Bernd Hollerbach : Überall Probleme: Gisdol-Nachfolger übernimmt viele HSV-Baustellen

Doch der ruhmreiche HSV hat viele Baustellen, die auch dem neuen Trainer-Hoffnungsträger den Job erschweren.
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Doch der ruhmreiche HSV hat viele Baustellen, die auch dem neuen Trainer-Hoffnungsträger den Job erschweren.

Platz 17, Torflaute, spielerische Mängel und kaum Geld für Verstärkungen. Der neue Trainer übernimmt vom beurlaubten Markus Gisdol ein schweres Erbe.

shz.de von
22. Januar 2018, 07:41 Uhr

Hamburg | Nach der Trennung von Markus Gisdol wartet auf dessen Nachfolger beim Hamburger SV ein Berg an Arbeit. Der neue Trainer des norddeutschen Fußball-Bundesligisten, der aller Voraussicht nach am Montag vorgestellt wird und Bernd Hollerbach heißt, übernimmt ein seit Jahren gegen den erstmaligen Abstieg aus der Elite-Liga kämpfendes Team. Doch der ruhmreiche HSV hat noch mehr Baustellen, die auch dem neuen Trainer-Hoffnungsträger den Job erschweren.

Offensivflaute:
Ganze 15 Tore hat der HSV erzielt, nur Schlusslicht 1. FC Köln (14) ist noch harmloser: Lediglich 15 Punkte auf der HSV-Habenseite und der direkte Abstiegsrang 17 sind die beinahe logische Folge. Den Ausfall von Schlüsselspieler Nicolai Müller, der in der Vorsaison bester Hamburger Scorer war, aber am ersten Spieltag einen Kreuzbandriss erlitt, konnte der HSV nicht kompensieren. Andere Offensivakteure wie Filip Kostic, André Hahn (je 2) und Bobby Wood (1) laufen ihrer Form hinterher. Allein das 18 Jahre alte Toptalent Jann-Fiete Arp (2) macht Hoffnung.

Finanzen:
Ohne die finanzielle Unterstützung von Investor und Fan Klaus-Michael Kühne wäre der HSV längst schon am Ende. Denn die Verbindlichkeiten des Vereins haben mit 105,5 Millionen Euro einen Höchststand erreicht. Das abgelaufene Geschäftsjahr endete mit dem zweithöchsten Minus der Clubgeschichte von 13,4 Millionen Euro. Ein Gang in die 2. Liga mit deutlich geringeren Einnahmen aus TV-Topf, Ticketverkauf und Werbeeinnahmen würde die wirtschaftliche Misere nur noch vertiefen, wenn nicht sogar die Existenz bedrohen.

Verstärkungen:
Nach der schweren Verletzung von Offensiv-Ass Nicolai Müller am 1. Spieltag und der kurz danach einsetzenden sportlichen Talfahrt hatte Gisdol Verstärkungen gefordert. Vergebens. „Unsere Mittel sind begrenzt“, sagte Sportchef Jens Todt stets.

Die Serie von sechs Punktspielen ohne Sieg und der Absturz auf den Abstiegsrang haben aber dem Letzten beim HSV die Augen geöffnet. „Der neue Trainer kann jetzt mit Todt über Transfers sprechen“, betonte Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Milliardär Kühne war beim Trainerwechsel zwar nicht involviert, aber „komplett informiert“, berichtete Bruchhagen. Könnte heißen: Kühne stellt erneut frisches Geld zur Verfügung.

Psychologie:
Der HSV hat ein Kopfproblem. Durch fehlende Punkte und den Absturz in den Bundesliga-Tabellenkeller werden die Spieler immer ängstlicher. Die Selbstsicherheit schwindet, das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit auch. Es werden zunehmend Sicherheitspässe nach hinten gespielt, Risikozuspiele in die Spitze bleiben zumeist aus. Und 1:1-Situationen werden vermieden aus Angst, den Ball zu verlieren. Kein Wunder, dass in der Offensive nicht viel geht.

Die HSV-Legende Felix Magath hält Bernd Hollerbach für die richtige Wahl als neuer Trainer. „Aufgrund seiner Erfahrung als Profi und als Trainer halte ich ihn für genau den Richtigen, um den HSV da unten rauszuführen“, sagte Magath, der nach seiner Zeit als Spieler auch Manager und Trainer der Hanseaten war. Unter Hollerbach werde der HSV auch gegen Teams gewinnen können, die eigentlich stärker besetzt sind, versicherte Magath. „Ich gehe sogar davon aus, dass der HSV mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun haben wird“, sagte der 64-Jährige.

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