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Bundesliga-Kolumne : Liga-Beben, Tor-Geiz und Konzern-Fußball

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wieder ein torloser HSV und ein bayerischer Komödienstadel – ein meinungsstarker Rückblick auf den 29. Spieltag von Jürgen Muhl.

Welch eine Woche: Die Nachrichten überschlugen sich. Jeden Tag, ja, fast zu jeder Stunde. Die Bundesliga lieferte sechs Wochen vor Saisonschluss Schlagzeilen auf Knopfdruck. Jürgen Klopp verlässt Borussia Dortmund freiwillig, vier Tage später meldet der BVB die Verpflichtung von Thomas Tuchel. Jener Trainer, der bundesweit als Messias gehandelt wird. Dem der HSV nicht gut genug ist, der offenbar nur auf die Demission von Klopp gewartet hat. Ging es doch mit der Einigung zwischen Dortmund und dem eigenwilligen Ex-Mainzer auf einmal schnell.

Wobei dies keine Traumehe werden muss. Tuchel ist längst nicht so volksnah wie Klopp, ihm fehlen menschliche Züge, die in den Kohlenpott passen. Man darf gespannt sein, wie die schwarz-gelbe Fangemeinde auf diese Verpflichtung reagiert. Rund zwei Millionen Euro mehr als die 3,2 Millionen, die es beim HSV gewesen wären, soll Tuchel in Dortmund pro Jahr bekommen. Was wohl auch Klopp, der bei Manchester United und bei Manchester City gehandelt wird, nachdenklich machen wird.

Auf die Personalie Bruno Labbadia in Hamburg folgte der bayerische Komödienstadel mit den Hauptdarstellern Pep Guardiola und Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der den Bayern mehr als vier Jahrzehnte zur Seite stand – und der nun nach Querelen mit Guardiola das OP-Messer in die Ecke warf. Sollten die Bayern gegen Porto aus der Champions League fliegen, gibt es beim Rekordmeister so richtig Ärger.

Gestern wurde in Hannover über Mirko Slomkas Rückkehr zu 96 spekuliert. Daraufhin der im Krankenhaus liegende Trainer zu unserer Zeitung: „Ich gehe nicht davon aus.“

Es war angerichtet: Die anderen Abstiegskandidaten hatten verloren. Und Bruno Labbadia gewinnt bei seinen Wechseln immer das erste Spiel mit seinem neuen Verein. Doch der HSV traf auch in Bremen nicht das Tor und erwies sich nach dem Abpfiff als schlechter Verlierer. Man beklagte sich über Schiedsrichter-Entscheidungen und vergaß dabei, dass Rafael van der Vaart bereits in der ersten Spielhälfte nach einem bösen Foul hätte Rot sehen müssen. Der HSV geht als Tabellenletzter in die letzten fünf Partien und kann es immer noch schaffen. Allerdings müsste mal ein Tor erzielt werden. Diese Regel wird auch der HSV nicht abschaffen. Im Fußball entscheiden nun einmal Tore.

Zitterpartie: Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn liebt den Fußball ebenso wie die Automobiltechnik. Ihm hat der VfL Wolfsburg seit Jahren den Aufschwung zu verdanken. Winterkorn pulvert pro Saison rund 80 Millionen Euro in den Werksclub. Welcher Verein – außer den Bayern – kann schon mal in der Winterpause 30 Millionen Euro in einen Star wie Andre Schürrle investieren?

In der Vorwoche wurde es unruhig in Wolfsburg. Zur 1:4-Heimschlappe in der Europa League gegen Neapel kam das Bangen um Winterkorn, der letztlich intern erst einmal gegen Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech gewonnen hat. Da die VW-Führungsspitze über schlechte Erlöse klagt, mag aber der Tag kommen, an dem die Überweisungen an den konzerneigenen Verein für Leibesübungen nicht mehr so üppig ausfallen.

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erstellt am 20.Apr.2015 | 08:20 Uhr

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