Interview mit Sky-Kommentator aus Neumünster : Marcel Meinert: Mit einem Podolski-Tor fing alles an

Seine Stimme kennen viele Fußballfans: Sky-Kommentator Marcel Meinert, hier im Kieler Holstein-Stadion.

Seine Stimme kennen viele Fußballfans: Sky-Kommentator Marcel Meinert, hier im Kieler Holstein-Stadion.

Der 37-Jährige spricht über seinen Traumberuf und emotionale Momente. In Belgrad hielt ihn nichts mehr auf seinem Sitz.

shz.de von
02. März 2017, 11:54 Uhr

Landshut/Neumünster | Marcel Meinert hat einen Traumberuf. Er darf über Fußball reden, und zwar am Mikrofon des TV-Senders Sky. In diesen Tagen feiert er sein „Zehnjähriges“ und blickt auf die stolze Zahl von mehr als 1000 Einsätzen als Kommentator zurück. Als Mitglied der Sky-Bundesliga-Konferenz nahm er 2013 mit dem „Herbert-Award“ seine bisher größte Auszeichnung entgegen. Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) bat den in Neumünster aufgewachsenen Wahl-Landshuter anlässlich seines Jubiläums zu einem Interview. Am Wochenende wird der gebürtige Heider unter anderem in der Münchner Arena die Zweitligapartie (Sonnabend, 13 Uhr) zwischen 1860 München und dem FC St. Pauli kommentieren.

Kostprobe: Marcel Meinert am Mikrofon

Herr Meinert, jedes Kind ist wahrscheinlich früher durch das Wohnzimmer gerannt und hat die Radio-Konferenz mitmoderiert. Wie waren Ihre Anfänge?

Meinert: Ja, genau! Sky hieß damals noch Premiere, und in Berlin waren während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 der Elektronik-Riese Saturn und Premiere auf PR-Tour und haben Nachwuchs-Kommentatoren gesucht.

Wissen Sie noch, was Sie kommentieren sollten?

Na klar. Das werde ich nie vergessen. Es war ein Tor von Lukas Podolski gegen Brasilien aus dem Jahr zuvor beim Confed-Cup. Der Einspieler dauerte genau 35 Sekunden. Ich wurde Tagessieger.

35 Sekunden reichten für den Job?

Nein, ganz so einfach war es nicht. Im Anschluss haben drei Tagessieger im Bundesfinale die Spiele eines Junioren-Turniers in einer Arena kommentiert, bei dem ich Platz zwei hinter Christoph Fetzer, der heute unter anderem für Sport1 arbeitet, erreicht habe. Danach habe ich dann eine Einladung zu einem offiziellen Casting erhalten.

Wie lief dann die „Premiere“ bei Premiere?

Ich habe Mitte Februar 2007 das Zweitligaspiel zwischen der SpVg Unterhaching und den Kickers Offenbach live im Stadion kommentiert. Als die Aufstellungen eingespielt werden sollten, fiel gleich mal die Grafik aus. Das war natürlich ein perfekter Auftakt... Seit diesem Tag gehöre ich fest zum Kommentatoren-Team.

Bestimmt haben Sie in dieser Zeit viel erlebt, welche Anekdoten mögen Sie uns verraten?

Puh, es ist nicht einfach, aus über 1000 Spielen einige auszuwählen. Da waren viele dramatische Spiele in der Bundesliga dabei, emotionale Momente in den Stadien oder auch zahlreiche Champions League-Spiele mit deutscher Beteiligung. In den letzten Jahren habe ich regelmäßig die Zusammenfassung des Champions League-Finals gemacht und stand als Back Up-Kommentator parat, falls es für die Kollegen vor Ort wie Marcel Reif irgendwelche Probleme gibt. Überhaupt muss man häufig improvisieren, spontan und reaktionsschnell sein. 

Wurden Sie schon international eingesetzt?

Die Übertragungen der Premier League oder auch der Europacup-Spiele gehörten ja von Anfang an zu meinem täglichen Brot. Ein Höhepunkt war aber meine Reise nach Serbien zum entscheidenden Europa League-Gruppenspiel des FC Augsburg bei Partizan Belgrad im Dezember 2015. Ausverkauftes Stadion im Stil der 70er-Jahre, heißblütige Fans und Minusgrade. Augsburg lag erst hinten, drehte das Spiel und Sekunden vor dem Ende legte Caiuby per Kopf quer auf Bobadilla, der das 3:1 machte, und Augsburg war weiter! Da hielt mich nichts mehr auf meinem Sitz.

Welche sportlichen Verbindungen gibt es noch nach Schleswig-Holstein, genauer nach Neumünster?

Für den VfR habe ich 2003 in der Regionalliga eine Saison lang als Pressesprecher gearbeitet und bin dann zehn Jahre später zum DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC als Kommentator an die Geerdtsstraße zurückgekehrt. Beim tragischen 2:3 nach Verlängerung habe ich den „Veilchen“ aber ebenso wenig Glück gebracht wie den Störchen der KSV Holstein im August 2016 gegen den VfB Stuttgart (1:2, Anm. d. Red.). Die Pokalspiele in der Heimat sind natürlich immer eine Herzensangelegenheit – ich hoffe, es kommen noch ein paar dazu.

Sie haben viel über Fußball erzählt, welche Steckenpferde gibt es noch?

Natürlich Tennis! Hier darf ich für Sky künftig einige ATP-Turniere kommentieren. In der Vergangenheit war ich bereits bei unseren Wimbledon-Übertragungen im Einsatz – das ist und bleibt immer etwas ganz Spezielles.

Zur Person: Marcel Meinert

Marcel Meinert erblickte in Heide (Dithmarschen) das Licht der Welt, wohnte jedoch seit dem fünften Lebensjahr in Neumünster. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er 1993 als Redakteur bei der Schülerzeitung „Blickpunkt“ an der Immanuel-Kant-Schule, an der er 2000 das Abitur ablegte. Es folgte ein viermonatiges Praktikum bei R.SH, ehe sich ein Volontariat beim Deutschen Tennis Bund (DTB) 2003 in Hamburg anschloss. Außerdem arbeitet er seit 1997 bis heute auch für die Sportredaktion des Holsteinischen Couriers in Neumünster. Der 37-Jährige lebt mit Ehefrau Tina im niederbayerischen Landshut und ist Vater von zwei Kindern.

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