Kieler Fußball-Held stirbt den "Heldentod"

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07. November 2011, 09:05 Uhr

Der Kieler Ernst Möller galt als bester Linksaußen Deutschlands, als im August 1914 der Erste Weltkrieg begann. Zwei Jahre, vor genau 95 Jahren, später starb Möller den sogenannten "Heldentod". Ein Rückblick.

1891 in Kiel geboren, zählte Möller zur frühen Erfolgsgeneration der "Störche" um die Fick-Brüder, Georg Krogmann, Hans Reese sowie "Adsch" Werner. Eine echte Kieler Sprotte, durch und durch mit den "Störchen" verbunden und glühend vor Leidenschaft für seine Farben.

Auch der Spielausschuss des DFB wurde bald aufmerksam auf den norddeutschen Ausnahmefußballer. Am 14. April 1911 streifte Ernst Möller beim Aufeinandertreffen mit England erstmals das Adlerjersey über und feierte vor 10 000 Zuschauern auf dem Union-Platz in Berlin-Mariendorf ein Traumdebüt. Zwei Möller-Treffer sorgten für eine sensationelle 2:1-Zwischenführung der deutschen Amateure über das Mutterland, das am Ende froh sein konnte, mit einem 2:2 davongekommen zu sein. Nach dem Spiel wurde Möller von begeisterten Fans vom Platz getragen und absolvierte bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs acht weitere Länderspiele. "Ich sehe noch, wie er nacheinander vier Engländer elegant umläuft. Er hatte immer einen mächtigen Drang zum Tor, mit seinem glasharten genauen Schrägschuss war er der damalige Schrecken der Torwächter. Er war der geborene Linksaußen", erinnerte sich sein Mannschaftsgefährte und Holstein-Torhüter "Adsch" Werner später lebhaft an Möllers Glanzstunde.

Viele Fachleute stellten den jüngeren Bruder von Holstein-Tausendsassa Karl Möller ("Ka-Mö"), damals 1. Vorsitzender des Vereins, anschließend auf eine Stufe mit dem Altonaer Adolf Jäger. Das kam einem Ritterschlag gleich, denn mehr Ehre gab es für einen Linksaußen im deutschen Fußball seinerzeit nicht zu erreichen. Möller war jedoch mehr als nur ein herausragender Linksaußen, sondern konnte auch als Halbstürmer oder sogar in der Verteidigung eingesetzt werden.

Nicht nur deshalb galt er für Holstein Kiel als unverzichtbarer Leistungsträger. Dabei war seine Karriere lange Zeit etwas holprig verlaufen. Sie begann kometengleich, als Möller 1907 mit gerade einmal 16 Jahren in die Holstein-Ligaelf aufrückte und schon im ersten Jahr den Gewinn der Bezirksmeisterschaft sowie das Erreichen der Endrunde um die Norddeutsche Meisterschaft feierte.

1909 mit Holstein erstmals bis ins Halbfinale auf norddeutscher Ebene vorgedrungen, geriet der pfeilschnelle, technisch elegante und schussgewaltige Angreifer anschließend ein wenig aus dem Fokus. Er sei zwar talentiert, aber nicht verlässlich genug, lautete das harsche Verdikt, das den Linksaußen ausgerechnet im Holstein-Erfolgsjahr 1910 ins Abseits stellte. Während die Kieler in der Endrunde um die Norddeutsche Meisterschaft zunächst Altona 93 bezwangen und dann im Endspiel Werder Bremen gleich mit 7:1 deklassierten, saß Möller nur auf der Bank. Dort fand er sich auch wieder, als Holstein im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft in Köln-Weidenpesch dem Karlsruher FV mit 0:1 unterlag.

Mit der Verjüngung der Erfolgself kehrte Möller zurück ins Interesse und eroberte sich einen Stammplatz. Seinen Zenit erreichte er 1912. Mit einem 3:2 über die Braunschweiger Eintracht sicherte sich Holstein zum dritten Mal in Folge die Norddeutsche Meisterschaft und war auch in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft nicht zu stoppen. 2:1 gegen Preussen Berlin, 2:1 in der Verlängerung gegen den amtierenden Deutschen Meister Viktoria 89 Berlin, 1:0 im Endspiel auf der Hamburger Hoheluft gegen den Karlsruher FV - zum bislang einzigen Mal ging der Titel des Deutsche Meisters nach Schleswig-Holstein. Held des Tages: Ernst Möller. Er war es, der vor 10 000 Zuschauern auf dem Victoria-Platz für die Entscheidung sorgte, als er in der 54. Minute Nerven bewies und seine Farben vom Elfmeterpunkt aus zum Triumph schoss.

Wenig später baute der Linksaußen sein Abitur und begann eine Karriere als Intendantur-Sekretär. Zwei Jahre später stoppte der Erste Weltkrieg den Fußballspielbetrieb in Deutschland und auch Ernst Möller vertauschte das Sportjersey mit der Soldatenkluft. Im blühenden Alter von 25 Jahren starb er am 8. November 1916 den damals sogenannten "Heldentod" fürs Vaterland.

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