Neues vom HSV : Walaces Streikgrund, Freiburg-Testspiel, Torhüter-Frage

Warum Walace zu spät ins Trainingslager kam und Trainer Markus Gisdol die Torhüter-Frage noch offen lässt.

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08. Januar 2018, 12:43 Uhr

Hamburg | „So eine Sache wie Walace würde ich wohl nicht machen. Auch in Brasilien ist so ein Verhalten nicht normal“, sagt HSV-Linksverteidiger Douglas Santos über das zu späte Erscheinen seines Mannschaftskollegen Walace im Trainingslager im spanischen Jerez de la Frontera. Dabei sind sich die beiden Brasilianer sonst recht nahe. Sie wohnen in Hamburg im gleichen Haus, haben zusammen bei Olympia in Rio Gold geholt und sind anschließend für viel Geld zum HSV gewechselt. Einer von beiden hat sich in der HSV-Familie aber wohl noch nicht richtig eingelebt: Walace. Doch nicht nur das war ein Grund, zu spät ins Trainingslager zu kommen. Es gab noch einen zweiten.

Douglas Santos (l.) und Walace im HSV-Trainingslager:

„Auch wenn das kaum einer glaubt, aber Walace hatte tatsächlich einen privaten Grund, warum er länger in Brasilien bleiben wollte“, sagt Walaces Berater Rógerio Braun gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ im HSV-Trainingslager. Demnach soll es familiäre Probleme gegeben haben.

So sei Walaces Lebensgefährtin Kamila im siebten Monat schwanger. Gemeinsam reisten sie über die Feiertage in die brasilianische Heimat. Dort habe es jedoch einen Zwischenfall gegeben und ein Arzt habe Kamila untersagt, einen weiteren Langstreckenflug nach Europa auf sich zu nehmen. „Walace war sehr erschüttert, als ihm klar wurde, dass er nicht mit seiner Familie nach Europa zurückkehren konnte und dass er wohl auch nicht bei der Geburt seines zweiten Kindes dabei sein kann“, sagt Braun.

Der HSV startete an Neujahr ins Trainingslager nach Andalusien. Walace fehlte. Der 22-jährige Brasilianer hatte ohne Genehmigung des Klubs seinen Urlaub verlängert und erschien erst am Donnerstag zurück aus seinem Heimaturlaub. Über den Grund seines Fernbleibens war die ganze Zeit spekuliert worden.

Klar ist: Besonders gut eingelebt hat sich der Brasilianer in der Hansestadt offenbar noch nicht. Das zeigen seine bisherigen Leistungen: wenige Einsätze in der Vorrunde, wurde etwa gegen Eintracht Frankfurt schon nach 35 Minuten ausgewechselt und wegen des fehlenden Stammplatzes bangt der Neun-Millionen-Mann auch um eine WM-Teilnahme. Hinzu kommt: Es gibt mehrere Angebote aus Brasilien, darunter angeblich von Flamengo Rio de Janeiro, Atletico Mineiro und Palmeiras. Besonders intensiv soll das Buhlen von Flamengo Rio de Janeiro um die Dienste des 22-Jährigen sein. Doch der HSV will Walace nicht abgeben. „Er beschäftigt sich mit einem Wechsel, aber wir haben kein Interesse daran“, sagte Sportchef Jens Todt. Er bekräftige: „Wir sind davon überzeugt, dass wir ihn wieder in die Gruppe integrieren können“. Zuvor hatte Walace nach Worten von Klubchef Heribert Bruchhagen eine Abmahnung und „empfindliche Geldstrafe“ erhalten, die bei rund 50.000 Euro liegen soll.

Wie reagiert HSV-Coach Markus Gisdol auf Walaces Verhalten?

Wenn jemand seinen Urlaub eigenmächtig verlängert, kommt das bei keinem Chef der Welt gut an. Auch bei Markus Gisdol nicht. Dennoch drückt der Trainer der Rothosen bei Walace noch einmal ein Auge zu: „Man sollte das Fehlverhalten nicht überhöhen. Damit macht man es wichtiger, als es für die Gruppe insgesamt ist“, sagte Gisdol laut „Abendblatt“ am Sonnabend. Er wolle mittelfristig wieder auf den Mittelfeldakteur setzen.

Die Torhüter-Frage

Im Unklaren lässt Gisdol hingegen, wer für den HSV beim ersten Rückrundenspiel am Sonnabend (15.30 Uhr) in Augsburg zwischen den Pfosten steht. Die bisherige Nummer 1 Christian Mathenia oder doch Julian Pollersbeck? „Heute ist es schwer darauf eine Antwort zu geben. Es wird auf eine Entscheidung Ende der Woche hinauslaufen“, sagte Gisdol bei der Abschluss-Pk im Trainingslager in Jerez am Montag. Nach schwächeren Spielen von Mathenia in der Hinrunde hatte Gisdol das Rennen um den Stammplatz im Tor als offen bezeichnet.

 

In der Hinrunde hatte Mathenia das HSV-Tor gehütet. Kontrahent Pollersbeck waren eine unprofessionelle Einstellung und ein schlechter Fitnesszustand vorgeworfen worden. Zwischenzeitlich wurde er sogar zur Nummer 3 hinter Tom Mickel degradiert.

Unentschieden im Testspiel gegen SC Freiburg

Bis auf den Walace-Ausfall lief die Vorbereitung für den HSV ganz ordentlich ab. Immerhin konnte der Bundesliga-Dino sein Spanien-Trainingslager ohne Niederlage abschließen. Drei Tage nach dem 2:1-Erfolg über den spanischen Erstligisten FC Malaga erzielte die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol am Sonntag in Cadiz gegen den Ligarivalen SC Freiburg ein 1:1 (0:0). Kyriakos Papadopoulos (68. Minute) brachte den HSV im Estadio Municipal de La Linea de la Concepcion in Führung, Amir Abrashi (86.) schaffte für den SCF den Ausgleich.

Gegen die Freiburger, die mit anderen Spielern ihres Bundesligakaders am Sonntag in Sotogrande den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern 2:0 besiegt hatten, gab Gisdol weiteren HSV-Profis eine Bewährungschance. Darunter Julian Pollersbeck, der wie vom Coach angekündigt für Christian Mathenia zum Einsatz kam.

Ende des Trainingslagers

Nach den Trainingseinheiten und den Testspielen beklagt das Team drei leichtverletzte Spieler. Die Mittelfeldakteure Albin Ekdal (Stauchung im Sprunggelenk), Gideon Jung (Schlag aufs Sprunggelenk) und Lewis Holtby (Knieprobleme) sind vor dem Rückrundenstart am Samstag beim FC Augsburg Wackelkandidaten. „Wir schauen bis zum Ende der Woche“, sagte Trainer Markus Gisdol.

Am Montag ging es nach einer letzten Einheit im Gymnastikraum für die HSV-Spieler zurück Richtung Hansestadt. Nach der Rückkehr absolviert die Mannschaft am Mittwoch die nächste Trainingseinheit.

 

mit dpa

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