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HSV-Kapitän : Nach Matthäus-Schelte: Diskussion um van der Vaart

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Lothar Matthäus und Uli Stein haben nach dem überraschenden HSV-Sieg gegen Dortmund mit ihrer Prügel gegen den Kapitän eine Diskussion entfacht: Kann der HSV nur ohne Rafael van der Vaart gewinnen?

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2014 | 12:44 Uhr

Hamburg | Beim erstaunlichen Lebenszeichen des Hamburger SV war Rafael van der Vaart gar nicht dabei. Diskutiert wird aber umso heftiger über ihn. Ist der niederländische Fußball-Nationalspieler noch der Kopf des HSV-Teams? Kann er seine Mitspieler führen? Braucht ihn die Mannschaft noch? Das 3:0 der Hanseaten am Samstag gegen Borussia Dortmund sah der etatmäßige Kapitän von der Tribüne aus.

Eine Sprunggelenksverletzung zwang ihn zum Zuschauen. In dieser Woche steigt er ins Mannschaftstraining ein, ein Einsatz bei Werder Bremen am Samstag wird angestrebt. „Dann kann ich mehr helfen“, sagte der Spielmacher.

Ex-Nationalspieler Lothar Matthäus rät in der derzeitigen Phase von der Rückkehr van der Vaarts ab. „Ich bin der Meinung, der HSV hat heute nach langer Zeit wieder mal mit elf Spielern gespielt, nicht mit zehn. Van der Vaart war eine Zumutung für die Mannschaft“, erklärte Matthäus im TV-Sender „Sky“ nach dem Coup über die Borussia. „Ich glaube, er wird es schwer haben, gerade in diesem Abstiegskampf unter Trainer Slomka wieder zurückzukommen.“ 

Tage zuvor hatte der ehemalige HSV-Torhüter Uli Stein eine Attacke gegen den einst als Heilsbringer geholten van der Vaart geritten. „Der fehlende elfte Mann ist für mich der Kapitän. Was van der Vaart auf dem Platz abliefert, hat mit Fußball und mit Mannschaftssport nichts zu tun“, wetterte der einstige Nationalspieler.

Die verbalen Breitseiten passen Trainer Mirko Slomka, der seine neue Mannschaft nach acht Pflichtspiel-Niederlagen zum ersten Sieg führte, überhaupt nicht ins Konzept. „Er ist und bleibt ein Schlüsselspieler für diese Mannschaft“, konterte er die Kritik.

„Ich glaube, dass Rafael van der Vaart für diese Mannschaft wahnsinnig wichtig ist.“ In den Tagen zuvor hatte der Coach Aufbaugespräche mit dem 30-Jährigen geführt, um ihm seine verschüttgegangenen Stärken zu erläutern.

Selbstbewusste Stimmen, die die Rolle van der Vaarts tangieren, werden aus der Mannschaft laut. „Wenn Rafael auf dem Platz steht, schieße ich weniger Standards. Ich habe Respekt vor ihm und trete dann beiseite. Wir müssen uns noch einigen, wer in den nächsten Spielen die Standards macht“, betonte Kunsttorschütze Hakan Calhanoglu, der mehr Freistoßausführungen für sich reklamiert.

Eigentlich ist van der Vaart der Chef auf dem Platz. Seine Technik und Ballbehandlung, sein Auge für den Nebenmann, seine Schusstechnik und Pässe kürten ihn zum Ausnahmefußballer. Er beherrscht an guten Tagen alles. Nur: Die guten Tage seit seiner Verpflichtung im August 2012, als er für 13 Millionen Euro von Tottenham Hotspur geholt wurde, sind immer seltener geworden. Nach der schlagzeilenträchtigen Trennung von seiner Ex-Frau Sylvie, dem Liebesbekenntnis zu deren Freundin Sabia Boulahrouz und einem privaten Schicksalsschlag fiel van der Vaart in ein Leistungsloch. Einher ging die Krise des HSV.

Van der Vaart tauchte auf dem Rasen ab, spielte ebenso leidenschafts- und glücklos wie seine Nebenleute. Streicheleinheiten gibt es derweil von Louis van Gaal. Der Coach der niederländischen Nationalmannschaft gibt van der Vaart einen Freifahrtschein. Er genieße bei der Nominierung für die WM einen Vorteil, sagte van Gaal. Van der Vaarts Trost: Wenigstens in der Heimat wird er hofiert.

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