Fifa-Skandal : Joseph Blatter im Kreuzfeuer: Das sagen Putin, Amnesty und Sponsoren

Im Fifa-Skandal müssen bald Konsequenzen folgen, wenn der Fußballverband sein Image nicht nachhaltig verlieren will. Im Fokus: Präsident Joseph Blatter.

shz.de von
28. Mai 2015, 13:01 Uhr

Die Fifa steht nach den skandalösen Entwicklungen mit Festnahmen und Suspendierungen weltweit am Pranger und beschäftigt inzwischen sogar höchste politische Kreise. Uefa-Präsident Michel Platini hat für den Fall eines Wahlsiegs von Fifa-Chef Joseph Blatter einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche „alle Möglichkeiten ins Auge fassen“, sagte der Franzose am Donnerstag in Zürich.

Auch die Topsponsoren üben zunehmend Druck auf den Weltverband aus. Visa und Hyundai (zusammen mit Schwesterfirma Kia Motors) zählen neben Adidas, Coca-Cola und Gazprom zu den ständigen Marketingpartnern der Fifa. Aus diesem Pool waren die Airline Emirates und Sony Ende 2014 ausgestiegen. Stattdessen laufen Gespräche mit Samsung und Qatar Airways über eine Zusammenarbeit.

Sieben Funktionäre des Weltverbands Fifa oder Offizielle der ihr angeschlossenen Konföderationen waren am Mittwoch in Zürich festgenommen worden. Das US-Justizministerium, das die Schweizer Behörden um Amtshilfe ersucht hatte, beschuldigt insgesamt gegen 14 Personen.

Vor Bekanntwerden der Korruptionsermittlungen gegen zahlreiche Fußball-Spitzenfunktionäre hatten Coca-Cola und Visa die Fifa in der vergangenen Woche schon aufgefordert, sich entschiedener gegen Menschenrechtsverstöße im WM-Gastgeberland Katar einzusetzen. Der Europäische Fußballverband Uefa hat am Mittwoch eine Verschiebung der Fifa-Präsidentenwahl gefordert.

Wer steht hinter Blatter – und wer fordert seinen Rücktritt?

Wladimir Putin

Kremlchef Wladimir Putin stellt sich im Fifa-Korruptionsskandal hinter Verbandschef Joseph Blatter und wirft den USA ungerechtfertigte Einmischung vor. Die Ermittlungen seien ein Vorwand, Blatters Wiederwahl zu verhindern, sagte Putin am Donnerstag in Moskau. Er forderte den Weltfußballverband der Agentur Interfax zufolge auf, wie geplant an diesem Freitag den Urnengang abzuhalten. „Wir wissen von dem Druck, der auf Blatter ausgeübt wurde, mit dem Ziel, Russland die WM 2018 wegzunehmen“, sagte Putin.

Putin kritisierte, Washington versuche, mit den Festnahmen mehrerer internationaler Fußball-Funktionäre in der Schweiz US-Recht außerhalb der eigenen Grenzen anzuwenden. Die Verdächtigen seien wegen eines Auslieferungsantrags aus Washington festgenommen worden. „Diese Funktionäre sind keine US-Bürger. Die USA haben mit dem Fall nichts zu tun“, meinte der Präsident.

Die parallelen Korruptionsermittlungen Schweizer Behörden, bei denen es um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar geht, haben in Moskau Sorgen ausgelöst, die Austragungsrechte zu verlieren.

Kreditkartenunternehmen Visa

Das Kreditkartenunternehmen Visa mahnte „rasche und sofortige Maßnahmen“ an, um die Probleme innerhalb der FIFA zu beheben. „Sollte die Fifa dies nicht tun, haben wir sie informiert, dass wir unser Sponsoring neu bewerten würden“, teilte das Unternehmen in einer Stellungnahme mit.

Automobilhersteller Hyundai

Der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai betonte in einer Mitteilung, dass man die Lage genau beobachten wolle. „Als Unternehmen, für das ethische Normen und Transparenz den höchsten Stellenwert besitzen, sind wir extrem besorgt über die eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen bestimmte Fifa-Führungskräfte.“

Sportartikelhersteller Adidas

Die fortwährenden negativen Schlagzeilen seien weder gut für den Fußball noch für die Fifa oder ihre Sponsoren, teilte ein Sprecher des deutschen Sportartikelherstellers Adidas mit. Man erwarte die Einhaltung ethischer Standards und bestärke deshalb die Fifa darin, „auch weiterhin transparente Compliance-Standards zu setzen und diese konsequent anzuwenden“.

Niederländische Zeitung „Nederlands Dagblad“

Wegen des Korruptionsskandals im Fußball-Weltverband will eine niederländische Zeitung Anzeigen von Fifa-Sponsoren boykottieren. Die Firmen müssten ihre Macht einsetzen, um die Korruption in der Fifa zu beenden, erklärte der Chefredakteur des „Nederlands Dagblad“, Sjirk Kuijper, am Donnerstag im niederländischen Radio. Die Zeitung rief auch die Leser zum Boykott von Firmen wie Coca Cola, McDonald's, Adidas, Visa, Hyundai, Kia, Budweiser und Sony auf. „Die einzige Sprache, die diese Organisationen verstehen, ist Geld, und das Geld kommt von uns“, sagte der Chefredakteur. Das streng-protestantische Blatt hat eine Auflage von rund 20.000 Exemplaren.

Amnesty International und die Gewerkschaft IG Bau

Amnesty International und die Gewerkschaft IG Bau eine radikale Erneuerung des Fußball-Weltverbandes FIFA und den Rücktritt von dessen Präsidenten Joseph Blatter gefordert. Hintergrund sind die ihrer Meinung nach immer noch „menschenunwürdigen und sklavenähnlichen“ Verhältnisse auf den Baustellen des WM-Gastgeberlandes Katar. „Darum hat sich die Fifa bislang einen Dreck gekümmert. Und ich habe nicht das Zutrauen, dass sich unter Herrn Blatter noch etwas ändern kann“, sagte der stellvertretende IG-Bau-Vorsitzende Dietmar Schäfers am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt am Main. „Die FIFA ist gut beraten, sich grundsätzlich zu erneuern. Da gehört ein neuer Kopf, eine neue Führung hin. Das schafft man nicht mit Herrn Blatter und seinen offensichtlich hochkriminellen Funktionären.“

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht in ihrem neuesten Report von aktuell rund 1,5 Millionen Gastarbeitern in Katar. „Im Schnitt gibt es unter ihnen pro Tag einen Toten, der an Herzversagen oder Erschöpfung stirbt“, sagte die Amnesty-Expertin für die Golfstaaten, Regina Spöttl. „Katar hat seit unserem ersten Bericht 2013 vollmundige Versprechungen gemacht. Bisher ist nichts passiert.“

Joseph Blatter
Uefa-Präsident Michel Platini

UEFA-Präsident Michel Platini hat Joseph Blatter zum Rücktritt aufgefordert. „Ich habe ihm gesagt: 'Bitte verlasse die FIFA. Lass es sein'“, berichtete der Franzose am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Zürich von der Unterredung mit Blatter und ergänzte: „Es wäre ein Zeichen von Größe gewesen. Fußball ist wichtiger als Personalien, aber er hat gesagt: 'Es ist zu spät. Ich kann nicht aufhören, nicht zu Beginn dieses Kongresses.'“ Platini gilt als großer Unterstützer von Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein. Die Uefa werde zum „allergrößten Teil“ für den Jordanier stimmen, erklärte er.

Boulevard-Zeitung „Bild“

Die Titelseite der „Bild“-Zeitung hält mit der Meinung nicht hinterm Berg.

Die „Tagespresse“

Mindestens genauso seriös: Österreichs Satiremagazin „Tagespresse“.

 
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