSG Hoffenheim hat er sich vom Fußball abgewandt. Und scheint sich des Öfteren im Fitness-Studio aufzuhalten. Seitdem ist er Zielscheibe einer hämischen Debatte um seine gewaltigen Muskelmassen. Sein Kommentar dazu im TV: „Darüber lache ich eigentlich. Das sind alles vollgefressene Chips-Esser, die zu Hause sitzen und mit 30 immer noch bei der Mutter wohnen und nichts Besseres zu tun haben als irgendwelche dummen Kommentare zu schreiben.“

Aber durchaus möglich, dass der 33-Jährige zum Helden einer ganz anderen Sportart mutiert. Der ehemalige Nationaltorwart sorgte mit einem Auftritt im Herbst 2014 für Aufsehen – als er in Frankfurt in den Wrestling-Ring stieg, um ein bisschen Show zu machen.

Auf jeden Fall Heldenstatus erreicht hat Uli Hoeneß. Er wurde nicht nur als Spieler in den 1970ern mit der Nationalmannschaft Europa- und Weltmeister. Vor allem formte er als Manager aus dem FC Bayern München einen der erfolgreichsten Vereine der Welt, wurde 2009 dessen Präsident. Bekannt ist Hoeneß auch für seine deutlichen Worte – vor allem in den langjährigen Fehden mit Bremens Ex-Manager Willi Lemke und Kölns Ex-Trainer Christoph Daum ab Ende der 1980er Jahre. Wie hoch es zwischen letzterem und Hoeneß herging? Schauen Sie selbst:

Gefühlt ging Hoeneß in allen Duellen immer als Sieger vom Platz, auf allen Ebenen. Doch dann kam der 13. März 2014: Der bis dahin nicht nur von Bayern-Anhängern als „Heiliger“ gefeierte Hoeneß wurde zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt – wegen Steuerhinterziehung. Vor etwa einem Jahr trat er die Haftstrafe im bayerischen Landsberg an. Mittlerweile ist er Freigänger, kann tagsüber seiner Arbeit beim Verein in der Jugendabteilung nachgehen, nachts muss er zurück ins Gefängnis. 

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