Die Sport-Kolumne : Nur der HSV: Eitel-Keiten, Raus-Schmiss, Geld-Gier

Während die Menschen von Corona abgelenkt sind, schmeißt der Aufsichtsrat des HSV seinen Vorstandschef Bernd Hoffmann raus.

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29. März 2020, 18:45 Uhr

Machtkampf beendet: Gut, dass wir uns in dieser Zeit, in der Fußballfans von einem Lagerkoller bedroht sind, auf den HSV verlassen können. Der ist stets für Eitelkeiten, Machtkämpfe und Intrigen zu haben.

Diesmal mit einer personellen Mehrheit gegen einen Einzelkämpfer. Ein ziemlich leichtes Spiel, zumal Milliardär Klaus-Michael Kühne aus seiner Schweizer Wahlheimat heraus Regie führte –über seine im Aufsichtsrat positionierten Mittelsmänner Marcell Jansen und Markus Frömming. Der Abschuss von Hoffmann wurde über Monate vorbereitet. Und vollzogen in einer Zeit, in der die Menschen von anderen Sorgen geplagt werden, als mit der HSV-Raute durch die menschenleere Hansestadt zu laufen und um Spenden für die nach wie vor leere Kasse im Volkspark zu bitten.

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Während der Spielbetrieb des Fußballs in aller Welt ruht, schmeißt der Aufsichtsrat Vorstandschef Bernd Hoffmann raus. Jener Aufsichtsrat, der in Teilen vor zwei Jahren Hoffmanns taktisches Spiel unterstützte. Hoffmann setzte sich bei der Wahl zum Präsidenten des Gesamtvereins mit gerade einmal 25 Stimmen gegen Hafenchef Jens Meier durch.

Weiterlesen: HSV-Hammer: Zweitligist feuert Vorstandschef Bernd Hoffmann

Wenig später ließ er sich zum Vorstandschef küren, obwohl er zuvor stets gesagt hatte, das sei nicht sein Ziel. Und ob es das war. Schließlich verdient der HSV-Vorstandschef gutes Geld, obwohl die Kassen leer sind. Das Präsidentenamt ist mehr ein Ehrenamt. Und so wäre es keine Überraschung, würde Ex-Nationalspieler Marcell Jansen demnächst auf diesem Stuhl im Souterrain der Stadionkatakomben sitzen. Auch wenn Jansen beteuert, er strebe dieses Amt nicht an.

Zu der Entscheidung ist es im Volkspark gekommen, weil Finanz-Vorstand Frank Wettstein und Sportchef Jonas Boldt mit Hoffmann „nicht mehr zusammen arbeiten können“, wie es lapidar heißt. An konkreten Vorwürfen fehlt es. „Nicht miteinander können.“ Eine Konstellation, die zur Normalität in Führungscrews großer Unternehmen geworden ist. Und der Laden läuft trotzdem. Diese Lücke gibt Anlass zu Spekulationen.

Gibt es noch etwas, was hinter verschlossenen Türen bleiben soll?

Ein Spieler wird ja auch nicht nach Hause geschickt, wenn die Chemie zu zwei anderen Profis nicht stimmt. Es bleiben Fragen. So wird keine große Ruhe in den Volkspark einziehen. Dafür kommen wohl neue Millionen von Kühne ins Haus. Neue Löcher müssen gestopft werden. Allein durch die Corona-Krise sind es gut 20 Millionen Euro, die in der Kasse fehlen. Milliardär Klaus-Michael Kühne wird es richten. Das von ihm bestellte Aufsichtsratsmitglied Markus Frömming hat den Rausschmiss zusammen mit Jansen, Boldt und Schuldenchef Wettstein in die Wege geleitet. Marketingexperte Frömming spielte früher einmal für den schleswig-holsteinischen Oberligisten SV Eichede im Kreis Stormarn.

Vom unterklassigen Kicker zum Kühne-Jünger. Hoffmann dagegen blieb stets auf Distanz zu Kühne, er wollte eine Art von Unabhängigkeit zum Milliardär herstellen. Letztlich ist Bernd Hoffmann daran gescheitert. Benötigt der HSV doch dringend frische Millionen. Die kommen jetzt. Worauf wir wetten können.

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