zur Navigation springen

Fussball-Bundesliga : Werder Bremen gegen HSV: Das shz.de-Fanduell

vom

Beide Teams sind beim Nordderby in Topform. Doch nur einer kann gewinnen. Zwei Redakteure streiten über den Sieg.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2017 | 19:00 Uhr

Soenke Schierer ist für Werder Bremen:

Da sieht’s doch in der aktuellen Saison vor dem Nordderby fast so aus wie in der ewigen Tabelle der Bundesliga. Der ruhmreiche Sport-Verein „Werder“ von 1899 e.V aus der schönsten Hansestadt der Welt liegt knapp vor den Konkurrenten aus Hamburg. Sind es in der ewigen Tabelle die vorderen Ränge, ist es in der aktuellen Saison leider (mal wieder) der hintere Bereich der Liga, in dem sich der Traditionsclub und der HSV aufhalten.

Die drei Punkte im 106. Nordderby bleiben genau hier - im Weserstadion.

Die drei Punkte im 106. Nordderby bleiben genau hier - im Weserstadion.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa
 

Aber Spaß beiseite. Denn die Lust am Witzeln ist im Hinblick auf die zwei Nordclubs längst vergangen. Wieder einmal treffen sich die beiden – wie die Verantwortlichen nicht aufhören zu betonen – Vereine mit großer Vergangenheit, zu einem Kellerduell. Wieder einmal ist es in beiden Hansestädten eine Saison, die geprägt ist von Abstiegsangst, fehlender Konstanz und mangelnder Qualität. Da hat man andere Sorgen, als auf dem Rivalen rumzuhacken.

Natürlich – es ist und bleibt ein besonderes Spiel. Aber, und jetzt bitte ich die Floskel zu entschuldigen, in einer Spielzeit, in der jedes Spiel ein Endspiel ist, ist die Spannung vor einem Nordderby kaum höher als vor jeder anderen Partie auch.

Schon klar, die Spiele gegen den HSV sind theoretisch die letzten wirklichen Highlights einer Saison. Oft nicht fußballerisch, aber emotional. Man denke nur an die Papierkugel oder Wiese gegen Olic. Und Champions-League-Siege unter Flutlicht, wie das 3:2 von Werder gegen Real Madrid (2007) oder das 1:0 der Bremer gegen Chelsea (2006), werden ja mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie mehr wiederholte Anekdoten aus vergangenen Zeiten bleiben. Man nimmt also, was man kriegen kann, um ein Highlight-Spiel herbeizureden. Da muss dann auch mal das Nordderby reichen.

Mut für das Spiel am Sonntag macht mir als Fischkopp in erster Linie die zum Teil stabilisierte Abwehr der letzten Wochen und die Serie nicht mehr verlorener Bundesligaspiele. Das Problem – viel schlechter sieht es bei den Hamburgern auch nicht aus. Aber auf fremdem Platz tun sich die Spieler von der Elbe schwer. Und Werder kann auch in diesem Nordderby wieder auf die Unterstützung einer ganzen Stadt zählen. So wie bei jedem Spiel. Schließlich sind die Fans, die im kleinen, engen Weserstadion nahezu auf dem Rasen stehen und im Schatten der Flutlichtmasten singen, außergewöhnliche Anpeitscher – das weiß man auch im Rest der Liga.

Am Ende gewinnt also (natürlich) Werder das Nordderby und kann damit einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenhalt machen. Durch ist man damit aber noch nicht!

Und bitte nicht falsch verstehen - Werder ist und bleibt mein Verein. Ohne wenn und aber. Auch, wenn ich hier nicht wirklich euphorisch klinge. Fehlende Leistungen könnten nie zu einem Austritt führen. Dass das viele Hamburger für ihren HSV genauso sehen, ist toll. Denn vielmehr, als die Unterstützung des eigenen Anhangs, der voll fokussiert die eigene Mannschaft unterstützt, bleibt den Vereinen wohl auch in Zukunft nicht.

Und das ist auch der Grund, warum nur schwer von einem wirklichen Fanduell die Rede sein kann. Schließlich hat jede Seite mit dem eigenen Sorgenkind genug zu tun. Da ist keine Zeit, um auf den anderen zu schauen. Aber das machen ja eh viel lieber die Hamburger. Der Bremer an sich schaut sowieso an liebsten... nach Bremen.

Maximilian Matthies ist HSV-Fan:

Der HSV wird zu Ostern ein paar dicke Eier ins Werder-Nest legen - das ist sicher. Und der HSV gewinnt das 106. Nordderby. Dafür sprechen vor allem Aaron Hunt und die Statistik.

Es ist ein ganz anderes Bild als noch im Hinspiel, was sich am Sonntag auftut. Da lagen die Hamburger mit fünf Punkten Abstand noch abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz, man hoffte auf einen ersten Saisonsieg gegen Bremen, am Ende wurde es ein 2:2, für beide Teams war es wegen der mageren Ausbeute aus anderen Spielen sogar fast schon als ein Erfolg zu werten.

In der Rückrunde gehören sowohl der HSV als auch leider Werder zu den Top-Teams der Liga. Sie holten jeweils 20 Punkte aus zehn Spielen, besser waren nur Bayern München und Mönchengladbach. Das riecht jetzt wieder nach einem Unentschieden.

Aber ein 2:2 im Nordderby? Das geht nicht. Sollte am Sonntag ein Unentschieden herausspringen, wäre das eine Niederlage. Zu schön wäre es, würde es dem HSV gelingen, den Werderanern in ihrem eigenen Wohnzimmer einen Dämpfer zu verpassen. Ganz leicht wird das allerdings nicht.

Die Grün-Weißen von der Weser sitzen zurzeit hoch zu Ross. Sie sind seit acht Spielen ungeschlagen, haben die letzten drei Heimspiele zu Null gewonnen und belegen mit Tabellenrang 11 zwei Plätze vor dem HSV. Das würden sie auch nach einer Niederlage am Sonntag bleiben, es sei denn, der HSV gewinnt 10:0, aber so sehr ich mir das auch wünsche, es wird wahrscheinlich nicht so weit kommen.

Bremer Spieler, die zum Anfang der Saison Fußball zum Abgewöhnen zeigten, treffen mittlerweile sogar mal das Tor, etwa Zlatko Junuzovic oder Fin Bartels, genauso scheint Max Kruse an der Weser angekommen zu sein. Zuhause sind die Bremer mittlerweile auch eine kleine Festung. Doch in der Ferne müssen sie schon mal Federn lassen, wie am vergangenen Wochenende gegen Eintracht Frankfurt, als sie den seit neun Spielen sieglosen Hessen nach einer 2:0-Führung noch zwei Tore schenkten. Das zeigt: Bremen ist keine Spitzenmannschaft. 

Anders der HSV. Das beweist etwa der grandiose Erfolg der Gisdol-Elf gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Die Hamburger gewannen dabei durch zwei Tore des Ex-Bremers Aaron Hunt, der wie kein anderer auf das Derby am Sonntag brennt. Es ist sein erstes im HSV-Dress, aber insgesamt schon sein 15.. „Ich freue mich richtig auf das Nordderby. Ich musste jetzt zweieinhalb Jahre warten, um wieder dort zu spielen“, sagte Hunt am vergangenen Wochenende. Genauso bestätigte HSV-Kapitän Gotoku Sakai, wie heiß die Hamburger auf den Rivalen von der Weser sind.

 

Wie schon im Hinspiel wird Christian Mathenia Stammtorhüter René Adlers ersetzen, der wegen seines Rippenbruchs ausfällt. Und es ist auch denkbar, dass Michael Gregoritsch auf dem Platz steht, Bobby Wood musste diese Woche öfters das Mannschaftstraining sausen lassen. Aber Gregoritsch zeigte schon im November, dass er gegen Werder treffen kann, indem er beide HSV-Tore erzielte.

HSV-Fans können aber auch zu Recht auf einen Sieg hoffen, weil Bremen anscheinend gegen Hamburg nicht mehr gewinnen kann. So besagt die Statistik, dass die Elf von Alexander Nouri seit drei Spielen gegen den HSV sieglos ist. So lange musste Werder zuletzt Ende der 90er-Jahre auf einen Sieg im Nordderby warten - damals waren es sogar sechs sieglose Spiele.

Viel besser liest sich die Statistik für den HSV: Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen gegen Bremen – so eine Erfolgssträhne im Nordderby hatte der HSV das letzte Mal vor fast 20 Jahren (Mai 1997 bis März 1998).

Wahrscheinlich muss Hamburg sogar nur ein Tor schießen, solange es das erste ist. Denn Werder gelang es seit mehr als 27 Jahren nicht mehr gegen den HSV nach einem Rückstand zu gewinnen (zuletzt am 31. März 1990 zu Hause mit 2:1).

Mein Prognose ist: Es fallen wie im Hinspiel vier Tore, dieses Mal aber mindestens drei für den HSV!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen