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HSV gegen Bayern : Starcoach gegen Nobody – Spannung vor Bundesligaspiel

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Das ungleiche Duell an der Seitenlinie gibt dem Bayern-Gastspiel beim HSV eine besonders pikante Note. Für Pep Guardiola lauert die Gefahr aber nicht nur im Trainerwechsel beim Gegner.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 14:12 Uhr

Hamburg | Josef Zinnbauer hat das, was Pep Guardiola sich wünscht: eine lange Siegesserie in dieser Saison. Der neue Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV ist mit seiner früheren U23-Mannschaft in der Regionalliga Nord durch die ersten acht Saisonpartien mit 24 Punkten und 27:5 Toren gestürmt. Bayern München musste sich in seinen drei Bundesliga-Spielen mit zwei nüchternen Siegen und einem Remis begnügen. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) will der Rekordmeister den HSV-Trainer testen.

Guardiola ist gespannt auf den Neuen. Starcoach gegen Nobody lautet die Konstellation in Hamburg. Der Spanier ließ extra zwei Partien der HSV-Amateure analysieren, welche Zinnbauer an die Tabellenspitze der Regionalliga geführt hatte. Er erwartet eine „sehr aggressive“ Hamburger Mannschaft: „Mit einem neuen Trainer wollen es die Spieler immer sehr gut machen“, meinte Guardiola. Auch Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer gestand: „Ich kann nicht sagen, dass uns die Trainer-Konstellation, die sich beim HSV ergeben hat, super gefällt.“ 

Die Kluft zwischen der vierten Liga und der Beletage des deutschen Fußballs scheint Zinnbauer, der Joe genannt werden will, ziemlich egal zu sein. „Ich habe Bock auf die erste Liga“, verkündete er bei seiner Inthronisation. „Ich bin richtig heiß.“ Die forsche Gangart des Nachfolgers von Mirko Slomka ist der erste auffällige Unterschied zum HSV der vergangenen Wochen. Zinnbauer will sein torloses Erstliga-Team, das nach drei Partien ans Tabellenende katapultiert wurde, vor allem mental aufrüsten und als Gemeinschaft einschwören. „Wir haben Qualität in der Mannschaft. Wir müssen sie nur gemeinsam auf den Platz bringen“, forderte er.

Wer sich zurücklehnt, hat schon verloren. So erging es Valon Behrami. Weil der Schweizer Nationalspieler zum Ende der Trainingseinheit lasch in die Zweikämpfe ging und einen miserablen Pass spielte, verdonnerte Zinnbauer den Mittelfeld-Mann zum Zuschauen. Der Coach zeigt keinerlei Respekt vor großen Namen. „Wenn es nicht funktioniert, hole ich Spieler der U23. Das ist mir völlig egal.“

Natürlich weiß der neue Taktgeber, dass sich die übermächtigen Bayern nicht einfach die Punkte abknöpfen lassen, nur weil er da ist. „Alle rechnen damit, dass wir verlieren, keiner traut uns was zu. Es gibt nix Einfacheres auf dem Papier, als gegen die Bayern zu spielen“, beschrieb der 44 Jahre alte Trainer die Ausgangslage. Als Inhaber einer Unternehmensgruppe für Finanzdienstleistungen und Versicherungen mit Millionenumsatz kennt er sich mit Risiken aus und weiß, wie diese aufzufangen sind. „Ich habe keine Angst!“, betonte der frühere Zweitliga-Profi vom FSV Mainz und schwor: „Gegen die beste Mannschaft der Welt kann man nur mit breiter Brust auflaufen.“  

Zinnbauers zweieinhalbmonatige Arbeit beim Regionalligisten HSV ließ aufhorchen. In der Vorsaison war der von Rodolfo Cardoso betreute Viertligist am Abstieg vorbeigeschrammt. Unter Zinnbauers Ägide lief plötzlich alles wie am Schnürchen. „Ich bin akribisch, leidenschaftlich, diszipliniert und erfolgshungrig“, lautet die Selbsteinschätzung des Trainers, der vom Oberligisten Karlsruher SC II zu den Hanseaten kam.Nicht zuletzt die Motivationskünste des Fußballlehrers und sein Sachverstand haben den Vereinsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer bewogen, Zinnbauer drei Ligen höher ins Haifischbecken zu werfen.

„Ich glaube, er hat gar nicht gefragt. Er hat einfach gesagt: Du machst das jetzt“, berichtete Zinnbauer im Vereins-TV „HSV-Total“.Gegen die Bayern ist die jüngste HSV-Bilanz desaströs: 1:4, 1:3, 2:9, 0:3, 1:1, 0:5, 0:6. Der neue HSV-Trainer wird sein Team auf einigen Positionen verändern. Eine Spekulation: Heiko Westermann, dem einem lange freundschaftliche Bande zu Zinnbauer nachgesagt wird, rückt wieder in die Startelf. Bei den Bayern drängt Arjen Robben zurück. „Er hat 15 Minuten gegen ManCity gespielt und uns sofort mit seinem Eins gegen Eins geholfen. Er hat gut trainiert“, berichtete Guardiola, der keine Debatten über Systemumstellungen führen will. „Das System ist nicht wichtig“, sagte er. „Es geht immer um die gleiche Idee, das dominierende Spiel. Und das werden wir nicht wechseln, solange ich hier bin.“

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