HSV gegen Augsburg : Markus Gisdol entscheidet sich für Pollersbeck im Tor – Walace fliegt aus dem Kader

Nach der 1:2-Niederlage bei Hertha BSC: Torwart Christian Mathenia. Sonntag stellte er sich dann seinen Fans in Brokdorf.
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Christian Mathenia könnte seinen Stammplatz im HSV-Tor verlieren.

Die Torwartfrage beim HSV ist entschieden. Auch im Mittelfeld greift der Trainer bei Streik-Profi Walace durch.

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12. Januar 2018, 16:25 Uhr

Hamburg | Der Zweikampf im HSV-Tor ist entschieden: U21-Europameister Julian Pollersbeck löst Stammkeeper Christian Mathenia ab. Diese Entscheidung teilte Trainer Markus Gisdol zunächst den beiden Torhütern und dann seiner ganzen Mannschaft am Freitag nach dem Abschlusstraining mit. Nachdem Mathenia in der Hinrunde einige Male gepatzt hat, rückt damit zum ersten Mal der 23-jährige Pollersbeck zwischen die Pfosten. Schlechte Stimmung soll es beim Unterlegenen im Torwartcasting aber nicht geben, versichert Gisdol.

In der Hinrunde hatte der 25-jährige Mathenia alle 17 Spiele bestritten, zeigte aber einige Patzer. Nun erhält der 23-jährige Pollersbeck eine Bewährungschance beim Tabellenvorletzten. Der 23-Jährige war im Sommer für rund 3,5 Millionen Euro vom 1. FC Kaiserslautern zum HSV gewechselt. Vor Saisonbeginn erhielt Mathenia den Vorzug, weil Pollersbeck in den Testspielen nicht überzeugen konnte. Zudem war ihm unter anderen mangelnde Fitness vorgeworfen worden. Der HSV hat in der Hinrunde 25 Gegentore kassiert.

Walace fliegt aus dem Kader

Eine andere Personalentscheidung ist bereits öffentlich: Gisdol hat Streik-Profi Walace aus dem Kader gestrichen. Wegen seiner Wechselwilligkeit und seiner verspäteten Anreise ins Trainingslager fährt der brasilianische Mittelfeldakteur gar nicht erst mit zum Rückrundenauftakt nach Augsburg.

Stimmt die Ablösesumme, könnte Streik-Profi Walace verkauft werden. /Archiv
Foto: Axel Heimken
Stimmt die Ablösesumme, könnte Streik-Profi Walace verkauft werden. /Archiv
 

„Walace ist aus meiner Sicht gerade weder körperlich noch mental in dem besten Zustand. Er ist nicht 100-prozentig mit dem Kopf bei der Sache“, begründete Gisdol Walaces Ausbootung. Stimmt die Ablösesumme – Walace soll im Januar vergangenen Jahres 9,2 Millionen Euro gekostet haben – würde der HSV ihn wohl ziehen lassen. Dann wäre möglicherweise auch wieder Geld da für neue Spieler.

Im Mittelfeld der Hamburger gibt es noch einen weiteren Ausfall: Albin Ekdal. Die Verletzungspause des Schweden scheint Gisdol aber nur wenige Sorgen zu bereiten. „Es beeinträchtigt unsere Aufstellungsgedanken für das Wochenende nicht extrem. Wir haben den einen oder anderen Spieler im Trainingslager gesehen, der die Chance genutzt hat, sich in den Vordergrund zu spielen. Das wird man jetzt auch bei der Aufstellung sehen.“ Auf dem Platz stehen könnten dann die Mittelfeldspieler Vasilije Janjicic und Sejad Salihovic.

Hamburg gilt als Abstiegskandidat

Trotz höchster Abstiegsgefahr verspürt Gisdol große Lust auf die zweite Saisonhälfte. „Das ist schon ein besonderes Kribbeln. Ich habe immer große Vorfreude, wenn es wieder losgeht“, sagt der Coach des Hamburger SV vor der Partie am Samstag (15.30 Uhr) beim Hinrunden-Überraschungsteam FC Augsburg. Gisdol weiß aber um den Ernst der Lage. Als Tabellenvorletzter mit lediglich 15 Zählern müssen die Hamburger unbedingt punkten, um aus der prekären Situation zu kommen.

Gisdol versucht mit Lockerheit und Gelassenheit keine Nervosität aufkommen zu lassen. „Der Optimismus ist hundertprozentig da“, beteuert der 48-Jährige und behauptet: „Ich habe keine Sorge.“ Er bekennt aber auch: „Es wird eine knallharte Rückrunde. Keine Mannschaft in unserem Umfeld wird wegbrechen.“ Vor den Hamburgern stehen Werder Bremen mit ebenfalls 15 Punkten, Mainz und Stuttgart (je 17) sowie Freiburg und Wolfsburg (je 19).

In der Bundesliga und unter Fans herrscht die Meinung, dass der zweimalige Relegationsteilnehmer HSV diesmal dem erstmaligen Abstieg nicht entkommt. Sowohl bei den Wettanbietern als auch in einer „kicker“-Umfrage unter 219 Bundesliga-Profis sind die Hamburger hinter dem abgeschlagenen 1. FC Köln klarer Favorit auf den Absturz in Liga 2.

Gisdol kommt auch nach der kurzen Winterpause nicht über die Versäumnisse der Hinrunde hinweg. Acht bis zehn Punkte hätte sein Team mehr haben müssen, hatte der Coach nach dem letzten Punktspiel vor der Winterpause (1:3 gegen Mönchengladbach) geklagt. Jetzt fordert er: „Die Vielzahl verschenkter Punkte müssen wir uns zurückholen.“ Dafür muss die Mannschaft aber eine andere Offensivleistung abliefern. Die Torgefahr der Hamburger (15 Treffer in 17 Spielen) hält sich in Grenzen. „Es muss zweifelsohne mehr kommen“, meint Gisdol. Er möchte deshalb sein offensives Mittelfeld um einen torgefährlichen Vorlagengeber bereichern. Bis zum 31. Januar läuft die Transferfrist noch. Doch der Markt gibt nicht viel her.

Sportchef Jens Todt hat sich in den vergangenen Tagen in Spanien umgeschaut. Gisdol: „Das besprechen wir intern.“ HSV-Topscorer Nicolai Müller wird nach seinem im ersten Spiel erlittenen Kreuzbandriss gegen Augsburg vermutlich erst wieder im April auflaufen können.

Ebenfalls Sorgen bereitet Gisdol ein anderer Mittelfeldspieler: Michael Gregoritsch. Beim HSV im vergangenen Sommer aussortiert, trifft und trifft er nun beim FC Augsburg. Acht Tore erzielte er in 16 Spielen der Hinrunde. Beim HSV waren es in 55 Partien zehn Treffer. Das bringt Gisdol in Erklärungsnot. Zum Zeitpunkt, als der HSV den Österreicher verschmähte, „war die Faktenlage anders“, meint der Trainer und gesteht: „Da sieht man immer ein bisschen blöd aus.“

(mit Material der dpa)

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