Fussball-Kolumne : Liga-Rausch, Fehl-Start, Regel-Irrsinn

In seiner Kolumne schreibt Jürgen Muhl über die Entwicklungen in der Sportwelt.

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01. August 2021, 17:34 Uhr

Die zweite Liga hält Wort. Favoritensiege, Dramatik, spielerischer Glanz, tolle Tore. Aber auch Überraschungen – wie der Sieg von Außenseiter Hansa Rostock bei Hannover 96. Sehenswert war der 3:2-Sieg von Werder Bremen in Düsseldorf. Zwei Top-Teams und ein Handelfmeter, der Bremen den Sieg brachte, aber keiner war. Schalke meldet sich mit dem 3:0-Sieg in Kiel zurück, der HSV patzt beim 1:1 im Volkspark gegen Aufsteiger Dresden und St. Pauli bleibt mit vier Punkten oben dran, auch wenn es hätte ein wenig mehr sein dürfen als ein trostloses 0:0 im Erzgebirge.

Der HSV hatte in der vergangenen Saison die ersten fünf Partien gewonnen, der Aufstieg stand in den Augen der Fans so gut wie fest. Ex-Trainer Daniel Thouine wurde gefeiert. Und später – als es nicht mehr lief – gefeuert. Nach dem Sieg auf Schalke gab es reichlich Lobeshymnen auf Tim Walter. Endlich der richtige Trainer, hieß es im Volkspark. Auch HSV-Ikone Uwe Seeler ließ sich von der Euphorie anstecken und sieht im egozentrischen Walter den Heilsbringer. Das mag ja auch noch so kommen, ein Dämpfer war das enttäuschende Remis gegen Dresden nun aber doch. Oder ist es etwa ein gutes Zeichen, wenn die ersten fünf Begegnungen nicht gewonnen werden? Gut möglich in dieser Liga, die vom Spitzen-Rausch bis zum Aufbäumen der vermeintlich schwächeren Clubs ein umfassendes Repertoire zu bieten hat. Sollte sich aus all diesen Details eine spannende Saison entwickeln, könnte diese zweite Liga zum Krösus im deutschen Fußball avancieren.

Fehlstart in Kiel

Tristesse in Kiel. Um Haaresbreite wäre Holstein in die erste Liga aufgestiegen. Drei Matchbälle wurden vergeben – und jetzt? Gibt es zwischen dem jetzigen Fehlstart und dem Nicht-Aufstieg womöglich einen Zusammenhang? Wie auch immer: Es läuft noch nicht rund bei den Kielern, deren Neuzugänge wie Fremdkörper herumlaufen. Wobei es zu früh ist, schon jetzt von Fehleinkäufen zu sprechen.

Über das Gehaltsgefüge in Kiel und Hamburg diskutierten Holstein-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke und HSV-Clubmanager Bernd Wehmeyer vor wenigen Tagen beim „Sylter Strandgespräch“. Schwenke wirft im Fall des von Kiel in den Volkspark gewechselten Jonas Meffert dem HSV eine überhöhte Ausgabenpolitik vor. Meffert erhalte in Hamburg das dreieinhalbfache seiner Kieler Bezüge. Wehmeyer verneint, ohne Zahlen zu nennen. Worauf Schwenke betont, dies wisse er zu „hundert Prozent.“ Und dies nicht nur im Falle Meffert, wie der Kieler Geschäftsführer hinzufügt. Nach der Gesprächsrunde geben sich die Funktionäre die Hand. Das Thema ist beendet.

Zu früh gejubelt

Holsteins Linksaußen Fabian Reese nimmt einen Steilpass auf, läuft rund 30 Meter, flankt in den Innenraum und Steven Skrzybski verkürzt auf 1:2 gegen Schalke. Jubel auf Kieler Seite, auf dem Spielfeld und auf den Rängen. Erst nach dem Treffer hebt der Assistent die Fahne. Abseits. Stimmt. Reese ist bei der Ballannahme im Abseits. Warum kommt der Pfiff nicht sofort und erst 20 Sekunden später? Weil eine Regeländerung es so will. Verrückt. Fußball könnte so einfach sein.

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