Saisonvorbereitung in der Schweiz : Neues vom HSV: Kaderplanung, Verletzte und Geldsorgen

Leere Plätze auf der Bank: Der Hamburger SV muss auf dem Transfermarkt noch einige Hebel in Bewegung setzen.
Leere Plätze auf der Bank: Der Hamburger SV muss auf dem Transfermarkt noch einige Hebel in Bewegung setzen.

Bad Boys geben sich die Klinke in die Hand, gestandende Verstärkungen sind Mangelware und die Geldnot greift um sich.

shz.de von
09. Juli 2015, 11:12 Uhr

Hamburg/Laax | Was ist da bloß los beim HSV? Die Mannschaft bereitet sich in Graubünden im Trainingslager auf den Saisonauftakt gegen Carl Zeiss Jena (1. Runde DFB-Pokal, 9. August um 14.30 Uhr) und gegen Rekordmeister FC Bayern München (14. August, 20.30 Uhr) vor, doch was man hört sind eher erscheckende Nachrichten.

Da ist zum einen Valon Behrami, der am späten Mittwochnachmittag aus dem Trainingslager abgereist ist. Der Verein teilt auf seiner Homepage mit, dass der Schweizer bis auf Weiteres vom Trainingsbetrieb freigestellt ist. Behrami, der noch keinen neuen Verein gefunden hat, solle Angebote interessierter Vereine prüfen, schrieb der HSV auf Twitter. Interesse hatten der italienische Erstligist AC Florenz sowie der Permier-Leauge-Aufsteiger FC Watford bekundet. Letzterer scheint den Poker um Behrami zu gewinnen. Medienberichten nach ist Behrami bereits zu einem Medizincheck nach England geflogen. Mit dem Erlös für einen Transfer hofft der HSV, einen Mittelfeldprofi für die kommende Saison zu engagieren.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">.<a href="https://twitter.com/ValonBera">@ValonBera</a> hat das TL wieder verlassen. Bis auf Weiteres vom Trainingsbetrieb freigestellt, um Angebote interessierter Vereine zu prüfen.</p>&mdash; Hamburger SV (@HSV) <a href="https://twitter.com/HSV/status/618808939715665920">8. Juli 2015</a></blockquote></center>

Behrami war in der Vergangenheit immer wieder durch seine Aggressivität aufgefallen. So habe er im Heimspiel gegen Wolfsburg in der vergangenen Saison Johan Djourou tätlich angegangen. Stattdessen holt man Emir Spahic von Bayer Leverkusen, der auch kein Kind von Traurigkeit ist. Der 34 Jahre alte Abwehrspieler absolvierte am Dienstagvormittag zunächst die obligatorischen Leistungstests, ehe er in die Einheiten mit der Mannschaft einstieg. Spahic konnte am Testspiel gegen Chur (6:0) am Mittwoch allerdings nicht teilnehmen und wird auch beim Telekom-Cup am Sonntag fehlen. Der Grund: Wegen einer Prügelei mit einem Ordner in Leverkusen ist er noch bis einschließlich Sonntag gesperrt. Dann spielt der HSV im Eröffnungsspiel und einem erstem Härtetest gegen Borussia Mönchengladbach um 15 Uhr.

Bruno Labbadia erhofft sich vom erfahrenen bosnischen Nationalspieler trotz allem eine Stabilisierung der Innenverteidigung. „Er kann seine Nebenleute besser machen“, sagte der HSV-Coach über Spahic, der zuletzt für den Ligarivalen Bayer Leverkusen gespielt hat. Und Spahic: „Ich will zeigen, dass ich noch auf hohem Niveau Fußball spielen kann“. Seiner neuen Mannschaft traut er einiges zu: „Der HSV kann eine gute Rolle in der Bundesliga spielen - nicht so, wie die letzten beiden Jahre.“

Ebenso wie der Schweizer fiel auch Pierre-Michel Lasogga bei den Trainingseinheiten am Mittwoch und beim Testspiel aus. Er hütet das Bett mit leichtem Fieber. Dabei sah es bislang sehr gut aus in der Vorbereitung. Der 23-Jährige hofft, seine Saisonvorbereitung ohne muskuläre Probleme zu durchstehen und in der neuen Saison anzugreifen. Trainer Bruno Labbadia sagte am Mittwoch: „Er ist ordentlich drauf.“

Ersatzkeeper Jaroslav Drobny übte ebenfalls individuell, da seine Schulter Beschwerden verursacht und auch Ivo Ilicevic konnte nicht trainieren und klagte erneut über Probleme am Oberschenkel. Am Donnerstag trainierte das Trio wieder mit.

Ebenfalls in dieser Woche schockte viele Fußball-Fans die Nachricht vom Karriereende von Marcell Jansen. Mit nur 29 Jahren hängt der Abwehrspieler, der beim HSV keinen neuen Vertrag erhalten hatte, die Fußballschuhe an den Nagel. „Der Schritt ist nicht einfach. Ich habe im Urlaub viel überlegt. Es gab sehr tolle Angebote. Aber für mich ist ein Weitermachen keine Option“, sagte Jansen. „Ich kann nicht zwei, drei Jahre noch irgendwo spielen, wo ich nicht zu 100 Prozent dahinterstehe. Denn ich denke, dass ich mich nun in neuen, in anderen Aufgaben besser verwirklichen kann.“ Er habe einige Projekte im Kopf, etwa ein Start-up. „Und ich freue mich darauf, dass ich mein Hobby wieder zurückbekomme. Zuletzt war Fußball mein Beruf, nun wird es wieder mein Hobby.“ Coach Bruno Labbadia ist von dem Rücktritt überrascht worden. „Ich habe Respekt vor seiner Entscheidung, die Karriere schon jetzt zu beenden, obwohl er sicher noch weiterspielen hätte können“, sagte Labbadia.

Mit erst drei gestandenen Neuzugängen (Gotoku Sakai, Emir Spahic und Bathuhan Altintas) sieht es in der Kaderplanung noch mau aus. Seit Wochen ziehen sich die Verhandlungen um einen Wechsel von Bochums Michael Gregoritsch und Braunschweigs Emil Berggreen hin. Der HSV ist sich mit den Spieler einig, schreibt das Hamburger Abendblatt. Doch bei der Ablöse gebe es Schwierigkeiten. Bochum fordert drei Millionen, der HSV will aber nur 2,5 zahlen. Berggreen soll für einen niedrigen Millionenbetrag kommen, doch selbst eine Million ist für den HSV zu viel, heißt es in dem Bericht. Und eigentlich will Labbadia auch Stuttgarts Alexandru Maxim haben. Das Problem: Die Schwaben wollen sechs Millionen für den Stürmer. Ebenfalls besteht Interesse an dem Mittelfeldakteur Albin Ekdal von Cagliari Calcio. Der 25 Jahre alte schwedische Nationalspieler soll allerdings rund vier Millionen Euro kosten. Alle vier Spieler würden den HSV rund 14 Millionen kosten. Geld, dass der klamme Verein nicht hat. Und wieder einmal schallt das Wort „Kühne“ durch den Raum. Der millionenschwere Investor will allerdings höchstens dann tätig werden, wenn ein klares Konzept da ist. Trotz Verhandlungen ist der HSV nicht bereit, mehr Anteile an den Unternehmer Klaus-Michael Kühne zu verkaufen, der schon 7,5 Prozent an der HSV Fußball AG besitzt.

Ein Verkauf von Jonathan Tah zu Leverkusen steht seit der Verpflichtung von Spahic nichts mehr im Wege. Der 19-Jährige will wechseln. Eine hohe siebenstellige Ablöse würden Kühne-Millionen verzichtbar machen und den Weg für neue Offensiv-Transfers bahnen. Vor den Augen von Leverkusens Sportchef Rudi Völler verlor Kapitän Tah mit der U19-Nationalmannschaft bei der EM in Griechenland allerdings deutlich gegen Spanien mit 3:0. Am Freitag gegen die Niederlande steht das Team bereits unter Zugzwang. Ob das die Gewinnaussichten für den HSV schmälert, wird sich zeigen.

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