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Neues vom HSV : Schalke-Held Lasogga und der Kampf um Platz 16

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Pierre-Michel Lasogga rettete den HSV gegen Schalke vor dem direkten Abstieg - und könnte in der Relegation nochmal wertvoll sein.

Hamburg | Markus Gisdol war völlig geschafft. Der Trainer des Hamburger SV musste nach der nervenaufreibenden Achterbahnfahrt auf Schalke erstmal tief durchatmen, ehe er einen Einblick in seine Stimmungslage gewähren und die Situation analysieren konnte. „Es war ein sehr emotionales Spiel. Das vergisst man nicht so schnell“, sagte der 46 Jahre alte Coach nach den dramatischen Schlussminuten in Gelsenkirchen. In die mentale Erschöpfung mischte sich dann schnell die Vorfreude auf das Endspiel um den Bundesliga-Verbleib gegen den VfL Wolfsburg: „Jetzt müssen wir durchschnaufen, damit wir am nächsten Samstag den Sack zumachen können.“

Seit dem 33. Spieltag ist klar: Der HSV kann nicht mehr direkt absteigen. Allerdings zählt am letzten Spieltag nur ein Sieg gegen Wolfsburg, will man die drohende Relegation noch verhindern.

Lasoggas Jubellauf

Ausgerechnet der bislang glücklose Pierre-Michel Lasogga bescherte den abstiegsbedrohten Hanseaten mit seinem ersten Saisontor die allerletzte Chance: Die Führung des FC Schalke durch Guido Burgstaller (25. Minute) glich Lasogga mit einem Last-Minute-Treffer zum 1:1 (0:1) aus und wahrte damit am vorletzten Spieltag die Chance, im direkten Duell mit Wolfsburg der Relegation diesmal zu entgehen. „Wir haben nächsten Samstag alles in der eigenen Hand. Das ist das Wichtigste“, sagte Torwart Christian Mathenia.

Auch am Tag danach hatte Gisdol die dramatische Partie noch nicht verarbeitet. „Die Emotionen waren extrem, die Gefühle schlagen Purzelbaum“, sagte der HSV-Coach und lobte den Torschützen Lasogga: „Er hat nicht die tollsten Leistungen gebracht, aber er hat sich nie hängen lassen und war positiv im Training. So funktionieren Mannschaften.“

„Ich bin sehr glücklich. Es tut gut, der Mannschaft so zu helfen. Mir ist eine Last von den Schultern gefallen“, sagte der 25-Jährige, der nach vielen Verletzungsproblemen auf der Suche nach der alten Form seinen Stammplatz an Bobby Wood verloren hatte. „Ich hatte kein einfaches Jahr, habe viel zurückgesteckt. Aber bei jedem Einsatz habe ich gespürt, dass die Fans hinter mir stehen. Da wollte ich etwas zurückgeben.“ Und er verlor nie den Glauben an die eigene Stärke: „Wenn man immer Gas gibt, kommt der Tag, an dem man belohnt wird.“

 

Gas gab Lassoga auch beim Jubellauf nach seinem Treffer. Er sprintete einmal über den ganzen Platz zu den eigenen Fans. Es wirkte, als wollte er jeden Einzeln der mitgereisten 7000 Hamburger Anhänger umarmen. „Das klingt zwar blöd – aber vor dem Anpfiff habe ich schon gedacht: Oh, in der zweiten Halbzeit spielen wir auf die Nordkurve. Das ist dann ein ganz schön weiter Weg, wenn man ein Tor schießt“, sagte Lasogga kurz nach dem Abpfiff. „Ich bin so bekloppt und will das dann auch mit den Leuten teilen.“

Das letzte Tor für den HSV hatte Lasogga am 22. April  erzielt. Doch in der Heimat trifft es sich bekanntlich am besten. So tat dem Torjäger sein Treffer doppelt gut: „Ich bin zwölf Kilometer vom Stadion entfernt aufgewachsen, habe sieben Jahre für Schalke gespielt“, sagte Lasogga. „Man weiß ja vorher nie, ob man ein Tor schießt. Ein bisschen habe ich es mir aber gewünscht."

Das Schalke-Spiel könnte allerdings eines der letzten gewesen sein, das Lasogga für den HSV bestritt. Er kam 2014 an die Elbe, erzielte in seiner ersten Saison zwölf Tore und wurde durch seinen Treffer in der Relegation gegen Fürth zum umjubelten Helden. Damals war er noch von Hertha BSC Berlin ausgeliehen. Doch in Hamburg setzte man alles daran, sich die Dienste des bulligen Stürmers langfristig zu sichern. Es wurden 8,5 Millionen Ablöse gezahlt, hinzu kam ein Gehalt von 3,4 Millionen Euro.

Nun könnte Lasoggas Zeit beim HSV vorbei sein. Die Zeichen stehen auf Trennung, obwohl sein Vertrag noch bis Sommer 2019 läuft. Doch unter Trainer Gisdol geriet Lasogga aufs Abstellgleis. Allerdings ist er wahrscheinlich derjenige, der den HSV mal wieder retten wird. Mit seinem Tor gegen Schalke und vielleicht ja auch nochmal in der möglichen Relegation.

Vor dem 34. Spieltag liegt der HSV mit 35 Zählern weiter auf dem Relegationsrang 16, aber nur zwei Punkte hinter den Teams aus Wolfsburg und Augsburg sowie den praktisch geretteten Mainzern (alle 37). Hamburg braucht im Herzschlagfinale einen Sieg, den Gästen genügt schon ein Remis, um die beiden Playoff-Spiele gegen den Tabellen-Dritten der 2. Liga zu vermeiden.

Diskussionen um Schalke-Tor zum 2:1

Welch eine Spannung, welch eine Dramaturgie: Hätte Lasogga nicht getroffen oder der Stuttgarter Referee Markus Schmidt kurz darauf (90.+4) den vermeintlichen Schalker 2:1-Siegtreffer von Sead Kolasinac anerkannt, wäre das Relegations-Triple (nach 2014 und 2015) unvermeidbar gewesen. Doch zur Hamburger Erleichterung hatte das Schiedsrichter-Gespann gesehen, dass der Ball bei der von Johannes Geis getretenen Ecke in der Luft die Torauslinie überschritten hatte.

Und nach kurzer Diskussion auch so entschieden. „Ich habe sofort gesehen, dass der Linienrichter die Fahne oben hatte“, meinte Gisdol, „aber natürlich war es eine brutal emotionale Szene.“ Auch Heribert Bruchhagen war in der Schrecksekunde, als der Kopfball von Kolasinac im HSV-Tor einschlug, in der Loge das Herz in die Hose gerutscht. Der 68 Jahre alte Vorstandsvorsitzende hat wahrlich viel erlebt in seiner Karriere. Doch das war auch für ihn beinahe zu viel.„Ich kann mich überhaupt nicht an ein Spiel erinnern, in dem ich so ein Wechselbad der Gefühle erlebt habe“, sagte Bruchhagen schnaufend.

Nicht nur der Clubchef ist nun voller Hoffnung auf ein Happy End: „Die Dramaturgie ist jetzt gut für uns. Wir haben ganz kurz vor Schluss etwas Unerwartetes geschafft. Der unmittelbare Druck, direkt absteigen zu können, ist nun weg. Das fühlt sich richtig gut an.“ Entwarnung gab aber auch Bruchhagen nicht: „Wir wissen genau, was wir jetzt für eine Woche vor uns haben. Wir haben entweder ein Spiel oder noch drei Spiele. Jetzt müssen wir alles dafür tun, um das Szenario mit einem Sieg gegen Wolfsburg direkt in der Liga zu bleiben, zu erreichen. Das streben wir an, ist doch klar.“

Dreikampf gegen die Relegation

Vor dem Showdown im Kampf gegen die Relegation gönnten die Trainer des bedrohten Trios aus Augsburg, Wolfsburg und Hamburg ihren Teams noch einen freien Tag. Da Darmstadt 98 und der FC Ingolstadt als Absteiger feststehen, wird am Samstag nur noch der Drittletzte und Gegner des Zweitliga-Dritten in den Relegationspartien gesucht.

 

Die schlechteste Ausgangsposition hat der HSV, der jedoch mit einem Heimsieg im Endspiel gegen den VfL vorbeiziehen will. Die Wölfe könnten sich auch eine knappe Niederlage leisten, wenn Augsburg im schweren Gastspiel beim Champions-League-Anwärter 1899 Hoffenheim verliert und seinen knappen Ein-Treffer-Vorsprung im Torverhältnis verspielt.

Das sind die Ausgangssituationen der drei abstiegbedrohten Teams:

14. FC Augsburg (37 Punkte/-16 Tore):

Der FC Augsburg geht voller Selbstbewusstsein ins Saisonfinale und das schwere Gastspiel bei der TSG Hoffenheim. Ermutigt vom 1:1 gegen Dortmund und zuletzt drei Spielen ohne Niederlage wollen sich die Fuggerstädter nicht auf Schützenhilfe verlassen. „Wir dürfen nicht negativ denken, sondern nach Hoffenheim fahren, um zu gewinnen“, betonte Stürmer Alfred Finnbogason am Montag bei Sky.

Mit seinem Treffer hatte der Isländer gegen den BVB für den wichtigen Punktgewinn gesorgt. Von Was-wäre-wenn-Spielereien und Hoffnungen auf die Konkurrenz will der FCA nichts wissen. „Wir sollten das Rechnen sein lassen“, mahnte Torhüter Andreas Luthe. Die jüngsten Auftritte veranlassten Trainer Manuel Baum nicht, etwas an der gewohnten Spielvorbereitung unter der Woche zu verändern. Nach dem trainingsfreien Wochenstart versammelt er seine Schützlinge am Dienstagnachmittag zur ersten Einheit. Spezialmaßnahmen wie etwa ein Kurz-Trainingslager sind beim FCA nicht vorgesehen.

15. VfL Wolfsburg (37 Punkte/-17 Tore):

Die VfL-Verantwortlichen versuchen mit Ruhe und ihrem Toptorjäger Mario Gomez die Seuchen-Saison doch noch zu einem versöhnlichen Ende zu bringen. Trainer Andries Jonker ließ zwar offen, ob das Team ein Kurztrainingslager beziehen wird, zunächst waren aber keine besonderen Maßnahmen geplant. Der Niederländer ist in seiner Zeit in der VW-Stadt bislang nicht durch Aktionismus aufgefallen, das soll auch weiterhin so bleiben. Stattdessen will man sich daheim auf das Duell im Volksparkstadion vorbereiten.

Für Dienstag sind zwei Einheiten angesetzt, dann wird es auch schon darum gehen, wer den gelbgesperrten Riechedly Bazoer, unter Jonker eine feste Größe, ersetzt. Gomez baut darauf, dass das Team zuletzt immer überzeugte, wenn die Not am größten ist. Das war gegen Ingolstadt und in Frankfurt der Fall, als zwei wichtige Siege gelangen. „Dann haben wir plötzlich Aggressivität, Willen und auch wieder spielerische Klasse“, sagte der mit 16 Treffern erfolgreichste VfL-Goalgetter.

16. HSV (35 Punkte/-29 Tore):

Clubchef Heribert Bruchhagen ist heilfroh über die Chance, dass sein auf dem Relegationsplatz stehender HSV sich mit einem Heimsieg über die Wolfsburger noch direkt retten kann. Entsprechend legte sich der Vorstandsvorsitzende ins Zeug. „Der Klassenverbleib steht über allem“, betonte Bruchhagen. Der Einschätzung, dass ein Abstieg auch eine reinigende Wirkung für den klammen Nordclub haben könnte, widersprach er eindeutig. „Das ist Blödsinn. Das wäre schon ein starker wirtschaftlicher Rückschritt.“ In der Tat: Auf Basis des neu gestalteten Verteilerschlüssels errechnete das Fachmagazin „kicker“ die Geldverteilung aus den TV-Einnahmen an die Erstligisten für 2017/18. Demnach würde der HSV im Fall des Klassenverbleibs satte 39 Millionen Euro kassieren.

Sollten die Hamburger allerdings absteigen, würden nur 21 Millionen Euro aus dem Fernseh-Topf der Deutschen Fußball Liga fließen. Trainer Markus Gisdol überlegt derweil noch, ob ein erneutes Kurztrainingslager für den Verein Sinn ergibt.

Hamburger Gastspiel in Büdelsdorf fällt aus

Das geplante Gastspiel des HSV am kommenden Sonntag im Eiderstadion kann nicht stattfinden. Weil erst im letzten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg einen Tag zuvor die Entscheidung fällt, ob der HSV die beiden Relegationsspiele in der darauf folgenden Woche bestreiten muss, einigten sich der sh:z als Veranstalter und der HSV auf eine Absage des Spiels, in dem es um den Stadtwerke Rendsburg/Sparkasse Mittelholstein-Cup gehen sollte. HSV-Clubmanager Bernd Wehmeyer stellte eine Neuansetzung des Spiels zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht. Die Partie sollte im Rahmen des sh:z-Fußballsommers 2017 stattfinden.

Fußballfans, die sich bereits eine Karte im Vorverkauf gesichert hatten, können ihr Ticket ab kommenden Mittwoch, 17. Mai, im sh:z-Ticketcenter zurückgeben. Sie erhalten ihr Geld zurück: Oder: Die Karten haben auch Gültigkeit für das zweite geplante HSV-Gastspiel am Himmelfahrtstag, 25. Mai (13 Uhr), in Leck. Dort trifft der HSV auf eine Nordfriesland-Auswahl. Diese Begegnung findet aber auch nur statt, wenn der HSV nicht in die Relegation muss.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise der Vertrag von Pierre Michel Lasogga würde im Sommer 2017 auslaufen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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erstellt am 15.Mai.2017 | 15:07 Uhr

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