Bundesliga-Kolumne : Schlusslicht HSV: Abstieg wäre schmerzhaft für Deutsche Fußball Liga

Da war die Welt aus Sicht des HSV noch in Ordnung: Douglas Santos jubelt nach seinem Treffer zum 1:0.
Da war die Welt aus Sicht des HSV noch in Ordnung: Douglas Santos jubelt nach seinem Treffer zum 1:0.

Die Lizenzunterlagen für Liga zwei sollten mit aller Ernsthaftigkeit zusammengestellt werden, rät Jürgen Muhl.

shz.de von
19. März 2018, 07:57 Uhr

Die Lichter gehen aus: Und das nach einem wahren Hype in der vergangenen Woche in Hamburg. Was Rang und Namen hat, drückte dem HSV die Daumen. Hanseatische Freundschaft. Mit einem Fan-Konvoi wird der Mannschaftsbus ins Stadion geleitet. Als stünde der einst so ruhmreiche Verein vor dem ersten Meistertitel seit 1983.

Diese eher schon peinliche Aktion half dann auch nicht der von Amateur-Trainer Christian Titz zusammengestellten Formation. Ein schnelles Ende der Aufbruchstimmung, von der die Rede war. Titz hatte im Vorfeld des Spieles gegen Hertha BSC kräftig auf den Putz gehauen. Mit täglicher Unterstützung der Boulevard-Journalie. Der Trainer der Regionalligaausgabe des HSV hatte über Fußball philosophiert, als hätte er die Weisheiten dieser Sportart neu in den Volkspark transportiert. Half alles nichts. Nach einer respektablen ersten Halbzeit fiel auch diese auf Jugend getrimmte Truppe im Abschnitt zwei ins alte Muster der Hilflosigkeit zurück.

Fans wollten Kabine stürmen

Vorbei ist es mit dem Hype, stattdessen wollten Teile jener Fans, die zuvor der Bus-Reisegesellschaft zugejubelt hatten, die Kabine stürmen. Vorbei ist es mit der Euphorie, dass dieser HSV womöglich den Abstieg noch vermeiden könne. Nach dem Kölner Sieg steht der Hamburger SV ganz, ganz unten. Schlusslicht. Präsident Hoffmann und der aus der Versenkung gekommene Thomas von Heesen sind untergetaucht. Bleibt die Frage, wer in dieser Woche beim HSV die Papiere erhält. Vielleicht ja der Busfahrer oder der Greenkeeper. Da wird sich doch etwas finden lassen. Die Lizenzunterlagen für Liga zwei sollten mit aller Ernsthaftigkeit zusammengestellt werden.

Nummer 1 im Norden

Wie es geht, zeigt Werder Bremen. Die Bremer haben mit Geduld, Sachverstand und Bodenständigkeit eine Mannschaft zusammengestellt, deren Stärke das spielerische Vermögen ist. Der Ball läuft durch die Reihen wie zu besten Werder-Zeiten. Bremen hat sich aus der Abstiegszone gespielt und bastelt an einem Team, das in der kommenden Saison im oberen Tabellendrittel mitspielen könnte. Derzeit sind die Bremer mit 33 Punkten auf Tabellenplatz 12 die beste Nord-Vertretung. Hinter den Kulissen sind Aufsichtsrat, Vorstand und die sportliche Führung auch in engen Situationen ruhig geblieben. Diese verlässliche Art, einen Verein auch in schwierigen Zeiten zu steuern, hat Werder schon immer ausgezeichnet. Da ist der HSV meilenweit von entfernt.

Liga-Zukunft

Ein Abstieg des HSV ist nicht im Sinne der Deutschen Fußball Liga und jener TV-Sender, die mit der Ware Fußball ihre teuer erkauften Senderechte refinanzieren müssen. Zu gut sind immer noch die Quoten der Hamburger, hoch ist die bundesweite Zahl der HSV-Sympathisanten. Bei allem sportlichen Misserfolg ist der Hamburger SV immer noch eine Zugnummer. Weit vor Frankfurt, Leverkusen, Leipzig, Mainz, Hoffenheim oder Wolfsburg. Die Zugnummer aber hat seit Jahren versagt. Welch ein Trauerspiel.

Holstein Kiel könnte mit einem Aufstieg für Furore sorgen. Oder in der Zweiten Liga mit zwei Duellen gegen den HSV die Fußballwelt auf den Kopf stellen. Als neue Zugnummer.

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