Sport-Kolumne von Jürgen Muhl : Kult-Stätte, Staats-Vertrag, Erst-Ligist

Die Torhüter Sepp Maier (li.) und Wolfgang Kleff mit Gerd Müller 1974 im Trainingslager in der Sportschule Malente. Im Juli 1974 gewann die deutsche Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft.

Die Torhüter Sepp Maier (li.) und Wolfgang Kleff mit Gerd Müller 1974 im Trainingslager in der Sportschule Malente. Im Juli 1974 gewann die deutsche Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft.

In seiner Sport-Kolumne schreibt Jürgen Muhl jeden Sonntag über die aktuellen Ereignisse in der Sportwelt.

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23. August 2020, 15:30 Uhr

Malente einst und heute: Bevor der Fünftligist aus dem kleinen Todesfelde den Drittligisten aus Lübeck traf – was in der ARD-Pokal-Konferenzschaltung von immerhin 1,4 Millionen Zuschauern verfolgt wurde – erinnerte der öffentlich-rechtliche TV-Sender an 1974.

Die deutsche Nationalmannschaft hatte sich in der damals noch recht kargen Sportschule Malente auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land vorbereitet. Den damaligen Stars wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Paul Breitner, Uli Hoeneß oder Rainer Bonhoff war es in den nur acht Quadratmeter großen Zimmern derartig langweilig geworden, dass sie eines Nachts über den Zaun sprangen und mit dem geliehenen Pkw eines Nachbarn der Sportschule ins Hamburger Nachtleben flüchteten.

Bundestrainer Helmut Schön drohte am nächsten Morgen mit seinem Rücktritt, blieb dann aber doch und wurde drei Wochen später Weltmeister. Die deutsche Auswahl bezwang im Endspiel von München das damals sehr starke Holland mit 2:1. Danach sprach alle Fußballwelt vom „Geist von Malente“.

Dieser Geist mag es gewesen sein, der im Geisterspiel von Malente den wackeren Todesfeldern beigestanden haben mag. Wie in der Schlussphase, als der große Favorit VfB Lübeck fast nur noch auf das Tor des Oberligisten spielte, letztlich aber scheiterte. So war die Sensation im heutigen „Uwe Seeler-Fußballpark“, der sich im Eigentum des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes befindet, perfekt.

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Idol Uwe Seeler steht als Gegenleistung für die Namensgebung auf Lebenszeit ein Zimmer in der Sportschule zur Verfügung. Immer in der Größe von damals.

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TV für alle

Das war eine gute Nachricht auch für all jene Fußballfreunde, die nicht die Bezahlsender Sky und DAZN abonniert haben. Das ZDF muss am Sonntagabend das Champions League-Finale zwischen Paris Saint Germain und dem FC Bayern München übertragen – ob es will oder nicht.

Nach dem Rundfunk-Staatsvertrag müssen Großereignisse “von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung“ für jedermann zugänglich sein. Dazu gehören “Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaften im Fußball bei deutscher Beteiligung“.

Und da Bayern immer noch zu Deutschland gehört, musste das ZDF einige Millionen Euro hinblättern, um sich die Zusatzrechte auf die Schnelle zu sichern. Hin und wieder erweist sich der Rundfunk-Staatsvertrag eben doch als hilfreich für die Bevölkerung. Und als Quotenbringer – in diesem Fall für das ZDF. Eine Wiederholung – wie in diesen Corona-Zeiten üblich – wird es also nicht, was Sie am späten Sonntagabend zu sehen bekommen.

Rückblick

Heute vor 57 Jahren, am 24. August 1963, fand der 1. Spieltag der damals neu gegründeten Bundesliga statt. Ohne Bayern München – dem späteren Rekordmeister gelang erst zwei Jahre später der Aufstieg ins Fußball-Oberhaus.

Dabei war der Hamburger SV, der zu seiner ersten Bundesliga-Partie im Zug nach Münster reisen musste. Dort, bei den Preußen, musste sich der HSV mit einem 1:1 zufrieden geben. Charly Dörfel war es, dem der Ausgleich gelang. Der HSV als Erstligist. Waren das Zeiten.

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