Kieler Chancen sinken weiter

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02. April 2012, 09:05 Uhr

Enttäuscht sackten die Kieler Spieler zu Boden, als Schiedsrichter Bastian Dankert die Partie gegen den VFC Plauen um 19.54 Uhr am Freitag abpfiff. Gut 94 Minuten hatten nicht gereicht, um die Westsachsen in die Knie zu zwingen. Zum zweiten Mal in dieser Saison hatte es nicht für einen Heimerfolg gereicht, zum ersten Mal gegen einen so genannten "Kleinen". Zum fünften Mal in Folge war den Kielern kein zweites Tor gelungen. Wo in der Vorrunde nach acht Spielen noch 21 Treffer zu Buche standen, gab es gegen die gleichen Gegner in der Rückrunde nur noch acht Tore. Wars das schon im Aufstiegsrennen für Holstein Kiel?

So weit wollte am Freitagabend dann doch niemand gehen. "Wir sind weit entfernt davon, irgend etwas abzuschenken", sagte Kapitän Christian Jürgensen. Sein Stellvertreter Rafael Kazior ergänzte: "In der Mannschaft ist keiner, der jetzt den Kopf in den Sand stecken würde. Wir haben Moral und kämpfen weiter, so lange eine Chance für uns da ist." Eine realistische Einschätzung gab der verletzt zuschauende Steve Müller ab. "Das Rennen ist noch nicht verloren. Aber um den Aufstieg noch zu schaffen, müssen wir jetzt wohl alle neun Spiele gewinnen. Aber dafür müssen wir uns steigern."

Das erscheint nach den zuletzt gezeigten Leistungen fraglich. Zumindest in kurzen Phasen war gegen Plauen die Klasse zu sehen, die Holstein vor der Winterpause auszeichnete. Da wurde der Gegner früh unter Druck gesetzt, zu Fehlern gezwungen. Die Folge war, dass mit fußballerischen Mitteln Torchancen erspielt wurden. Doch im Gegensatz zur Vorrunde, als diese Qualitäten meist von Beginn an und daheim stets so lange, bis der entscheidende Vorsprung erarbeitet war, zu sehen waren, dauerte die Phase diesmal gerade mal 15 Minuten, unterstützt vom Erfolgserlebnis des 1:1. "Uns fehlt einfach, dass wir mal wieder früh in Führung gehen", vermutete Jürgensen. "Vielleicht würde das schon reichen." Kazior unterstrich das. "So ein Tor setzt immer noch einmal Kräfte frei, da geht ein Ruck durch die Mannschaft. Das hatten wir in der Vorrunde in den meisten Heimspielen."

Doch am Freitag sah es - wieder einmal - anders aus. "Wir haben die Anfangsphase total verschlafen", ärgerte sich Trainer Thorsten Gutzeit. Zu Recht haderte Gäste-Trainer Thomas Hoßmang in seiner sachlichen Spielanalyse: "Da hätten wir 1:0 oder sogar 2:0 führen müssen." Erklärungen dafür fanden die Kieler Akteure nicht, aber immerhin eine klare Erkenntnis. "Das darf so nicht passieren, und dafür gibt es auch keine Entschuldigung", sagte Jürgensen.

Das Gegentor war aber nur aufgeschoben. "Jetzt hauen wir uns die Tore auch noch selbst rein", ärgerte sich Holsteins Sportdirektor Andreas Bornemann. "Das passt zu der Phase, die wir gerade durchmachen", sagte Gutzeit. Von einem unglücklichen Eigentor konnte dabei nicht die Rede sein. Völlig unbedrängt köpfte Aaron Berzel den Ball vor seinem fangbereiten Torhüter ins eigene Netz und machte die Aufgabe noch schwerer. "Wieder so ein dummes Gegentor kurz vor der Pause", ärgerte sich Routinier Fiete Sykora. "Wären wir mit dem 0:0 in die Pause gegangen, hätten wir das Spiel wohl wieder 1:0 gewonnen." So aber konnten die Kieler zwar für sich in Anspruch nehmen, eine deutlich bessere zweite Hälfte als zuletzt abgeliefert zu haben - doch das reichte nur zu einem Punkt. "Alles zusammen genommen, ist das nicht einmal unverdient für Plauen", stellte Bornemann fest. Ein Grund mehr, warum es trotz der über weite Strecken engagierten Holstein-Leistung und der Patzer der Konkurrenz - Leipzig ließ am Sonntag gegen Cottbus II (1:1) Federn, nur Halle können die Kieler nicht aus eigener Kraft einholen - schwer fällt, noch an eine Kieler Aufholjagd zu glauben.

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