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Fussball-Kolumne : Luxus-Problem, Freund-Schaft, Hinter-Hand

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Löw könnte eigentlich gleich zwei hochkarätige Mannschaften in die WM schicken. Ein Luxusproblem.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 08:24 Uhr

Auf Titelkurs: Erfolgreicher als alle anderen Teams: In beeindruckender Art und Weise hat sich die deutsche Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Russland qualifiziert. Bundestrainer Joachim Löw ist die Mischung mit Spielern aus dem Weltmeister-Team von 2014 und der verjüngten Confed-Cup-Auswahl vom Sommer vollauf gelungen. Geht man die Namensliste durch, hat Löw gar zwei Top-Mannschaften, die er ins WM-Rennen schicken könnte. Da das so nicht möglich ist, wird Löw in der jetzt noch kurzen Zeit von acht Monaten seine erste Wahl finden müssen. Ein Luxusproblem. Was heißt eigentlich Problem? Wohl eher ein wohltuender Arbeitsprozess. Löw wird auch aus dieser personellen Qualifikationsrunde siegreich hervorgehen. Einen Engpass gibt es bei der Qualität der Außenverteidiger. Gegen stärkere Gegner könnten es hier Probleme geben. Da hat Löw noch Nachholbedarf.

Die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft stehen im krassen Gegensatz zu den Leistungen der Bundesligisten in den internationalen Wettbewerben. Bayern, Borussia Dortmund und RB Leipzig in der Champions League bislang enttäuschend. Wie auch Hoffenheim, Köln und Hertha BSC in der Europa League. Zuletzt verloren die Kraichgauer bei einem bulgarischen Club, dessen Namen niemand kennt. Und die Berliner Profis hatten im norwegischen Öresund kein Rezept, wie Halbprofis auszuschalten sind. Das war von den deutschen Vertretern äußerst blamabel.

Es ist nicht auszuschließen, dass sowohl in der Champions League als auch in der Europa League, also im Cup der Verlierer, ein Teil der deutschen Vertreter auf der Strecke bleiben. Und das wäre äußerst peinlich.

Trainer-Legende: Es war vor gut vier Jahren, als Jupp Heynckes den Trainerstuhl bei den Bayern an Pep Guardiola übergeben musste: „Wenn ich sehe, dass Adenauer mit 71 Jahren Bundeskanzler wurde und jetzt unser Papst mit 76 ins Amt eingeführt worden ist, dann habe ich auch das Recht, mit 68 darüber nachzudenken, ob ich noch irgendetwas mache.“ Wohl war. Und doch schlug Heynckes lukrative Angebote aus und zog sich auf seinen Bauernhof vor den Toren Mönchengladbachs zurück.

Jetzt aber kehrt Heynckes im Alter von 72 Jahren auf den Trainerstuhl zurück. Bei seinem Freund, dem Hoeneß Ulrich. Der hat immer wieder seine Freundschaft zu Heynckes betont, in guten und in schlechten Zeiten. So etwas bindet, so etwas hält zusammen. Es spricht für die Bayern, erst einmal auf einen Altmeister zu setzen. Hoeneß wollte Tuchel nicht. Eine weise Entscheidung. Und Julian Nagelsmann muss sich erst einmal in Hoffenheim beweisen. Abwarten, wie es zum Saisonende aussieht. Die Entscheidung pro Heynckes ist von Vernunft geprägt. Daran fehlt es häufig in der Bundesliga.

Ruhe im Volkspark: Was an der Länderspielpause liegt. Ein Wochenende ohne Punktverlust. Und doch sickerte von gut unterrichteten Kreisen durch, dass ein möglicher Kühne-Abschied nicht identisch mit einem Ableben des Hamburger SV ist. Sollte der Milliardär irgendwann die Nase voll haben von der sportlichen Disziplin, Millionen aus dem Fenster zu werfen, stünden ausreichend Ersatz-Investoren bereit, wird kolportiert. So zum Beispiel die Otto-Dynastie. Auch das ist spannend.

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