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Kaderplanung und Campus-Einweihung : Neues vom HSV: Wer wird der erste Neuzugang?

vom
Aus der Onlineredaktion

Es wäre ein guter Tag für den HSV, einen neuen Spieler zu präsentieren. Doch noch ist nichts fix.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2017 | 11:40 Uhr

Hamburg | Die Klasse ist gehalten, die Erstliga-Lizenz liegt vor, Investor Klaus-Michael Kühne will weiter helfen, und einige weitere Spitzenverdiener sind vom Gehaltszettel: Der einst so gelähmte Bundesliga-Dino HSV scheint bereit für eine etwas freudigere Zukunft. Symbolträchtig, was eben diese Zukunft angeht, traf sich am Dienstagnachmittag die Clubführung im Volkspark: Die Alexander-Otto-Akademie, der neue HSV-Campus, wurde offiziell eröffnet. Doch bis Spieler aus der eigenen Ausbildung für die erste Mannschaft als ernste Optionen infrage kommen, ist es noch eine Weile hin.

In der neben dem Volksparkstadion gelegenen „Alexander-Otto-Akademie“ erhalten insgesamt 16 Toptalente des Bundesliga-Traditionsclubs künftig ihr neues Zuhause. „Vielleicht wächst hier mal ein neuer Uwe Seeler heran, der nicht gleich verkauft wird“, sagte der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Otto.

Ohne die Zehn-Millionen-Euro-Spende des Unternehmers hätte der klamme Club den Bau des Campus, wo künftig alle HSV-Nachwuchsteams von der U16 bis zur U21 trainieren sollen, nicht stemmen können. „Ich bin Herrn Otto sehr dankbar für seine Hilfe, die Ideen von (Ex-Clubchef) Dietmar Beiersdorfer und mir umzusetzen“, erklärte Bernhard Peters, der für den Nachwuchs zuständige Direktor Sport beim HSV über den 15-Millionen-Bau. Er ist 4600 Quadratmeter groß und beherbergt unter anderem ein Internat, eine Mensa, Büros, Schulungs- und Krafträume.

Bekanntester Campus-Bewohner ist Fiete Arp, der seinen Schlüssel für die Talente-WG überreicht bekam. In dieser B-Junioren-Saison hat er in 21 Partien 26 Tore für den HSV erzielt. Und bei der Mitte Mai zu Ende gegangenen U-17-Weltmeisterschaft traf der Hamburger sieben Mal für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) - und weckte damit das Interesse anderer Vereine. Arp sieht seine Zukunft offenbar aber weiterhin beim HSV. „Fiete wird bei uns bleiben. Das hat uns sein Berater versichert“, betonte der Vorstandsvorsitzende Bruchhagen.

Nun fehlen nur noch Neuzugänge – oder wenigstens einer, damit sich wenigstens skizzenhaft eine Richtung für die kommende Bundesligasaison vorgibt. Während Ex-Kapitän Johan Djourou, René Adler und Matthias Ostrzolek den Verein verlassen haben, konnte bislang noch kein einziger neuer Spieler für die neue Saison geködert werden. Auch der sonst so aktive Twitter-Account der Hamburger übermittelt derzeit nur Urlaubsbilder der Profis oder Geburtstagsgrüße an Aktive oder Ehemalige.

Auch in den letzten Jahren – insbesondere im vergangenen Sommer – war der HSV Spätzünder am Transfermarkt, scheiterte zum Teil an seinen eigenen Ansprüchen. Bis Mitte Juli passierte meist nicht viel außer Absagen. Dennoch steht Sportdirektor Jens Todt bereits jetzt unter Zugzwang und muss sich Fragen der Presse anhören, wann er denn den ersten Neu-Hamburger vorstellt. „Wir wollen, dass unser Grundgerüst vor dem Trainingsstart steht“, sagte Todt schon im April dem „Hamburger Abendblatt“ und setzte sich damit selber unter Druck. Ein neuer Torhüter, ein neuer Innenverteidiger, ein Spielmacher und ein Stürmer stehen schließlich auf seiner To-Hire-List.

Einem Bericht der „Bild“ zufolge fordern die Aufsichtsräte – und das ist das große Aber – eine Senkung des Gehaltsetats von 56 Millionen Euro auf 48 Millionen Euro. Allzu viel Spielraum ist also nicht vorhanden, und es würden wohl weitere Spieler gehen müssen, bevor namhafte kommen. Ein möglicher Abschieds-Kandidat ist Douglas Santos, der vor einem Jahr für 7,50 Millionen Euro aus Brasilien kam.

Senkrechtstarter Hee-Chan Hwang von RB Salzburg ist laut „Sky-Sport-News“ ein Kandidat für die Offensive. Der 21-jährige südkoreanische Jung-Nationalspieler erzielte zwölf Tore in der österreichischen Bundesliga – neun davon in der Rückrunde – und konnte seinen Marktwert 2017 auf vier Millionen Euro mehr als verdoppeln. Nachteil für den HSV: Hwang besitzt einen Vertrag bis 2020 in Salzburg, und er spielt für einen Club, dem es nicht an Geld mangelt. Bei Angeboten unter acht Millionen Euro müsste der HSV schon ausgedehnte Ferngespräche mit Österreich führen.

Die neuen Gerüchte gehen größtenteils in Richtung Verjüngung des Kaders. Linksverteidiger Jannes Horn vom VfL Wolfsburg ist 20 Jahre alt und der potentielle Nachfolger für den abgewanderten Matthias Ostrzolek. Das Eigengewächs der Wölfe musste in dieser Saison oft hinter Ricardo Rodriguez anstehen, kam aber trotzdem auf 13 Einsätze. Da Rodriguez als wechselwillig gilt, dürften Horns Chancen steigen, sich beim VfL durchzusetzen. In Hamburg müsste der Spieler – mit 1,86 Metern eher ein Außenverteidiger-Koloss – sich mit Douglas Santos um den Platz hinten Links streiten. Möglich, dass er auch ein Kandidat für die Innenverteidigung wäre, denn hier will der Club ein weiteres Talent verpflichten. Gehandelte Kandidaten sind ebenso U-20-Nationalspieler Felix Uduokhai (19) von Zweitligaabsteiger 1860 München und Saulo Decarli (25) von Eintracht Braunschweig. Linksverteidiger Nico Schulz von Borussia Mönchengladbach wird ebenfalls mit dem HSV in Verbindung gebracht.

Beim von Bayer Leverkusen ausgeliehenen Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos sieht es wieder besser aus, was den Verbleib in der Rothose angeht. Der Grieche und der HSV sind sich seit Längerem grundsätzlich einig, was den Wunsch einer weiteren Zusammenarbeit angeht. Die ausgerufene Ablösesumme der Werkself-Administration um Rudi Völler von bis zu zehn Millionen Euro stieß den Hamburgern zuletzt sauer auf.

Ohne Kühne, der gekoppelt an „überzeugende Vorschläge“ investieren würde, wäre man laut Medienberichten nicht mal verhandlungsfähig gewesen. Den Transfer des 25-Jährigen bezeichnete Kühne kürzlich als „wünschenswerten Deal“ und gab damit vor Pfingsten grünes Licht. Nun sitzen die Vereine wieder an einem Tisch, Vollzug könnte bald gemeldet werden.

Mit dpa

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