zur Navigation springen

EM in den Niederlanden : Leserin-Reaktion zu unserem Frauenfußball-Text: „Abwertend, frauenfeindlich, ein No-go“

vom

Unser Autor findet: Frauenfußball gehört nicht in die Prime Time. Eine Leserin sieht das anders. Hier ist ihre Replik.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 17:49 Uhr

Am 25. Juni haben wir aus Anlass der laufenden Frauenfußballl-EM einen Text veröffentlicht unter der Überschrift: „Frauen sollen Fußball spielen, aber nicht im Fernsehen“. Darin hat unser Autor Laurenz Autzen erklärt, welche persönlichen Frauenfußball-TV-Ereignisse dafür gesorgt haben, dass er der Ansicht ist: Frauenfußball gehört nicht zur Hauptsendezeit ins Fernsehen. Zitat: „... diese penetrante Idee der Fußball- und Fernsehfunktionäre, aus Damenfußball unbedingt ein künstliches Prime-Time-Produkt kneten zu wollen“. Es ging ihm ausdrücklich nicht darum, den Frauenfußball zu verdammen. Zitat: „Ich liebe Fußball und ich liebe Frauen. Das Konglomerat aus beiden möchte ich auch gutheißen.“

Daraufhin gab es viele Reaktionen, die meisten stimmten der Meinung unseres Autos nicht zu. Eine Leserreaktion fanden wir in der Redaktion von shz.de bemerkens- und lesenswert und möchten sie deshalb hier veröffentlichen und zur Diskussion stellen. Der Name der Autorin ist der Redaktion bekannt, sie möchte aber anonym bleiben. Das respektieren wir.

„Frauen sollen Fußball spielen, aber nicht im Fernsehen“

Allein diese Aussage lässt es erscheinen, als würde Herr Autzen mit seinem eher frauenfeindlichen Bild noch im Jahre 1951 leben, anstatt dass es die angebliche Art des Spielens sei.

Ein nächster Punkt ist der Teilsatz: „Gekeife auf dem Platz“! Da würde ich gerne einmal Beispiele zu sehen!
Die Frauen verhalten sich im Spiel oft respektvoller als viele der Männer, sowohl den Spielerinnen als auch den Schiedsrichtern gegenüber. Ebenso geraten sie nicht so oft aneinander, sodass dieses wirklich eine ungerechtfertigte Aussage ist!

Das aufgeführte Bild - Deutschland-Ungarn aus der EM-Qualifikation - mit der provozierenden Unterschrift ist schlichtweg nicht repräsentativ!

Genauso könnte man bei den Männern folgendes Spiel aufführen, das ähnlich repräsentativ ist: Deutschland-San Marino 13:0. Oder was ist mit dem 7:1 gegen Brasilien bei der WM 2014? So ein Ergebnis gab es in den letzten Jahren bei den Frauen nicht.

Dass es nur solche Ergebnisse im Frauenfußball geben würde, ist ganz einfach falsch und um es drastischer zu formulieren, eine Lüge!
Gucken Sie sich bitte einmal die Ergebnisse der letzten EM und WM an, dann werden sie keinen Unterschied zu den Ergebnissen der Männer festellen können. Die häufigsten Ergebnisse der letzten EM (2013) sind hier ein 1:1 und 1:0. Ebenso gehen die Ergebnisse der regulären Spielzeit mit zwei Ausnahmen nicht über ein 3:0 hinaus!

Um es Ihnen zu erleichtern und meine Aussagen zu belegen, hier auch direkt die Links:

Eine weitere Aussage: „Jedenfalls hatten die Spielerinnen nach 120 Minuten so erhebliche Probleme, die nötige Spannung ins Bein zu bekommen, dass die Bälle aufs Tor so butterweiche Flanken wurden, wie ich sie im Spiel gerne gesehen hätte. Die hilflosen Torhüterinnen kamen trotzdem nur einmal an den Ball.“

Auch zu diesem Punkt wurde nicht vernünftig recherchiert. Aus der Statistik geht hervor, dass bei der letzten Frauen-EM insgesamt sechs Elfer (von insgesamt 19 geschossenen) gehalten worden sind. Das entspricht einer Quote von 31,6 Prozent. Verschossen wurde lediglich einer. Und bei den Männern? Dort wurden 4 von 38 Elfern gehalten (Quote: 10,5 %) und 5 verschossen.

Nadine Angerer im WM-Halbfinale 2015 gegen die USA.

Nadine Angerer im WM-Halbfinale 2015 gegen die USA.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Abgesehen davon, dass ein direkter Vergleich nicht zwingend sinnvoll ist, sind das doch einmal Zahlen, die zumindest die These „Die hilflosen Torhüterinnen kamen trotzdem nur einmal an den Ball“ widerlegen. Ganz nebenbei hielt Nadine Angerer auch zwei Elfmeter im letzten Finalspiel.

Ebenso erinnere ich mich an die Szenen, in denen die Männer alle Krämpfe nach 120 Minuten Spielzeit hatten und von den Physios und Ärzten behandelt werden mussten. Es geht also nicht nur den Frauen so, dass ein 120-minütiges Spiel an ihren Kräften zehrt. Natürlich sind die Frauen rein physiologisch nicht in der Lage, die selben Kräfte oder das selbe Tempo aufzubringen, aber das ist in allen Sportarten so und eine bekannte Tatsache. Dennoch sollte deshalb nicht abwertend über Frauenfußball geschrieben werden und auch diese Sportart respektiert werden.

Für Laurenz Autzen, Autor von shz.de, war diese Szene prägend für sein Bild vom Frauenfußball

Ich könnte Ihnen noch viele weitere Beispiele und Tatsachen nennen, aber ich denke, ich habe vermittelt, was ich sagen möchte!

Was das Fernsehprogramm angeht, hat sicher jeder Mensch seine eigenen Vorlieben und es gäbe sicherlich diverse andere Programme, die nichts in der Prime-Time zu suchen haben. Und wenn das alles so furchtbar ist und einem diese Sportart nicht gefällt, dann soll man sie ganz einfach nicht schauen, sondern dann vielleicht doch lieber die angesprochenen Tatort-Wiederholungen. Es gibt ja noch genügend andere Sender, die nicht zeitgleich auch Fußball zeigen. Viele Menschen wollen es jedoch sehen! Und das ist kein Grund, einen derart abwertenden Artikel zu verfassen.

Eventuell war der Artikel gedacht, um zu provozieren, aber in dieser abwertenden Art und Weise ging das eindeutig über das Ziel hinaus! Ich stimme auch den meisten darunter verfassten Kommentaren voll zu. Beispielswiese dieser: „Es kann nicht angehen, dass die Redaktion eines Zeitungsverlages in den Kommentaren ihrer Leser (zu meist ja auch zu Recht) hart eingreift und diese dann auch löscht, einen Artikel der sowas von frauenfeindlich abgefasst, unkommentiert stehen lässt, obwohl sich mehrere Leser hier echauffieren.“

Ich bin wirklich sehr enttäuscht, dass eine Zeitung so etwas veröffentlicht, als Artikel, der somit ja auch die Meinung der SHZ widergibt und nicht beispielsweise als Kommentar, aus dem ersichtlich wird, dass es sich lediglich um eine persönliche Meinung des Verfassers handelt.

Ich überlege ernsthaft, Konsequenzen daraus zu ziehen. Ich bin neu in SH und wollte eigentlich die SHZ abonnieren, anstelle meiner heimatlichen Lokalzeitung. Aber wenn Sie eine Frauen gegenüber abwertende Haltung vertreten, kann ich das nicht gutheißen. Natürlich darf jeder seine Meinung vertreten und eben auch Frauenfußball „doof“ finden, das ist ganz klar. Aber die Art und Weise dieser Berichterstattung sowohl in der abwertenden, frauenfeindlichen Weise als auch in den schlecht (oder gar nicht) recherchierten Fakten sind wirklich ein No-go!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen