Hauptversammlung der HSV-AG : HSV hat neuen Aufsichtsrat – doch für wie lange?

Vorstand und Aufsichtsrat wurden von den Aktionären einstimmig entlastet. Dennoch könnte der Frühling turbulent werden.

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06. Februar 2018, 15:49 Uhr

Hamburg | Die Gesellschafter der HSV Fußball AG sind am Dienstagmorgen im VIP-Bereich des Volksparksstadions zusmammengekommen. Nicht mal zwei Wochen vor der Präsidentenwahl, die das Ergebnis gleich wieder über den Haufen werfen könnte, war das zentrale Thema die Wahl eines neuen Aufsichtsrats. Dabei gab es am Ende keine Überraschungen. „Wir sind uns der Bedeutung der Aufgabe bewusst und beginnen morgen mit der Arbeit“, sagte der neue Vorsitzende Michael Krall nach der Wahl des neuen, sechsköpfigen Kontrollgremiums am Nachmittag.

Wer gehört zum neuen Aufsichtsrat?

 

Der Präsident des Vereins, Jens Meier, hatte schon im Dezember in Abstimmung mit dem Beirat die Kandidaten für die künftige Besetzung des Aufsichtsrates der AG benannt. Am Dienstag wurden wunschgemäß die Aufsichtsratsmitglieder Andreas Peters und Felix Goedhart wiedergewählt. Die freiwillig ausscheidenden Karl Gernandt, Dieter Becken und Bernd Bönte machten den Weg frei für den Wirtschafts-Manager Michael Krall, Remondis-Vorstandsmitglied Max-Arnold Köttgen und Ex-Nationalspieler Marcell Jansen, der derzeit in der dritten Mannschaft des HSV wieder die Fußballschuhe schnürt. In seiner Funktion als Präsident des HSV e.V. bleibt Jens Meier dem Aufsichtsrat erhalten. Krall folgt auf Peters im Vorsitz, sein Vertreter wird Meier.

<p>Marcell Jansen wird Funktionär.</p>
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Marcell Jansen wird Funktionär.

Präsident Meier stützte den in letzter Zeit wegen der Verbreitung einer internen E-Mail in Turbulenzen geratenen Felix Goedhart, der weiterhin dem Aufsichtsrat angehört. Die E-Mail hatte offengelegt, dass AG-Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt beim Aufsichtsrat offenbar sehr viel Vertrauen eingebüßt haben. Laut „Hamburger Abendblatt“ ist die Trennung von den beiden im Sommer wahrscheinlich. Um Maulwurfspannen wie diese zu vermeiden, sollte am Dienstag auch neues internes Regelwerk erörtert werden. Vor den Neuwahlen hatten die AG-Gesellschafter sowohl den Vorstand als auch den Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2016/17 einstimmig entlastet.

<p>Felix Goedhart blieb trotz Putsch-E-Mail im Aufsichtsrat bleiben.</p>
Foto: dpa

Felix Goedhart blieb trotz Putsch-E-Mail im Aufsichtsrat bleiben.

Bedingt durch die prekäre sportliche Situation und den vergangene Woche bekannt gewordenen Putsch-Versuch gegen Bruchhagen und Todt herrschte bei der Zusammenkunft eher Eiseskälte als Frühlingswind. Wie die Kicker auf dem Rasen lassen auch die Macher in den Katakomben seit Jahren ein glückliches Händchen vermissen.

 

Der Dämon steckt tief im Mark und zerrt an allen Enden: Abstiegsplatz, Trainerwechsel, fußballerische Sinnkrise, heftige Diskussionen über den Umgang mit Rechtspopulisten und unzufriedene Spieler füllen den Rucksack der Sorgen vor dem kleinen Neubeginn im Aufsichtsrat. Auch bei den Sponsoren schleicht sich allmählich eine HSV-Müdigkeit ein: Gesundheitspartner HEK hat nach drei Jahren kein Interesse mehr ein einer weiteren Zusammenarbeit nach dem Sommer.

<p>Klaus-Michael Kühne will seinen Einfluss sichern.</p>
Foto: dpa

Klaus-Michael Kühne will seinen Einfluss sichern.

Dazu stellt Investor Klaus-Michael Kühne seine vitale Goldader vorerst nur noch hinter Panzerglas aus. Der Anteilseigner war am Dienstag mit vor Ort. Er verliert mit Karl Gernandt seinen Vertrauten im Aufsichtsrat und muss sehen, dass ihm ein neuer Kontakt als Quasi-Stellvertreter die Leitung hält. Zwischenzeitlich hatte der Logistik-Milliardär aus Groll über die geplante Neubesetzung des Aufsichtsrates sogar mit Rückzug gedroht.

Hat Hoffmann ein Schattenkabinett?

Bernd Hoffmann blickt vor der HSV-Raute in die Kamera des Fotografen. /Archiv
Foto: Kay Nietfeld
Bernd Hoffmann blickt vor der HSV-Raute in die Kamera des Fotografen. /Archiv

Offiziell wurden die Aufsichtsratsmitglieder für fünf Jahre ernannt. Sollte Bewerber Bernd Hoffmann am 18. Februar aus der Kampfabstimmung mit Amtsinhaber Jens Meier als neuer Präsident hervorgehen, winken dem Aufsichtsrat dennoch unruhige Zeiten. Als sicher gilt, dass Hoffmann personelle Veränderungen im Aufsichtsrat herbeiführen würde – es könnte darauf hinauslaufen, das nur Jansen und Peters ihre Plätze behalten. Ein Präsident Hoffmann hätte sogar die Möglichkeit, die Besetzung komplett aufzulösen.

Der Rückkehr-Aspirant will nicht nur Vereinspräsident sondern auch Aufsichtsratschef der AG werden. Mit über 75 Prozent ist der Verein an AG beteiligt und hat über den Aufsichtsrat ohnehin maßgeblichen Einfluss auf das Bundesliga-Geschäft des Tabellen-17.

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